Peter Maffay hat am Montagabend das erste seiner zwei Konzerte in Stuttgart gespielt – und einen Überraschungsgast mitgebracht: Bilder, Setlist und Kritik vom Auftritt auf dem Cannstatter Wasen.
Eine Harley Davidson heult aus der Ferne auf. Pünktlich um 19:30 Uhr legt sich der Motor verwegen mit den zwölf Musikerinnen und Musikern an, die gerade angefangen haben, auf der Bühne ordentlich Lärm zu machen. Die Botschaft: Rock’n’Roll! Während sich die 16 000 Fans am Montag beim ersten von zwei ausverkauften Konzerten auf dem Cannstatter Wasen sofort von ihren Plätzen erheben, sitzt Peter Maffay noch am anderen Ende des Geländes auf seinem Motorrad. Zu dem Song „Schatten in die Haut tätowiert“, fährt er am Publikum vorbei auf die Bühne. „Das war ne lange Anfahrt heute“, sagt der 74-Jährige ein bisschen atemlos, als er auf der Bühne angekommen ist.
Peter Maffay als „Bravo“-Coverboy in den 1970ern
Das mit der langen Reise ist natürlich auch eine Anspielung auf die 55 Jahre andauernde Karriere, von der er sich nun mit dieser Tournee verabschieden will, um künftig mehr Zeit mit seiner Familie verbringen zu können. Und natürlich darauf, dass der tätowierte Mann, der da in Lederhose und grauweißer Weste auf der Bühne steht, seine Laufbahn in den 1970ern als Schlagersänger begonnen hat. Dass er über seine Anfänge inzwischen selbst lachen kann, beweist er etwa, wenn er den Walzer „Du“ spielt und auf der Videoleinwand lauter „Bravo“-Titelbilder von damals mit Peter Maffay als Coverboy zu sehen sind. Oder wenn er bei der Ballade vom schüchternen Jungen, der reifen Frau und dem ersten Mal namens „Und es war Sommer“ die Fans dazu ermuntert, lautstark das „Piu! Piu! Piu!“-Gitarrenmotiv mitzusingen.
Bülent Ceylan als Überraschungsgast
Auch sonst beweist er Humor. Bei anderen Konzerten dieser Tour hat er als Gäste Rea Garvey, Johannes Oerding oder Wolfgang Niedecken auf die Bühne geholt. Stuttgart hat nun das große Glück, dass diesmal plötzlich der Mannheimer Comedian Bülent Ceylan auf der Bühne steht. Der darf im Schottenrock nicht nur Witze über geizige Schwaben machen, sondern auch den notorisch-knurrigen Tonfall von Maffay imitieren, der sich auf der Bühne schüttelt vor Lachen. Gemeinsam spielen sie dann die Anti-Rassismus-Heavyrock-Nummer „Anders gleich“.
Maffay bemüht sich bei dem knapp dreistündigen Konzert in Stuttgart darum, einen möglichst repräsentativen Querschnitt durch sein Werk zu geben. Allerdings steht die rockige Seite im Mittelpunkt. Selbst eine Ballade wie „Eiszeit“ wird mit einem wilden Gitarrensolo verziert. „Es ist schlimm, dass sich die Geschichte immer wieder wiederholt“, sagt Maffay, bevor er diesen Song aus den 1980ern spielt, der sich gegen den Kalten Krieg und gegen die Aufrüstung zwischen Ost und West stemmte – und der heute leider wieder traurige Aktualität hat. „Ich glaube an Deeskalation“, sagt er, „das ist schwierig aber eine Alternative gibt es nicht.“ Auch sonst gibt er sich politisch, wirbt für den Klimaschutz und dafür, Kindern eine bessere Zukunft ohne gewalttätige Konflikte zu ermöglichen und spielt das Tabaluga-Lied „Nessaja“.
Von „You Shook Me All Night Long“ bis „Über sieben Brücken musst du gehen“
Knapp drei Stunden spielt Maffay in Stuttgart im Rahmen seiner Abschiedstour, die er „We Love Rock’n’Roll“ genannt hat. Als die Show im Zugabenteil angekommen ist, fängt es zwar ziemlich heftig zu regnen an, aber eine furiose Endlos-Version von „Sonne in der Nacht“, bei der Maffays Band fast so energiegeladen klingt wie Bruce Springsteens E Street Band, lässt einen das verschmerzen.
Maffay singt einige Songs mit Anastacia (darunter das rockig-soulige „Just You“ – eine englischsprachige Version von „So bist Du“), überlässt der US-Sängerin bei „Left Outside Alone“ und „I’m Outta Love“ die Bühne. Maffays Sohn Yaris, der als Backgroundsänger mit auf der Bühne ist, darf ohne Papa „Abenteuer“ vortragen. Und wahrscheinlich würde es keiner sonst so souverän hinbekommen, „You Shook Me All Night Long“ von AC/DC (mit Anastacia und Linda Teodosiu als Frontfrauen) genauso überzeugend zu covern wie die Karat-Schnulze „Über sieben Brücken musst du gehen“. Und zu keinem Zeitpunkt der Show wirkt Maffay wie einer, der wirklich schon am Ende seiner musikalischen Reise angekommen ist und schon bereit dazu ist, die Harley Davidson in der Garage verstauben zu lassen. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis der Motor wieder rebellisch aufheult.
Peter Maffay: Setilist vom Auftritt am 15. Juli
- Schatten in die Haut tätowiert
- Carambolage
- Du
- Samstag abend in unserer Stadt
- Weil es Dich gibt
- Und es war Sommer
- Eiszeit
- Liebe wird verboten
- Gib die Liebe nicht auf
- Anders gleich (mit Bülent Ceylan)
- Tiefer
- Abenteuer (Yaris Maffay)
- Gelobtes Land
- Der Mensch auf den Du wartest (mit Anastacia)
- Just You (mit Anastacia)
- Left Outside Alone (Anastacia)
- I’m Outta Love (Anastacia)
- You Shook Me All Night Long (Linda Teodosiu und Anastacia)
- Nessaja
- Über sieben Brücken musst du gehn
Zugaben
- Sonne in der Nacht
- Glaub an mich
- Mein Wort
Peter Maffay spielt am Dienstag, 16. Juli, noch ein weiteres Mal auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart. Im Rahmen seiner Farewell-Tour spielt er noch zwei weitere Konzerte: am Donnerstag, 18. Juli, in Frankfurt und zwei Tage später in Leipzig.