Schoko-Osterhasen in allen Größen und Formen bietet die Hofkonditorei Röcker in Hechingen an. Inhaber Thomas Röcker berichtet über die derzeitige Lage auf dem Schokoladenmarkt. Foto: Roth

Wer vor Ostern in das Schaufenster der Konditorei Röcker blickt, dem fließt das Wasser im Mund zusammen: Ausgestellt sind Schoko-Osterhasen so weit das Auge reicht. Hinter der leckeren Tradition liegen turbulente Zeiten. Stichwort: Rohstoffpreise

Nicht nur die vergleichsweise „kleinen“ Produzenten von Schoko-Osterhasen haben mit gestiegenen Rohstoffpreisen zu kämpfen. Blickt man in die Supermarkt-Regale, so fällt beispielsweise auf, dass auch der lilafarbene Milka-Schmunzelhase leichter oder teurer geworden ist.

 

Die Industrie muss die derzeit insbesondere hohen Kakaopreise genauso an die Kunden weitergeben wie die Hofkonditorei Röcker in Hechingen, die jährlich 600 Kilogramm Schokolade in den Sorten Vollmilch, Zartbitter und weißer Schokolade im Ostergeschäft verarbeitet. „Ich kann und will nicht alle Kostensteigerung an die Kunden weitergeben“, sagt Geschäftsführer Thomas Röcker unserer Redaktion.

Derzeit kostet in der Hofkonditorei Röcker die 100-Gramm-Tafel Schokolade 5,50 Euro. Röcker berichtet: „In den vergangenen drei bis fünf Jahren haben sich die Schokoladenpreise verdreifacht.“ Gründe seien unter anderem Probleme bei der Kakao-Ernte am Äquatorgürtel. Die Pflanzen hätten unter Schädlingen und Unwettern gelitten. Ein Auslöser für die hohen Preise sei daher auch der Klimawandel.

Zucker, Butter und Mehl steigen auch im Preis

Er sei immerhin in der Lage, nicht auf einen Lieferanten angewiesen zu sein. Diese würden ihn zudem über die aktuellen Preisentwicklungen auf dem Laufenden halten. Trotzdem: „Schokolade ist gerade ein großes Thema“, bilanziert Thomas Röcker. Dazu komme, dass nebenbei auch der Rohstoff Zucker in seinem Preis um das Doppelte gestiegen sei. Mandeln, die Röcker auch für die zahlreichen Torten braucht, stagnieren preislich auf einem hohen Niveau; genauso Butter und Mehl. Ganz zu schweigen vom Personal, das bezahlt werden will. Heißt in der Folge: „Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder ich gebe einen Teil an den Kunden weiter oder spare an der Qualität.“

Letzteres will der Inhaber der zwei Röcker-Standorte in Hechingen und Tübingen keinesfalls. Schließlich sei es nur möglich Geld zu verdienen, „wenn ich ein Produkt anbiete, dass die Kunden wollen“. Und das sind nun mal die typischen Röcker-Schokohasen mit spürbar dickem Schokobezug.

Röcker berichtet, dass allein die Materialkosten pro Schokohase mit 100 Gramm in den vergangenen drei Jahren um drei Euro nach oben geschnellt sind. Löhne und Verpackung kommen noch dazu. Dabei koste, so rechnet Thomas Röcker vor, alleine seine Verpackung „mehr als eine ganze Tafel Milka-Schokolade“.

Vorbereitung für Ostern beginnt Ende Januar

Trotz des Blicks auf die Wirtschaftlichkeit seiner Produkte, liegt es Röcker am Herzen, auch den Kakaobauern im Blick zu haben. Zudem sei es ihm wichtig, die Lieferkette nachvollziehen zu können. Er legt höchste Maßstäbe an die Qualität der Rohstoffe.

Gefertigt werden die Osterschokohasen im Hause Röcker indes per Hand. So werden Details wie die Hasenpfoten, die bei Zartbitter-Hasen in weißer Schokolade herausstechen, mit dem Pinsel „geschminkt“. Für das Gießen der Osterleckereien nutzt die Konditorei Röcker Plastik-Halbschalen, die mit Klammern fixiert werden. Drei bis vier Mal fließt temperierte Kuvertüre in die Hasenform. „Die Vorbereitungen beginnen Ende Januar. Wir sind ein kleiner Familienbetrieb und somit eingespielt.“

Dankbar ist Thomas Röcker seiner Kundschaft: „Ich habe das Glück, dass unsere Kunden die Preise weiter zahlen. Sonst würde das System zusammenbrechen.“ Natürlich könne er sagen, dass er die Hasen einfach dünner gieße. „Das ist dann aber nicht mehr das Röcker. Es macht uns Spaß, so zu arbeiten, wie wir es tun. Das zeichnet uns aus.“