Stadträte haben sich über die Pläne für eine städtisch betriebene Anlage informiert. Die private Konkurrenz spricht derweil von zielführenden Gesprächen für einen eigenen Standort.
Ein Rundgang über den Bergfriedhof stand vor der ersten Sitzung des Technischen Ausschusses nach der Sommerpause an. Bereits im Vorfeld hatten sowohl die SPD als auch die Freien Wähler als Teil ihrer Sommerprogramme einen Gang über das Gelände organisiert.
„Das ist der schönste Friedhof in der Ortenau, möglicherweise auch darüber hinaus“, leitete Herbert Schneider, Betriebsleiter des städtischen Bau- und Gartenbetriebs, selbstbewusst in seine Führung ein. In den folgenden rund 45 Minuten präsentierte er etwa die Friedhofskapelle sowie die dahinterliegende Leichenhalle und stellte verschiedene Pläne für das Areal vor. Dazu gehört ein Trauercafé in einem Raum neben der Kapelle. Dieses könne als Treffpunkt für Trauernde vor oder nach der Einäscherung, aber auch für Seminare oder kleinere Trauerfeiern genutzt werden.
Hintergrund der Führung sind die Pläne für ein kommunal betriebenes Krematorium. Wie mehrfach berichtet, plant die Stadtverwaltung, die Einäscherung Verstorbener ab Oktober 2027 in Eigenregie zu betreiben. 1997 hatte der Gemeinderat beschlossen, den Krematoriumsbetrieb befristet an einen Privaten zu vergeben – der Vertrag läuft nach mehrmaliger Verlängerung in zwei Jahren endgültig aus. Die Anlage soll danach von einer noch zu gründenden Krematorium Stadt Lahr GmbH betrieben werden.
Spricht man über die städtischen Krematoriumspläne, denkt man freilich sofort auch an die privaten: Bekanntlich hat die Lahrer Bestatterfamilie Rottenecker im Mai angekündigt, in Zusammenarbeit mit knapp 40 Kollegen eine eigene Einäscherungsanlage bauen zu wollen. Der erste Versuch, sich einen passenden Standort im Neurieder Ortsteil Ichenheim zu sichern, scheiterte, wie berichtet, Ende Juli am Widerstand der Bevölkerung und des Ortschaftsrats.
Krematorium soll in anderes Gebäude
Aktuell, erklärte Janik Rottenecker am Donnerstag auf Nachfrage der LZ, liefen „gute, zielführende Gespräche“ mit einer anderen Gemeinde in der Region. Spruchreif sei noch nichts. „Wir sind aber guter Dinge, dass wir zeitnah Näheres und Konkreteres kommunizieren können“, so Rottenecker. Ein weiteres, privates Krematorium stünde in direkter Konkurrenz zu dem auf dem Bergfriedhof. Die Bestatter rechnen mit bis zu 4000 Einäscherungen pro Jahr.
Auch deshalb entstand der Wunsch des Technischen Ausschusses nach einer Führung auf dem Gelände. „Viele sind ja glücklicherweise selten hier und als Trauergast sieht man ohnehin alles mit anderen Augen“, so Schneider. Die Stadt plant, das Krematorium, das zurzeit ganz im südlichen Bereich der Anlage in einem Anbau untergebracht ist, in ein aktuell als Betriebsgebäude genutztes Haus rechts des Haupteingangs zu verlagern. Das hat auch mit einer unglücklichen Situation zu tun, so Schneider: Aufgrund der aktuellen Lage müssten Bestatter zum Teil über den Platz vor der Kapelle fahren, vor der zu diesem Zeitpunkt vielleicht gerade Trauernde stehen, oder während eine Trauerfeier im Gange ist. Wenn das Krematorium aber in das Betriebsgebäude zieht, könnten die Bestatter zu- und abfahren, ohne mit ihren Fahrzeugen auf den eigentlichen Friedhof zu müssen.
Wie geht es weiter mit den städtischen Plänen? „Das bauliche und inhaltliche Konzept für den künftigen Krematoriumsbetrieb, wie es bei der Führung vorgestellt wurde, ist fertig“, berichtet Pressesprecher Nicolas Scherger auf Nachfrage unserer Redaktion. Eine extern in Auftrag gegebene Wirtschaftlichkeitsberechnung werde voraussichtlich Mitte Oktober vorliegen. „Anschließend wird die Verwaltung den Gemeinderat erneut mit dem Thema befassen.“
Geschichte der Anlage
Der Lahrer Bergfriedhof wurde 1905 angelegt und 1967 erweitert. Heute umfasst er laut Angaben der Stadtverwaltung eine Fläche von circa sieben Hektar. Als größter Friedhof der Stadt Lahr verzeichnet der Bergfriedhof etwa 300 Bestattungen im Jahr.