Die Zeiten sind ungewöhnlich und rau. Um für Notsituationen und Ereignisse gewappnet zu sein, hat der Gemeinderat einen „Krisenplan“ beschlossen.
Dieser wurde in seinen Grundzügen vom Gesamtfeuerwehrkommandanten Patrick Kornwachs in der Märzsitzung dem Haigerlocher Gemeinderat vorgestellt. Der Krisenplan wurde nämlich schon vor einiger Zeit von der Feuerwehr erarbeitet und fortgeschrieben – er musste also nur noch um bestimmte Strukturen ergänzt werden.
Zu den Krisenszenarien zählt die Stadt nicht nur klimabedingte Extremwetterlagen (Schneestürme, Starkregen und Hochwasser), sondern auch Energie-Mangellagen, die zu langandauernden Stromausfällen führen könnten oder Cyberangriffe auf die Verwaltung und andere so genannte kritische Infrastruktur.
Krisenstab zieht die Fäden
Wichtig ist es, dass die öffentliche Verwaltung und die Ämter der Stadt in solchen besonderen Lagen handlungs- und entscheidungsfähig bleiben. Dafür bedarf es mehrerer Dinge: Zuvorderst einem Stab für außergewöhnliche Ereignisse (SAE), der je nach Situation entsprechende Entscheidungen trifft und die Verwaltung bei der Krisenbewältigung unterstützt.
Solche Entscheidungen müssen natürlich auch der Bevölkerung kommuniziert werden, damit sie weiß, wie sie sich verhalten soll. Zur amtlichen Warnung der Bevölkerung kann das Warnsystem MoWaS eingesetzt werden. Damit können Warnmeldungen an eine Vielzahl von Medien und Multiplikatoren herausgegeben werden.
Witthauhalle Notunterkunft
Dann bedarf es der Einrichtung eines zentralen Anlauf- und Unterbringungspunktes. Als solcher ist die Witthauhalle vorgesehen. Im Zuge ihres derzeit auf Hochtouren laufenden Umbaus wird die Möglichkeit geschaffen, die Halle mit Notstrom zu versorgen. Das DRK Haigerloch ist bereits in der Vorplanung, die Halle zu betreiben und mehrere Tage als Betreuungsstelle aufrecht zu erhalten. Auch die örtlichen Feuerwehrhäuser sind in diesem Plan als „Leuchttürme“ vorgesehen.
Freilich bedarf es dafür auch einer gewissen Ausrüstung. Laut Bürgermeister Heiko Lebherz sollen für die Witthauhalle Feldbetten und Decken (Kosten rund 6000 Euro) sowie Einweggeschirr und Hygieneartikel (rund 1000 Euro) angeschafft werden. Auch Vorsorge für eine bereitstehende Verpflegung über eine längere Zeit muss getroffen werden. Dafür hat die Stadt mit der Gruoler „Albfood“ oder den Bad Imnauer Mineralquellen zum Glück hoch spezialisierte Unternehmen an der Hand.
Internet aus dem Weltall
Zudem sollen die Feuerwehrhäuser mit Funkgeräten mit einer unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV-Funktion) ausgerüstet werden (Kosten 5000 Euro). Um die Kommunikation aufrecht zu erhalten, hat die Stadt im aktuellen Haushalt 2000 Euro eingestellt, um sich über „Starlink“ einen schnellen Internet-Zugang per Weltraum-Satellit sicherzustellen.
Was dann noch fehlt, ist Kraftstoff in Form von Diesel und Benzin zum Betreiben von Stromaggregaten und Fahrzeugen. Schätzungsweise ist dafür eine Summe in der Größenordnung von 10.000 Euro nötig. Das Geld soll auf zwei Haushalte verteilt werden. Das Thema ist noch nicht final geklärt, aber der Bürgermeister ist guter Dinge, dass man eine gute Lösung bereits auf der Hand hat. Lebherz: „Es gibt im Stadtgebiet eine still gelegte Tankstelle, die man nur ertüchtigen muss.“
Der Gemeinderat nahm den Krisenplan zur Kenntnis und beauftragte die Verwaltung mit der Umsetzung des Dokumentes und Beschaffung der noch notwendigen Materialien in den Haushaltsjahren Jahr 2026 und 2027. Der Bürgermeister war zufrieden: „Mit wenig Mehrkosten kriegen wir die vom Land geforderten Strukturen hin.“
Der Krisenplan
Idee schon 2022
Grundsätzlich ist die Idee zum Aufstellen eines solchen Planes nicht neu. Mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 hat sich die Stadt erste Gedanken über einen solchen „Krisenplan“ gemacht und die Weichen dafür gestellt. Noch unter dem damaligen Bürgermeister Heinrich Götz wurde ein Arbeitskreis ins Leben gerufen, um eine Bestandsaufnahme zu machen und entsprechende Weichen zu stellen. Zusammen mit Feuerwehr, Ordnungsamt, Bauhof, DRK und Polizei wurde ein umfassender Einsatz- und Gefahrenabwehrplan erarbeitet. Der Fokus lag dabei insbesondere auf Szenarien, die zunehmend wahrscheinlicher werden.
Die Stadt
plant, die Bevölkerung im Amtsblatt zunächst grundlegend über den Einsatz- und Gefahrenplan zu informieren. Zudem sollen alle Haigerlocher Bürgerinnen und Bürger ein Faltblatt per Hauseinwurfsendung erhalten, in dem Verhaltensempfehlungen, Anlaufstellen und Notfalltelefonnummern angegeben werden.
MoWaS
(Modulares Warnsystem): Gemeinsam genutztes Warnsystem von Bund und Katastrophenschutzbehörden für die Warnung und Information der Bevölkerung im Zivilschutz und Katastrophenfall sowie bei sonstigen Gefahren für die öffentliche Sicherheit.