An welchen Stellschrauben lässt sich noch drehen, um dem Handwerk zu helfen? Diese Frage sollte sich in den Augen des Handwerkskammerpräsidenten auch die Politik stellen. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbil/Sebastian Kahnert

Baukrise, Industrieschwäche und politische Unsicherheiten gehen auch am Handwerk nicht spurlos vorbei, wie die aktuelle Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Konstanz verdeutlicht.

Die Handwerksbetriebe in den Landkreisen Konstanz, Waldshut, Rottweil, Tuttlingen und dem Schwarzwald-Baar-Kreis zeigen sich stabil und bewerten die aktuelle Geschäftslage mehrheitlich mit „gut“.

Der Konjunkturindikator allerdings ist so niedrig wie seit dem Corona-Jahr 2020 nicht mehr.

Viele Auslöser

„Die Bauwirtschaft spürt den rückgängigen Wohnungsbau natürlich. In der Folge können auch verschiedene Ausbaugewerke betroffen sein, insofern sie nicht mit Sanierungs- und Modernisierungsaufträgen ausgelastet sind“, berichtet Georg Hiltner, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Konstanz. Für zusätzliche Verunsicherung habe im letzten Jahr der unausgegorene Heizungsgesetzesentwurf und der Stopp von Förderungen im Bereich der energetischen Sanierung geführt. „Das hat nicht nur bei Kunden, sondern auch bei den beratenden und ausführenden Betrieben für Verwirrung gesorgt“, so Hiltner.

Rund die Hälfte der Betriebe ist laut aktueller Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Konstanz bis zu 90 oder mehr Prozent ausgelastet, im Vorjahresquartal (Q4 22) gaben dies noch über 70 Prozent der Betriebe an.

Klarheit fehlt

Auch die Auftragsbücher sind nicht mehr ganz so prall gefüllt: So geben aktuell 14 Prozent der befragten Handwerksbetriebe an, dass ihr Auftragsbestand noch für zwölf Wochen oder mehr ausreicht. Im Vorjahresquartal (Q4 22) waren dies rund ein Drittel. Werner Rottler, Präsident der Handwerkskammer Konstanz, fordert von der Politik vertrauensbildende Maßnahmen und Entlastungen für den Mittelstand, der das Rückgrat der Wirtschaft im Lande sei. „Wir brauchen Klarheit und Verlässlichkeit. Unternehmertum muss sich wieder lohnen, und dieses Signal muss die Politik nun vor allem auch in Richtung potenzieller Existenzgründer und Betriebsübernehmer senden. Den vielen Versprechen müssen auch Taten folgen, beispielsweise beim Abbau von Bürokratie“, fordert Rottler.

Während andere mit Abwanderung ins Ausland drohten, sorge das Handwerk für wirtschaftliche Stabilität vor Ort. Dieses Engagement dürfe nicht durch weitere Belastungen bestraft werden, sagt der Kammerpräsident.

Teuer einkaufen

Nach wie vor sehe sich die Mehrzahl der befragten Betriebe mit gestiegenen Einkaufspreisen konfrontiert. 43 Prozent der Betriebe gaben in der aktuellen Konjunkturbefragung an, auch ihre Verkaufspreise entsprechend nach oben angepasst zu haben. Der Auftragseingang war im letzten Quartal des Jahres bei jedem dritten Betrieb (34 Prozent) rückläufig. Ähnliches gilt für den Auftragsbestand im letzten Jahresquartal, der ebenfalls bei 28 Prozent der Betriebe gesunken ist. Dennoch bewerten über die Hälfte der Betriebe (59 Prozent) die Geschäftslage im vierten Quartal als „gut“, ein Drittel (33 Prozent) zumindest noch als „befriedigend“. Knapp jeder zehnte Betrieb (8 %) war mit einer schlechten Geschäftslage im vierten Quartal konfrontiert. Die Erwartungen für das kommende Jahr sind zurückhaltend: So glaubt etwa ein Drittel der Betriebe (34 Prozent), dass sich die Geschäftslage im kommenden Quartal verschlechtern wird. Nur wenige (7 Prozent) gehen von einer Verbesserung aus.