Das Stemning Ensemble bot in der Taborkirche ein A-cappella-Konzert unter der Leitung von Johannes Kaupp. Foto: Silvia Lorek

Mit sensationellen Stimmen, Illuminationen und einer Uraufführung begeisterte das Stemning Ensemble beim Konzert in der Taborkirche in Freudenstadt das Publikum.

Mit dem Programm „Donum feminarium“ rückte das junge Stemning Ensemble unter der künstlerischen Leitung von Johannes Kaupp, Komponistinnen und ihre Werke in der klassischen Musik in den Fokus. Die Stimmen des A-cappella-Chors in Kombination mit einer beeindruckenden Illumination des Kirchenraums durch Christoph Oberlin (SWR) begeisterten die Zuhörer in der voll besetzten Taborkirche.

 

Zu Gehör kamen Werke oft übersehener weiblicher Komponistinnen mit A-cappella-Werken von der Renaissance bis zur Gegenwart, ergänzt mit Werken ihrer Zeitgenossen wie Johannes Brahms und Thomas Morley.

Eine atemlose Stille

Das schwindende Abendlicht und die passend zu den musikalischen Werken kuratierte Lichtgestaltung seien erst später am Abend möglich, erläuterte Chorleiter und Dirigent Johannes Kaupp den Konzertbeginn um 21 Uhr.

In mystisch wirkendes blaues Licht getaucht, intonierte das Stemning Ensemble zunächst in pianissimo und sich fulminant steigernd das Stück „Jerusalem“ von Egil Hovland (1924 bis 2013). Dabei hinterließen die Stimmen bei den Zuhörern eine atemlose Stille.

Für die Lichtgestaltung in der Taborkirche war Christoph Oberlin verantwortlich. Foto: Silvia Lorek

In zart violettes Licht getaucht folgte das sehr dicht und legato gesungene „Media Vita“ (Mitten im Leben) von Kerensa Briggs (*1991), bei dem die Bitte um Erlösung flehentlich hörbar wurde. Dunkelheit war als Thema hör- und sichtbar.

Uraufführung von Elisabeth Fußeder

Als Höhepunkt flocht sich die Komposition „Angesicht“ der preisgekrönten Komponistin Elisabeth Fußeder (*2000), die auch im Chor mitsang, als Uraufführung ein. Darin hatte sie das Gedicht „Brüder“ und eigene Erfahrungen während eines Projekts über Krieg und Frieden verarbeitet, wie die Zuhörer per Kurzinterview erfuhren. Klanglich spiegelte das Stemning Ensemble auch durch Dissonanzen Angst und Schrecken wider und imitierte den wellenartigen Fliegeralarm des Zweiten Weltkriegs.

Gefolgt von Johannes Brahms (1833 bis 1897) vierteiliger Motette op.74, no.1 „Warum ist das Licht gegeben den Mühseligen?“, die mit sanften Männerstimmen begann und in allen Stimmlagen bis zu glockenhellen Sopranstimmen präsentiert wurden.

Konzert nähert sich dem Frühlingserwachen

Thematisch wurde das Konzert Stück-um-Stück heller und näherte sich dem Frühlingserwachen. Voller ansteckender Fröhlichkeit mit besonderer Dynamik, einem Dialog – eingebettet in sanften Chorklang –, kam das „Now in the month of maying“ von Thomas Morley (1558 bis 1602) daher und bekam großen Zwischenapplaus.

Mit Fanny Hensels (1805 bis 1847) „Schöne Fremde“ wurde der Übergang von der Abendstille zur Nacht hörbar. Die romantische Nachtstimmung widerspiegelnd, entführte das Stemning Ensemble mit Clara Schumanns (1819 bis 1896) „Gondoliera“ in eine warme Sommernacht, die das Bild eines Liebespaars besang, das in einer Gondel über das Meer gleitet. Dazu leuchteten die von Christoph Oberlin initiierten Sterne im Kirchenraum.

Violinsolo, das zum Meditieren einlud

Sphärische Klänge ließ das Chorensemble vielstimmig zu Beginn von „O nata lux“ von Lucy Walker (*1998) erklingen und bezauberte mit variationsreich, präzise, sehr innig gesungenem a-cappella-Gesang; ergänzt mit einem Violinsolo, das zum Meditieren einlud. Das Publikum erklatschte sich noch eine Zugabe: das französisch-romantische „Cantique“.

Nächstes Konzert

Ausblick
Das nächste Konzert des Stemning Ensembles in der Taborkirche findet in Kooperation mit dem Chor der Universität Stuttgart-Hohenheim am Sonntag, 14. Dezember, statt. Einzelne Messsätze von Palmeri und Dobrogosz mit Streichquintett umrahmen das Programm aus traditionellen Adventsliedern.