Kommunalwahl: Am 25. Mai ist es wieder so weit. Foto: dpa

Während in großen Städten sich eher zu viele Kandidaten für die KOmmunalwahl tummeln, ist im ländlichen Raum die Listenaufstellung extrem schwierig. Die regionalen Unterschiede wachsen.

Stuttgart - Baden-Württembergs Parteien und Wählervereinigungen sind mit der Kandidatenlage für die Kommunalwahlen im großen und ganzen zufrieden. Die Freien Wähler, in den Gemeinderäten derzeit die Nummer 1 im Land, registrieren sogar eine „neue Lust, Kommunalpolitik zu gestalten“, wie FWV-Landesgeschäftsführer Friedhelm Werner sagt. Auch die Grünen präsentieren sich mit 30 zusätzlichen Listen.

Allerdings sind die regionalen Unterschiede enorm. „In großen Städten haben wir eher zu viele Kandidaten, im ländlichen Raum aber war die Listenaufstellung extrem schwierig“, sagt Erich Holzwarth von der SPD. Diese Erfahrung hat man auch bei CDU, FDP und Grünen gemacht.

Viel Überzeugungsarbeit war nötig

Selbst die Freien Wähler mussten im Schwarzwald oder auf der Alb viel stärker als andernorts die Werbetrommel rühren, um vorzeigbare Kandidaten zu gewinnen. Auch die Grünen-Landesvorsitzende Thekla Walker sagt: „Während die Bewerber in Großstädten geradezu um gute Listenplätze kämpften, erforderte es im ländlichen Raum viel Überzeugungsarbeit.“

Erfahrene Kommunalpolitiker nennen dafür mehrere Gründe. So schöpfen die Großstadtverbände schlicht aus einem größeren Reservoir: Stuttgart zum Beispiel hat mit knapp 600 000 Einwohner 60 Ratssitze zu vergeben, Sindelfingen mit etwas mehr als 60 000 Einwohner aber immer noch 42 Sitze. Jede Partei und Wählervereinigung versucht, auf ihrer Liste so viele Bewerber anzubieten, wie Mandate zu vergeben sind.

Als weiterer Grund für das Stadt-Land-Gefälle gilt der unterschiedliche Organisationsgrad von Parteien und Wählervereinigungen. Die Verbände in Ballungszentren arbeiten meist professioneller und lassen den Kontakt zu Interessenten auch zwischen Wahlen nicht abreißen. „Im ländlichen Raum wird der Wagen oft von Wenigen gezogen“, so FWV-Geschäftsführer Werner.

Scheu, sich offen zu einer Partei zu bekennen

Aber auch eine gewisse Scheu, sich offen zu einer Partei oder Vereinigung zu bekennen, gilt unter professionellen Beobachtern als Ursache der ländlichen Zurückhaltung. Hinzu kommt, dass im ländlichen Umland von Großstädten die Bindung der Bürger zu Kommune oft nur noch locker ist: Man wohnt und schläft zwar dort, orientiert sich aber eher an der nahen Metropole.

Und noch eins könnte die Lust zu einer Kandidatur auf einer Parteiliste dämpfen: „Man hat auf dem Dorf eher die Auffassung, Parteipolitik habe auf dem Rathaus nichts verloren“, meint Martin Mendler, SPD-Ortsvereinsvorsitzender von Kirchheim/Teck. Viele der Kandidaten sind jedenfalls parteilos und lassen offen, ob sie irgendwann eintreten.

Die Listenaufstellung im Land war diesmal umso schwieriger, als erstmals eine weiche Frauenquote galt: Jeder zweite Platz „sollte“ mit einer Frau besetzt werden. Auch hierzu heißt es unisono, dies sei in großen Städten kein Problem gewesen, draußen im Land aber umso mehr.

Angestrebte Frauenquote wird verfehlt

Mit einer genauen Statistik über die Zahl der Kandidatinnen und Kandidaten können zwar derzeit weder die Parteizentralen noch die Statistiker des Landes aufwarten. Doch dass diese Soll-Quote verfehlt werden wird, ist bereits absehbar.

Selbst die Grünen, ansonsten Vorkämpfer in Sachen Gleichstellung, konnten den Reißverschluss Frau-Mann-Frau-Mann nicht überall durchhalten. Dennoch bleibt Landeschefin Walker bei ihrer Forderung, die Vorgabe müsse für Listenaufstellungen im Land zur Muss-Regelung werden: „Bei den europäischen Nachbarn sieht man, dass es funktioniert.“

Allerdings hat man bei der CDU den Eindruck, dass die öffentliche Diskussion der vergangenen Monate das Bewusstsein an der Parteibasis für dieses Thema deutlich geschärft hat. „Zwischen einzelnen Stadtverbänden gibt es sogar schon einen Wettbewerb, wer den höheren Frauenanteil hat“, sagt Andreas Mair am Tinkhof vom CDU-Landesverband. Allerdings gibt es auch hier ein deutliches Stadt-Land-Gefälle.

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