Antonio Vivaldi, geboren 1678 in Venedig, Komponist des Hochbarock – und die Band Iron Maiden, gegründet 1975 in London, Flaggschiff der „New Wave of British Heavy Metal“ – was könnten diese beiden gemein haben? In der Reihe „Sternstunden“ hat das Stuttgarter Kammerorchester entdeckt, was den Komponisten und die Band verbindet.
Antonio Vivaldi, geboren 1678 in Venedig, Komponist des Hochbarock – und die Band Iron Maiden, gegründet 1975 in London, Flaggschiff der „New Wave of British Heavy Metal“ – was könnten diese beiden gemein haben? Jede Menge, findet Daniel Sepec, erster Violinist des Stuttgarter Kammerorchesters.
Am Mittwochabend tritt dieses Orchester auf im Hospitalhof. „Iron Maiden in Love with Vivaldi“ – so ist der Titel des Programms. In den Reihen der Zuschauer sieht man die Kutten der Metal-Gemeinde neben der Abendgarderobe der klassischen Konzertgänger.
Der Geiger zieht den Hut
Markus Korselt, Intendant des Stuttgarter Kammerorchesters, und Daniel Sepec sprechen vor Beginn des Konzertes über die Stilparallelen von Metal und Barock. Beide sind offenkundig Bewunderer sowohl des einen als auch des anderen. Für Markus Korselt ist der Einsatz flächiger Harmonien, die Repetition von Noten auf gleicher Tonhöhe, ein gemeinsames Merkmal; Daniel Sepec findet bei Iron Maiden und Vivaldi Momente, in denen ein ganzes Orchester lange dem gleichen Rhythmus nachjagt. Ein Furor tobt auch in Vivaldis Winter – „Das hat schon etwas Rockiges“. Der klassische Geiger zieht den Hut vor den Helden des klassischen Metal: „Wie die mit einer unglaublichen Geschwindigkeit auf den Punkt spielen, das muss man erst einmal hinbekommen.“
Dem Stuttgarter Kammerorchester allerdings gelingt das ebenfalls. Der Schwerpunkt seines Programmes freilich liegt bei Vivaldi. Man hört sein Konzert für Violine und Orchester in e-Moll, sein Concerto ripieno für Streicher und Basso continuo, Sommer und Winter der Vier Jahreszeiten und das Stück „La Follia“, zuvor schon beliebt in Metal-Kreisen als Klassik-Zitat.
Vivaldis Sommer entfesselt größte Begeisterung
Dazwischen: „Murders in the Rue Morgue“, „Wrathchild“, „Fear of the Dark“, „Phantom of the Opera“, „Can I Play with Madness“, arrangiert von Bernie Mallinger: Ein atemberaubender Wechsel der Spieltechniken, der das hohe Energielevel auf beiden Seiten deutlich akzentuiert.
Unterschiede freilich werden ebenfalls deutlich: Iron Maiden borgten von Vivaldi, nicht umgekehrt – eine Klangfülle und Komplexität, wie sie sich in der Barockmusik findet, gibt es im Metal nicht; den größten Begeisterungssturm im ausverkauften Hospitalhof entfesselt doch Vivaldis Sommer. Der Abend endet mit dem Auftritt einer echten Heavy Metal-Band: C.L. Anger aus Vaihingen/Enz sind gekommen, entfachen ihren eigenen barocken Donner mit elektrischen Gitarren und Schlagzeug.