Frida (Friederike Kempter) und Felix (Florian Lukas) hören die ersten Herztöne ihres ungeborenen Babys Foto: dpa/Anne Bolick

„Sweet Disaster“ auf Arte ist ein zu Herzen gehender Freundschaftsfilm mit einem launigen Auftritt von David Hasselhoff.

Was für eine Enttäuschung! Endlich hat Maltherapeutin Frida die Liebe ihres Leben gefunden, aber nach nicht mal sechs Monaten purzelt sie von Wolke sieben auf den harten Boden der Wirklichkeit: Felix kehrt zu seiner aus den USA heimgekehrten Freundin zurück, mit der er zuvor acht Jahre zusammen gewesen ist; dabei hatte die schwangere Frida bereits Visionen des vollkommenen Glücks. Mit der Trennung beginnt das tragikomische Regiedebüt von Laura Lehmus jedoch erst. Die unbeschwerten Szenen zu Beginn bilden bloß den Prolog. Nun erzählen die gebürtige Finnin und die vielfach ausgezeichnete Drehbuchautorin Ruth Toma („Ein Lied von Liebe und Tod“) eine ganz andere Geschichte.

 

„Sweet Disaster“ ist keine Romanze, sondern entpuppt sich als zu Herzen gehender Freundschaftsfilm: Erst die Trennung führt zur Begegnung mit Yolanda (Lena Urzendowsky), einem Teenager aus der Nachbarschaft. Anfangs mögen Fridas Motive noch eigennütziger Natur sein, denn das technisch außerordentlich begabte Mädchen besitzt eine Drohne, mit der sich Felix (Florian Lukas) perfekt nachspionieren lässt. Weil Fridas Sehnsucht zwar nach wie vor Motor der Handlung, aber offenkundig unstillbar ist, hat der Film Zeit für andere Themen, denen Lehmus und Toma nun mehr und mehr Zeit widmen, ohne sich je in den verschiedenen Handlungssträngen zu verheddern: Frida ist vierzig, die Schwangerschaft also mit Risiken verbunden. Gleichzeitig wird die Beziehung zu Yolanda immer inniger, zumal das etwas sonderbare Mädchen ebenfalls einen Traum hat. Eine weitere Ebene gilt Fridas Arbeit in einer inklusiven Kindertagesstätte, wo sie sich besonders um einen von der Mutter vernachlässigten kleinen Jungen kümmert.

Neben der facettenreichen Geschichte zeichnet sich der beschwingt inszenierte Film vor allem durch verblüffende Drehbuchideen. Immer wieder lassen sich Details entdecken, die große Freude machen. Ausstattung und Kostümbild sorgen zudem für eine ansteckende Wohlfühlatmosphäre: Im Gegensatz zu Felix ist Frida betont farbenfroh gekleidet; auch Szenenbild und Lichtarbeit setzen kunterbunte Akzente. Sympathisch sind zudem die immer wieder spielerisch integrierten Tagträume. Für gute Laune steht auch Kitabusfahrer Jack (Lasse Myhr), in dessen uraltem Gefährt sich die Kinder allmorgendlich an alten „Baywatch“-Episoden erfreuen; kleiner Knüller ist ein Gastauftritt von David Hasselhoff, als Frida eine spontane Party gibt, um Yolandas Kanada-Stipendium zu feiern. Zwischendurch konterkarieren Lehmus und Toma die Heiterkeit jedoch immer wieder durch nachdenkliche Kontrapunkte. Das gilt nicht nur für Fridas Angst um ihr Baby und ihre Trauer darüber, Felix verloren zu haben: Sie führt regelmäßig auf Finnisch Telefonate mit ihrem toten Vater. Die kluge Yolanda kommt ihr jedoch auf die Schliche, als sie bei einer gemeinsamen Wanderung eins der Gespräche mithört: In der Gegend gibt es gar kein Netz.

Sweet Disaster: Freitag, 31.5., 20.15 Uhr, Arte