Zufrieden mit der Bilanz, aber nicht ohne Kritik: Rainer Ullrich verabschiedet sich als Ortsvorsteher von Waldmössingen Foto: Zeger

„Die Zeit der Schönwetter-Bürgermeister ist vorbei“ – Rainer Ullrich verabschiedet sich aus Waldmössingen und verrät, was er tun würde, um Schramberg voran zu bringen.

„Meine Frau meinte, als ich mich für die Stelle des Ortsvorstehers entschieden hatte: Ich prophezeie dir, dass du Ärger bekommen wirst. Und so kam’s.“ Über diese Anekdote kann Rainer Ullrich heute lachen. Ende des vergangenen Jahres hat er Waldmössingen den Rücken gekehrt. Bis September unterstützt er noch die Baurechtsbehörde im City-Hochhaus, dann wird er die Stadtverwaltung Schramberg endgültig verlassen.

 

Kritik an Führungskultur

„Ich bin ein Homo politicus und werde mich deshalb selbstverständlich weiterhin mit Politik beschäftigen – auch ohne Amt“, sagt Ullrich. „Die Zusammenarbeit mit Teilen der Verwaltung und der Oberbürgermeisterin hat sich leider nicht so entwickelt, wie ich es mir für Waldmössingen gewünscht hätte“, gibt er im Redaktionsgespräch offen zu. Er spricht von „unterschiedlichen Ansichten“, insbesondere mit Blick auf die Führungskultur. „Und das meine ich gar nicht despektierlich“, betont er. Es gehe ihm nicht darum, Kollegen zu kritisieren. Aus seiner Sicht müssten vielmehr die Strukturen verändert werden – „und dazu gehört Führung“.

Zeitenwende auch auf kommunaler Ebene

Was würde Rainer Ullrich anders machen, wäre er Oberbürgermeister? „Ich würde versuchen, Beschlüsse und Projekte effektiver umzusetzen. Schließlich ist die Verwaltung ein Umsetzungsorgan.“ Und er fügt hinzu: „Die Zeit der Schönwetter-Bürgermeister ist vorbei.“ Die Zeitenwende sei längst auch auf kommunaler Ebene angekommen. Die bisherigen Grundlagen der Kommunalentwicklung veränderten sich spürbar – vor allem aufgrund knapper finanzieller Ressourcen. „Vieles wird nicht mehr selbstverständlich sein.“

Für eine positive Stadtentwicklung brauche es vor allem Wohnqualität und passende Wohnungsangebote. „Durch Investitionen in den Bestand wird das Stadtbild verschönert.“ Dabei gelte es, auch private Grundstückseigentümer mitzunehmen. „Gerade in Waldmössingen gibt es viele Baulücken.“ Die zentrale Frage laute: Wie können Eigentümer motiviert werden, ihr Grundstück zur Verfügung zu stellen?

In Waldmössingen selbst habe er sich sehr wohl gefühlt. „Ich habe eine tolle Mannschaft vorgefunden, und gemeinsam haben wir viel bewegt. Ich bin mit der Bilanz zufrieden.“ Ullrich, der mit seiner Frau in Freudenstadt lebt, beschreibt die Waldmössinger als „bodenständig, mitunter witzig und sehr gemeinschaftsorientiert“.

Rainer Ullrich würde es wieder tun

Der Ortsteil habe weiterhin großes Potenzial: „Die Bevölkerung kann durch neue Bauplätze noch wachsen, im Gewerbegebiet gibt es nach wie vor freie Flächen, und verkehrstechnisch ist Waldmössingen gut gelegen.“

Rückblickend würde sich Rainer Ullrich wieder um den Posten des Ortsvorstehers bewerben. Der frühere Bürgermeister von Alpirsbach spricht von einer „Abrundung der kommunalpolitischen Laufbahn“, so wie er es sich bei seiner Wahl im Jahr 2021 gewünscht habe.

Als aktuelle Herausforderungen für Waldmössingen nennt er die Verbesserung der Mobilfunkversorgung, die Weiterentwicklung des Weiherwasens, das Wohnbaugebiet Kehlenstraße sowie die Ansiedlung eines Discounters. Für die Zukunft wünscht er Waldmössingen vor allem eines: „Kein Abgleiten in einen reinen Wohnbezirk.“

Die offizielle Verabschiedung als Ortsvorsteher findet am Freitag, 30. Januar, um 19 Uhr in der Kastellhalle statt. Rund 100 Einladungen seien verschickt worden, willkommen sei aber jeder Interessierte. Trotz leerer Kassen eine so große Veranstaltung? „Es wird ja keine Sause-Party“, sagt Ullrich. „Ich habe mich an der Verabschiedung meiner Vorgängerin orientiert – und die hat schließlich auch in der Kastellhalle stattgefunden.“