Die Nutzung mancher Wege im Nationalpark Schwarzwald ist schon lange ein Reizthema in den Anliegergemeinden. Foto: Michel

Der Nationalpark Schwarzwald geht auf die Bürger zu: Managementwege werden für Anwohner zugänglich, ohne sie als Wanderwege auszuweisen oder zu bewerben.

Die Bewegungsfreiheit und offene – beziehungsweise gesperrte – Waldwege waren schon seit Gründung des Nationalparks Schwarzwald ein großes Thema. Erste Wegekonzepte wurden nachgebessert, nun sollen auch die Wünsche der Bevölkerung noch besser berücksichtigt werden.

 

In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats Baiersbronn stellten Britta Böhr, noch stellvertretende und ab Herbst Co-Leiterin des Nationalparks Schwarzwald, und der leitende Ranger Urs Reif das geplante Wegekonzept vor.

Bürgermeister Michael Ruf begrüßte die Vertreter des Nationalparks. Auch im Zuge der Debatte um die Erweiterung des Nationalparks Schwarzwald sei über die künftige Wegeführung diskutiert worden, erklärte Ruf. „Die Verwaltung begrüßt das nun vorgestellte Wegekonzept ausdrücklich, da es bestehende und teils alte Wege berücksichtigt und diese auch zukünftig weiter in Betrieb bleiben sollen“, so der Bürgermeister.

Bisherige Sperrungen oft nicht nachvollziehbar

Britta Böhr räumte ein, dass in den früheren Wegekonzepten nicht alle Belange der Bevölkerung so gut berücksichtigt worden seien. Teilweise habe es Wegesperrungen gegeben, jedoch kontinuierlich auch Nachbesserungen. Seit 2024 habe man intensiv darüber beraten, wie die Regelungen besser und praktikabler umgesetzt werden könnten. Bisherige Wegesperrungen seien in Teilen weder nachvollziehbar noch alltagstauglich gewesen.

In Absprache mit dem Nationalparkrat wurden nun sogenannte Managementwege identifiziert, die auch von der lokalen Bevölkerung genutzt werden können. „Sie werden zwar nicht ausgeschildert oder in offiziellen Karten vermerkt, können jedoch legal betreten werden“, heißt es in der Vorlage des Konzepts. Verbote gebe es dort dann nicht mehr – lediglich dort, wo es auch naturschutzfachlich erforderlich sei, insbesondere in der Entwicklungszone des Nationalparks. Ziel sei es, Konflikte zu vermeiden und in Abstimmung mit den Anwohnern gute Lösungen zu finden.

Leitender Ranger Reif: Kommunikation wichtig

Urs Reif erklärte, dass besonders saisonale Schutzgebiete berücksichtigt wurden, insbesondere der Zeitraum für die Sperrungen sei überarbeitet worden. Eine neue Grundregel laute: Solange im Nationalpark gearbeitet wird, dürfen auch die Wege genutzt werden. Hier sei in der Vergangenheit die öffentliche Wahrnehmung eine unangemessene Verwaltungswillkür gewesen, dies solle nun geändert werden. Bis zum 27. Dezember dürfe auch Jagd im Nationalpark stattfinden. Das Thema Kommunikation sei wichtig, so Reif, es solle ein einfacher niederschwelliger Austausch etabliert werden.

Bürgermeister Ruf sprach von einer positiven Entwicklung. Es werde auf die konkreten Bedürfnisse vor Ort eingegangen. Gemeinderat Gerhard Gaiser (SPD) nannte es erfreulich, dass auch auf kritische Stimmen eingegangen werde. Zur Frage Gaisers nach den Gebühren für größere Gruppen erklärte Reif, dass man diesbezüglich noch in Abstimmung sei. Gruppen über 30 Personen und gewerbliche Angebote seien aber wohl weiterhin gebührenpflichtig. Sperrungen im Bereich des sogenannten Ölleitungswesens hätten mit dem Schutz des Auerhuhns bei der Kükenaufzucht zu tun, würden aber regelmäßig überprüft, beantwortete reif eine Frage von Karlheinz Nestle (FWV).

Bürgermeister Ruf fasste zusammen, das keine Wegeführung in Stein gemeißelt sei. Es gelte, die Kommunikation aufrechtzuerhalten und gemeinsam sinnvolle Lösungen zu finden.