Die Straßenmeisterei in Balingen, neben Hechingen einer von zwei Hauptstandorten im Zollernalbkreis. Aktuell diskutiert wird die Frage, ob die Einrichtungen zusammengelegt werden sollen und ob ein Neubau sinnvoll wäre. Foto: Maier

Mit der Zukunft der Straßenmeistereien im Zollernalbkreis hat sich nun der Kreistagsausschuss für Umwelt und Technik beschäftigt. Wegen der ersten Überlegungen gab es heiße Diskussionen.

Zollernalbkreis - Im Winter frühmorgens schon geräumte Straßen, im Sommer keine Buckelpiste durch Risse im Asphalt: Die Straßenmeistereien sorgen dafür. Zwei davon gibt es im Zollernalbkreis – in Balingen mit Stützpunkten in Hechingen und Schömberg sowie in Lautlingen mit Stützpunkten in Burladingen und Oberdigisheim. Die Standorte in Lautlingen sowie die Stützpunkte in Schömberg und Oberdigisheim – ursprünglich "Landesgehöfte" – wurden durch den Landkreis mittlerweile erworben. Weil nun umfangreiche Sanierungen anstehen, erschien es sinnvoll, das aktuelle Standortkonzept zu überprüfen, um die anstehenden Investitionen langfristig zu rechtfertigen.

Zusammenlegung am wirtschaftlichsten?

Erste Erkenntnisse: Eine Zusammenlegung von Balingen und Hechingen scheint die wirtschaftlichste Lösung zu sein. Der "Blick von außen" war beim Standortkonzept gefragt, um ein unparteiisches Urteil zu bekommen – ohne Besitzansprüche, ohne Kirchturmdenken, ohne jemandem zu nahe zu treten. Denn bei vergangenen Entscheidungen – siehe Klinikum – hat man schließlich seine Erfahrungen gemacht. Oder etwa nicht?

Trennung sinnvoll

Rainer Hess von der Durth Roos Consulting GmbH aus Karlsruhe stellte das Ergebnis der Untersuchungen im Kreistagsausschuss vor. Verschiedene Varianten hatte das Ingenieurbüro ausgearbeitet, wobei die bereits bestehende Trennung in einen Ost- und einen Westbereich sinnvoll erschien.

Denn dabei, so der Professor aus Karlsruhe, könne beispielsweise bei der Anschaffung der Fahrzeuge berücksichtigt werden, dass die Winter auf der Albhochfläche rau und schneereich seien, die Sommer in Hechingen und Balingen hingegen heißer und trockener, was dem Asphalt stärker zusetze.

Neuer Standort in Bisingen?

Was allerdings für Diskussionen sorgte, war der Vorschlag, die Standorte in Balingen und Hechingen ganz aufzugeben und dafür im Raum Bisingen einen neuen Standort zu finden. Warum das? Die Gegebenheiten an den bestehenden Standorten seien "untragbar", sagte Hess: Sie seien in desolatem Zustand. Dass sich die Fahrer zwischen den Fahrzeugen umziehen müssten, dass es keine getrennten Sozial- und Sanitärräume gebe, sei nicht zulässig.

Ein Neubau, anstelle der Sanierung des maroden Bestands mit Zusammenlegung von Balingen und Hechingen, sei die sinnvollste und wirtschaftlichste Lösung. Bei gleichbleibender Qualität der Aufgabenerfüllung würden zudem eine Reduktion der jährlichen Betriebs- und Leistungskosten folgen. Unterm Strich, so Hess, würde diese Variante den Landkreis rund fünf Millionen Euro kosten.

Wieso nicht in Hechingen?

Wieso, echauffierte sich der Hechinger Bürgermeister und CDU-Kreisrat Philipp Hahn, sei erst jetzt bekannt geworden, dass sich das "Landesgehöft" in Hechingen in einem solch desolaten Zustand befinde? Das sei sicher nicht "über Nacht" geschehen. Und wieso Bisingen? Sei der neue Standort etwa schon bekannt? Hechingen, argumentierte Hahn, sei kaum einen Kilometer weit von Bisingen entfernt. Wieso keinen Neubau in Hechingen?

"Thema schwierig"

"Wir wissen nicht", konterte Landrat Günther-Martin Pauli, "ob wir den optimalen Standort in Bisingen finden." Und Dezernent Karl Wolf fügte hinzu, dass der Bund zehn Millionen Euro für den Grundstückserwerb und den Neubau zuschießen würde, "aber wir müssen einen Standort vorweisen, der sofort verfügbar ist". In dem Fall müsste auch ein Verwaltungstrakt gebaut werden, den der Landkreis selber zahlen müsste. Und auf jeden Fall getrennte Sanitärräume. "Das Thema ist schwierig", sagte Wolf, "bei der Straßenmeisterei arbeiten zwei Frauen und 67 Männer."

Vorplanung beauftragt

Hechingen, sagte der Landrat, sei nicht aus dem Rennen: "Es wird momentan favorisiert." Hechingen müsse "absoluten Vorrang" haben, betonte Ulrich Kohaupt (Grüne). Dietmar Foth (FDP) schlug vor, offen heranzugehen und zu sehen, "was möglich ist". Letztlich einigte man sich darauf, eine Vorplanung (Kostenpunkt: 25 000 Euro) in Auftrag zu geben und mit dem Bund über den Neubau einer Straßenmeisterei zu verhandeln.