Estelle Koschnike-Nguewo Foto: Jessica Müller

„Frauen gehören in die Politik“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte des Zollernalbkreis Estelle Koschnike-Nguewo und setzt sich dafür ein, mehr Frauen für politische Ämter zu motivieren. Denn bisher ist der Frauenanteil im Kreis vergleichsweise deutlich unter dem Durchschnitt.

Frauen sind in der Politik unterrepräsentiert, bundesweit liegt der Frauenanteil auf kommunaler Ebene nach Angaben des Bundesamts für politische Bildung durchschnittlich bei nur 25 Prozent.

 

Im Zollernalbkreis ist der Anteil im aktuellen Kreistag mit nur zwölf Prozent noch mal deutlich geringer. Im Landesvergleich (22,4 Prozent) belegt der Zollernalbkreis in Baden-Württemberg den vorletzten Platz. Seit 1973 wurden insgesamt 36 Frauen und 535 Männer in den Kreistag gewählt. „Das soll sich ändern“, sagt Estelle Koschnike-Nguewo. Sie ist die Gleichstellungsbeauftragte des Zollernalbkreises und möchte mehr Frauen dazu ermutigen sich für ein politisches Amt zu bewerben.

Veranstaltungen sollen junge Wähler animieren

Mit diesem Ziel startete die Seminarreihe „Frauen. Macht. Politik.“ bereits im Mai des vergangenen Jahres. „Damit soll Frauen das nötige Werkzeug gegeben werden, um in politischen Ämtern erfolgreich zu sein“, sagt Koschnike-Nguewo. Speziell wurden dabei das Auftreten im Wahlkampf sowie der Auftritt bei Veranstaltungen thematisiert.

Außerdem finden verschiedene Veranstaltungen statt, die die Wahlbeteiligung im Zollernalbkreis – insbesondere bei den jüngeren Wählern – verbessern sollen. Jüngst fand hierzu die Veranstaltung „Deine Stimme zählt“ in der Stadthalle statt.

Koschnike-Nguewo: Frauen gehören in die Politik

Denn: „Es reicht nicht, wenn sich viele Frauen zur Wahl aufstellen, sie müssen von den Wahlberechtigten auch wahrgenommen werden.“ Warum das wichtig ist? „Frauen gehören in die Politik. Sie machen die Hälfte der Bevölkerung aus, haben oftmals andere Erfahrungen gemacht und bringen andere Perspektiven und Themen mit“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte.

„Je repräsentativer ein Gremium ist, umso legitimer sind auch die Entscheidungen, die dort getroffen werden.“ Dabei ist der Gleichstellungsbeauftragten wichtig zu betonen, dass Frauen nicht nur gewählt werden sollen, weil sie Frauen sind. „Es geht darum zu zeigen, dass es viele kompetente Frauen gibt, die in der Politik etwas bewirken können.“ Oftmals bräuchte es vor allem am Anfang etwas Starthilfe. Hier bietet auch das Frauennetzwerk Zollernalb Unterstützung: „Das ist ein loser Zusammenschluss von Frauen, die sich gegenseitig austauschen, stärken und vernetzen.“

Die meisten Ämter auf kommunaler Ebene sind Ehrenämter

Doch damit nicht genug: „Es geht auch darum, die nötigen Strukturen zu schaffen, damit Frauen politische Ämter auch tatsächlich ausführen können“, erklärt die Gleichstellungsbeauftragte.

Denn die meisten politischen Ämter auf kommunaler Ebene sind Ehrenämter. „Das bedeutet insbesondere für Frauen eine hohe Mehrbelastung, da sie neben ihrem Beruf häufig auch den Großteil der Kinderarbeit oder die Pflege von Familienangehörigen übernehmen.“

Das könne im ersten Moment abschrecken. „Es spielt also auch die Unterstützung des Umfelds eine Rolle“, sagt Koschnike-Nguewo. Auch seitens des Landratsamts wird versucht, solche Strukturen zu schaffen. So erhalten die Mitglieder des Kreistags etwa eine Aufwandsentschädigung. Damit das Amt auch zeitlich machbar ist, finden alle Sitzungen und Ausschüsse finden zu familienfreundlichen Zeiten statt. „Wir hoffen, dass dies dazu beiträgt, dass das Amt für mehr Frauen attraktiver wird.“