Kontrolle in der "Schaukurve": Wenn alles passt, darf weitergefahren werden. Foto: Ungureanu

Die PS-starke Maschine zwischen den Beinen den Lochen hoch: Die Polizei hat am Freitag an der "Schaukurve" auf der Lochenstrecke Biker unter die Lupe genommen. Und einige Autos, die durch Tuning oder auffällige Fahrer hervorstachen.

Balingen - Im landesweiten "Kontrollmonat" zur Verkehrssicherheit rund um das Motorrad ging es, wie Detlef Wysotzki erklärt, nicht in erster Linie darum, Verstöße zu ahnden. Es sei wichtig, Präsenz zu zeigen, das Gespräch zu suchen, auf Gefahren hinzuweisen, so der Erste Polizeihauptkommissar.

Falsche Felgen und Gurtpflicht

Und selbstverständlich würden dabei auch falsche Felgen und Verstöße gegen die Gurtpflicht beanstandet. Und ein Fahrer sei überprüft worden, der "ganz schön gebügelt" ausgesehen habe: "Man wusste nicht, ob er von der Arbeit kommt, oder ob er etwas geraucht oder getrunken hat."

Beamte der Verkehrspolizei Tübingen und Balingen sowie Bereitschaftspolizisten aus Göppingen standen auf dem Parkplatz, wo die Biker gerne ihre Touren absprechen. Zum Teil auch die Zeit abnehmen, denn die Lochenstrecke ist zwar keine offizielle, dafür aber um so beliebtere Rennstrecke für Zweiradfahrer.

Es gibt Grenzen

Mit ein Grund dafür, dass auch die "Rennleitung 110" mit blau-gelber Ducati im Polizei-Look vor Ort war. Ricky Lowag, Mitbegründer des Vereins, dessen Ziel es ist, zwischen Polizei und Bikern zu vermitteln, ist selbst Polizist und begeisterter Motorradfahrer. Er weiß: Motorradfahren, einmal angefangen, lässt einen ein Leben lang nicht mehr los. Und er weiß auch: Wer sich ein PS-starkes Motorrad kauft, tut das nicht, um langsam zu fahren. Aber es gibt Grenzen. Manche Dinge gehören nun mal nicht auf die Straße, sondern auf die Rennstrecke.

Die Ducati fällt sofort auf

Zusammen mit einem weiteren Polizeibeamten gründete er den Verein "Rennleitung 110". Fahrtraining bieten die Vereinsmitglieder, die sich als eine Art "Streetworker" bezeichnen, in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen an, kostenlose Instruktion auf Rennstrecken, ein "Überlebenstraining auf der Straße".

Total abgefahrene Reifen

Derweil sind die Verkehrspolizisten aktiv: Zwei junge Biker, die sie gleich zu Beginn herausgezogen haben, stehen bei ihren Maschinen, grinsen, begrüßen andere Biker. Man kennt einander. Beanstandungen? Die habe es nicht gegeben, versichern die beiden. Hat es doch: Die eine Maschine hat total abgefahrene Reifen. Der junge Mann dürfe damit gerade noch "vorsichtig nach Hause fahren", erklärt ein Polizeibeamter.

Breitreifen wetzen am Kotflügel

Anders ist das bei dem Mittfünfziger mit getuntem Fünfer-BMW. Das Auto ist so tief gelegt, dass die Reifen am Kotflügel wetzen und aufgeschlitzt werden könnten. "Wenn das auf der Autobahn bei 160 oder 180 passiert, fliegen Sie von der Straße", erklärt ein Beamter. Zudem ist das Fahrzeug viel zu laut. Gefühlt doppelt so laut wie zulässig. Fazit: Der BMW bleibt stehen, der Mann muss sehen, wie er nach Hause kommt.

Gute Weiterfahrt und einen schönen Tag!

Bei den meisten Verkehrsteilnehmern stimmt alles. Die Beamten wünschen gute Weiterfahrt, einen schönen Tag. Eigentlich, meint ein junger Bereitschaftspolizist, seien die Biker eine "angenehme Klientel", es mache richtig Spaß, mit ihnen zu sprechen.

Was Detlef Wysotzki derweil auffällt: Viele Autos sind unterwegs, wenige Motorräder. Das, obwohl am Donnerstagabend und am Freitag die Biker hier Konjunktur haben. Warum das so ist? Der erfahrene Verkehrspolizist weiß es: Die ersten beiden Jungs, die man angehalten habe, hätten sofort in den sozialen Netzwerken verbreitet, "dass kontrolliert wird". Sagt’s und spendiert allen seinen Kollegen, die an der Kontrolle teilgenommen haben, je eine Kugel Eis. Den Eiswagen, der zufällig vorbei kam, hat er extra dafür herausgefischt.