Ein Paukenschlag für die Bitzer Kommunalpolitik: Nach 40 Jahren als Gemeinderat und 30 Jahren als Stellvertreter des Bürgermeisters wird sich Wolfgang Ziemen aus dem Gremium verabschieden. Sein Name wird bei der Kommunalwahl am 9. Juni nicht mehr auf der Liste der „Bitzer Bürger“ stehen.
Mitreden und mitbestimmen sind die wichtigsten Motive von Gemeinderats-Kandidaten– egal, ob es sich um alte Hasen, hoffnungsvolle Neulinge oder um unbeirrbare Streiter handelt. Der Entschluss, nicht mehr zu kandidieren, steht für Wolfgang Ziemen schon lange fest, auch wenn es viele noch immer nicht glauben wollen.
1984 vom damaligen „Chef“ der „Bitzer Bürger“, Hans Kalmbach, zur Kandidatur überzeugt, wurde er schon beim ersten Mal mit einer hohen Stimmenzahl in das Gremium gewählt – bis hin zum permanenten „Stimmenkönig“ seit der Kommunalwahl 2004. Nach 40 Jahren soll endgültig Schluss sein.
Warum kandidiert er nicht mehr? Es ist einmal sein Alter und der Wunsch, mehr Zeit für das Privatleben zu haben. Zum anderen vertritt Ziemen die Meinung, dass eine parlamentarische Demokratie davon lebt, dass immer wieder neue Gesichter darin vertreten sind. Der 75-jährige will Plätz für jüngere Gemeinderäte machen.
Für seine Mitmenschen hatte er stets offene Ohren
Wobei er das passive Wahlrecht für Jugendliche ab 16 Jahren, das erstmals bei der Kommunalwahl 2024 in Baden-Württemberg angewendet wird, mit gemischten Gefühlen sieht. Diese müssten mit viel Sorgfalt und Bedacht ausgewählt werden.
Bei der Bürgermeisterwahl am 25. Februar sei ihm aufgefallen, dass nur sehr wenig junge Menschen von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht haben. Er freut sich aber, dass Bitz nun eine junge und hoch motivierte Bürgermeisterin bekommen hat, die genau wisse, wie die Verwaltung einer Gemeinde funktioniert.
Für Bitz wiederum kommt seine Ankündigung einem kommunalpolitischen Paukenschlag gleich: Denn Wolfgang Ziemen ist nicht nur 40 Jahre lang Gemeinderat, sondern auch seit 2002 erster stellvertretender Bürgermeister. Sein Wort als „Urgestein“ hat Gewicht im Gemeinderat.
Immer mit beiden Ohren ganz nah an seinen Mitmenschen und in seinem Heimatort tief verwurzelt, setzt er immer auf enge Kommunikation zwischen Bürgerschaft und Rathaus. Fest davon überzeugt, dass nur so gelingen könne, den Bedürfnissen und Problemen der Menschen vor Ort gerecht zu werden und diese in die Entscheidungsprozesse einfließen zu lassen.
Die Mitarbeit im Gremium biete besondere Einblicke
„Interessanter, vielfältiger und lehrreicher kann ein Ehrenamt eigentlich nicht sein“, ist das dienstälteste Ratsmitglied überzeugt. Die Mitarbeit im Gemeinderat biete zudem eine besondere Sichtweise auf die Geschehnisse vor Ort. 2012 erhielt er die Ehrennadel des Gemeindetages Baden-Württemberg.
Viele kommunalpolitische Entscheidungen hat Wolfgang Ziemen mitgetragen: Von der Ortskernsanierung, der Neugestaltung des Hindenburgplatzes, der Bereitstellung eines Industriegebietes zur Ansiedlung von neuen Betrieben bis hin Klimaschutzmaßnahmen mit PV-Anlagen auf Gemeindegebäuden, der Planung einer PV-Anlage auf dem Gelände des alten Schuttplatzes und die Vorplanung einer Fernwärmeanlage.
Herzensprojekte waren für ihn der Bau der Sporthalle mit Umbau der alten Halle zur Festhalle, die Neugestaltung der Grund- und Werk-Realschule zu einem modern ausgestatteten Bildungszentrum sowie der Bau einer beispielhaft nachhaltigen Kindertagesstätte, die in diesem Jahr fertiggestellt wird. Damit werden die gesetzlich vorgeschriebenen Betreuungsmöglichkeiten in Bitz vorbildlich umgesetzt und jungen Familien die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglicht.