Es war das erste Konzert der Stadt- und Bürgerwehrmusik Villingen unter ihrem neuen Dirigenten Thomas Scheiflinger. Und der Stadtmusikdirektor beeindruckte bei seiner Premiere.
Im Franziskaner-Konzerthaus brummt es wie in einem Bienenstock. Es ist wieder einmal so weit: das Jahreskonzert des Jugendblasorchesters (JBO) und des Großen Blasorchesters (GBO) steht auf dem Programm.
„Mehr Publikum als im letzten Jahr“ sei es, freut sich der Vorsitzende Andreas Eigeldinger. Die überall spürbare Spannung steigert sich ins beinahe Unermessliche, als sich der Anfang des Konzerts mehr und mehr verzögert. „Technische Probleme“ gebe es, so der unverstärkte Vorsitzende an das aufgeregt plappernde Publikum.
Nun, man geduldet sich, und schließlich ist es so weit: Moderator Alexander Brüderle erklärt das Konzert für eröffnet. Traditionsgemäß gehört der erste Teil des Abends dem JBO.
Von Pilatus zu Adele
Unter der Leitung von Andreas Hirt steigen sie gleich voll ein mit Steven Reinekes Tongedicht „Pilatus“ über den Luzerner Hausberg, bereits seit dem Mittelalter auch bekannt als Drachenberg, da in ihm diese Fabelwesen hausen sollen. Musikalisch spannend und farbig umgesetzt, überzeugend und mit viel Spielfreude musiziert.
Hinreichend bekannt dürfte die Geschichte Tarzans und seiner Jane sein, die von Phil Collins zu einem recht populären Musical verarbeitet wurde. Arrangiert von Matthias Bucher präsentiert das JBO verschiedene Höhepunkte daraus, mit Deborah Kyburz und Alexander Gambin als überaus überzeugende Gesangssolisten. Dabei gefällt neben den sängerischen Qualitäten vor allem auch das Zusammenwirken von Solisten und Orchester.
Eine Reverenz an die britische Sängerin Adele erweist das Orchester mit seinem dritten Beitrag „Adele 21“, einem Potpourri aus verschiedenen Titeln. Auch hier kommt die hohe Qualität des Orchesters zur Geltung. Als Zugabe zelebriert das JBO mit „I Will Follow Him“ aus dem Film Sister Act einen wahren Gassenhauer, und dies aufs Feinste. Verdiente stehende Ovationen. Umbaupause.
Jetzt schlägt die Stunde des GBO. Natürlich sind alle gespannt, ist dies doch das erste vollständig geplante und einstudierte Jahreskonzertprogramm des „Neuen“, des Stadtmusikdirektors Thomas Scheiflinger.
Zwei Dinge fallen auf
Zwei Dinge fallen sofort in Auge und Ohr. Das erste: Thomas Scheiflinger hat einen sympathischen Drang zum Pathos, denn wuchtig bringt er mit gewaltigen Klängen die ehrwürdigen Mauern zum Erzittern. Das zweite: Er liebt den großen Gestus, was vor allem beim Abwinken deutlich wird. Und er ist, last but not least, auch ein prima Dirigent, denn was das GBO da anbietet, sind lauter schwere Brocken, angefangen vom „Königsmarsch“ von Richard Strauss, dem deutschen Komponisten, der um die letzte Jahrhundertwende für seine Opern und Tondichtungen bekannt war und nichts mit der Leichtigkeit der österreichischen „Sträuße“ zu tun hat.
Ein gewaltiges Werk
Als nächstes gewaltiges Werk dann die dreiteilige Suite „Tirol 1809“ des Österreichers Sepp Tanzer, ein dem Sujet Freiheitskampf durchaus angemessenes Œuvre, auf das dann die Pause folgt. „Ein zauberhaftes Bild einer jungen Liebe im Frühling“ sei Alfred Reeds Ouvertüre „The Hounds Of Spring“ verspricht das Programmblatt. Nun, in dieser zauberhaften Liebe scheint es hoch herzugehen, so lässt sich zumindest aus dem fulminanten Orchestereinsatz gleich zu Beginn schließen.
Und die Filmmusik zu Kenneth Branaghs oscarprämiertem Meisterwerk „Henry V“ beeindruckt nicht zuletzt durch den zunächst gesungenen Schlusssatz „Non Nobis Domine“, der sich danach noch einmal zu gewaltigen Klangkaskaden auftürmt.
Sathosi Yagisawas „The Flowers Of Dreams“ entführt das Publikum schließlich nach Japan, bevor das Programm mit Samuel R. Hazos wunderbarer „Arabesque“ einen angemessenen Abschluss findet.
Ein ausgezeichnetes Konzert, das GBO in Höchstform, unter der höchst kompetenten Leitung eines wirklich äußerst musikalischen Dirigenten.