Der Vollzugsdienst in Sulz muss an Verkehrssünder zahlreiche Knöllchen verteilen. Um Abzocke handele es sich keineswegs, sagt die im Rathaus zuständige Sabrina Glöckler. Während die Stadt Falschparker strikt verfolgt, muss sie Raser rasen lassen.
Der Mann war erbost. „Haben die denn nichts Besseres zu tun, als Autofahrer mit dem Zollstock zu kontrollieren?“, fragt er. Er hatte sein Auto 50 Zentimeter vom Bordstein entfernt geparkt – und dafür prompt eine Verwarnung der Stadt Sulz über 15 Euro kassiert. Er habe das Fahrzeug ja nur ganz kurz abgestellt und niemanden behindert, beteuert er.
Tatsächlich haben die beiden Ordnungskräfte in Sulz einen Zollstock dabei, wenn sie auf Streife gehen. Damit kann jeder Verstoß fotografisch festgehalten werden. Viele Betroffene würden anderenfalls die Vorwürfe anzweifeln, sagt Sabrina Glöckler, zuständig für die öffentliche Ordnung bei der Stadt Sulz.
Bei ein paar Zentimetern sind die Ordnungshüter nicht pingelig
Dokumentiert wird mit dem Zollstock auch, wenn jemand in einer zu schmalen Straße parkt oder zu nahe an einer Kreuzung. Geht es nur um ein paar Zentimeter, seien die Ordnungskräfte nicht pingelig. Aber wer etwa statt der erlaubten 30 Zentimeter einen halben Meter vom Bordstein entfernt parkt, der muss eben mit einem „Knöllchen“ rechnen. Zu großzügiges Parken könne andere gefährden, erläutert Sabrina Glöckler – etwa wenn Fußgänger mit Rollator oder Kinderwagen vom schmalen Gehweg auf die Straße ausweichen müssen.
Das Argument „es waren nur ein paar Minuten“, wird ebenfalls gern vorgetragen. Aber für das Dokumentieren eines Verkehrsverstoßes brauchen die Ordnungskräfte stets selbst einige Zeit. Und wenn sie den Verkehrsteilnehmer antreffen, kommt der mit einer Ermahnung davon. Es sei denn, er bleibt uneinsichtig.
Mit den Kontrollen macht die Stadt ein Minus
Oft muss sich Sabrina Glöckler den Vorwurf „Abzocke“ anhören. Aber ein lohnendes Geschäft seien die Kontrollen keineswegs für die Stadt. Die Einnahmen könnten die Personalkosten nicht decken.
Kontrollen müssten aber sein, betont Glöckler. Eines der größten Probleme in Sulz sei unerlaubtes Parken auf Gehwegen. „Das ist die teuerste Lösung“, warnt sie Autofahrer eindringlich. „Das kostet nach dem aktuellen Bußgeld-Katalog 55 Euro.“
Weitere Kontrollschwerpunkte der Ordnungskräfte sind das Freibad, wo während der Saison gern falsch geparkt wird, und der Friedhof in Holzhausen. Dessen Parkplatz missverstehen manche Autofahrer als Autofriedhof und hinterlassen ihre Rostbeule dort ohne Kennzeichen.
Gemeinderat lehnt weitergehende Aufgaben ab
Gegen zu schnelles Fahren ist die Stadt dagegen machtlos. Für fließenden Verkehr ist sie nicht zuständig. Beschwerden werden an die Bußgeldstelle beim Landkreis weitergeleitet, diese entscheidet über Tempokontrollen. Theoretisch könnte die Stadt Sulz auch die Kontrolle des fließenden Verkehrs übernehmen. Das habe der Gemeinderat abgelehnt, berichtet Sabrina Glöckler. Denn damit würden weitere Aufgaben auf die Stadt zukommen – und das würde zusätzliches Personal erfordern.
Ein wenig trägt die Stadt dennoch dazu bei, Raser auszubremsen. Dabei helfen die mobilen „Smiley“-Schilder, die Zahl und Tempo der Fahrer dokumentieren. Anhand dieser Daten lässt sich beim Landratsamt die Notwendigkeit einer Kontrolle untermauern.