Ministerpräsident Kretschmann redet bei dem überschweren Kompass 4-Test nur von Kulanz für die Schüler. In Wahrheit halten er und Ministerin Schopper stur am neuen Standardverfahren fest.
Ministerpräsident Winfried Kretschmann will offenbar keine Konsequenzen aus der Testpanne mit dem überschweren Kompass 4-Test in Mathe ziehen, der bei den aktuellen Viertklässlern im Land erstmals mit über die weiterführende Schule entscheidet. In der Landespressekonferenz versicherte Kretschmann den Eltern einerseits zwar, dass der Test „für diesmal keine Rolle spielen“ werde. Andererseits verwies er auf den Klageweg, der im Rechtsstaat immer offen sei und sprach er von einer „Kulanzlösung“ nach dem „Günstigkeitsprinzip“. Dabei würden die Kompass 4-Ergebnisse in diesem Jahr nur berücksichtigt, wenn ein Schüler davon profitiere.
Rückendeckung für Schopper
Damit stützt Kretschmann den von Kultusministerin Schopper eingeschlagen Kurs. Allerdings kann von Kulanz dabei keine Rede sein. Was Kretschmann und Schopper für den Pannenjahrgang ankündigen, ist das ganz normale neue Standardverfahren, das die Koalition zur Entscheidung über die weiterführende Schule auf den Weg gebracht hat: Wer aufs Gymnasium will, benötigt demnach neben dem Willen der Eltern entweder die Empfehlung der Lehrkräfte oder ein Kompass 4-Ergebnis auf Gymnasialniveau. Der Test fällt grundsätzlich nur ins Gewicht, wenn er für die Schüler günstiger ist als die Empfehlung der Lehrkräfte.
Dass die landesweite Leistungsmessung zu schwierig gewesen und mit dem Test „etwas schiefgegangen“ sei, räumte Kretschmann ein. Einen Grund, die vereinbarte Neuregelung der Grundschulempfehlung deshalb grundsätzlich in Frage zu stellen, sieht er darin nicht. Beschlossen sind die nötigen Gesetzesänderungen noch nicht. Der Landtag berät sie Ende Januar.