Mit Philipp Haberstroh verliert Carolin Holzmüller einen Mitstreiter für die Feuerwehrreform.
Es ist meine erste Gemeinderatssitzung im Oktober 2023 im Foyer der Mehrzweckhalle in Efringen-Kirchen gewesen: Thema Kindergarten Blansingen und Bürgerbus. Ein Kommunalpolitiker des Gemeinderats wirft Carolin Holzmüller vor, dass sie zu diesen Themen nichts beitragen könne, sie habe schließlich keine Kinder. Ein Satz, der mich heute noch entsetzt. Damals hat sich Holzmüller offensichtlich genötigt gesehen unter Tränen ihre Kinderlosigkeit zu erklären.
Es ist besser Mitstreiter zu suchen
Nun hat Holzmüller erneut Tränen vergossen. In einem ganz anderen Zusammenhang. Ihr Kritiker Philipp Haberstroh forderte, sie solle besser Mitstreiter suchen als Streit: Eine Aufforderung, einen anderen Weg einzuschlagen und Verbündete für ihre Projekte zu suchen.
Holzmüllers Willensstärke
Holzmüller ist willensstark und besonders paragrafentreu. Mitunter erdrückt sie ihr Umfeld nahezu mit ihrer Tatkraft. Da ist zum Beispiel die Fragestunde im Gemeinderat. Dabei muss eine Frage gestellt werden. Aber: Wie schnell muss ein Bürger sein Problem schildern und eine Frage stellen? Dabei wird der Bürgermeisterin regelmäßig fehlendes Fingerspitzengefühl vorgeworfen. Ebenso undiplomatisch kommuniziert sie häufiger mit den Mitgliedern des Gemeinderats.
In Efringen-Kirchen ist der Kindergartenbus ein Angebot, das bislang nicht zur Diskussion stand. Sicher, wo gibt es das sonst, dass die Kinder abgeholt und zum entsprechenden Kindergarten gefahren werden? Holzmüller stellt dieses Angebot in Frage. Warum gibt sie der Gemeinde nicht die Chance, womöglich Vorreiter für solch ein Angebot zu sein? Andere Kommunen kämpfen mit Elterntaxis.
Erst vorübergehend, dann endgültig geschlossen, der Kindergarten in Blansingen
Die Blansinger wollen ihren Kindergarten erhalten. Es fehlt an Personal. Scheibchenweise führen Beschlüsse im Gemeinderat zur Schließung des Kindergartens. Ein Aufreger. Holzmüllers Vorschlag, einen Hort für Schulkinder daraus zu machen, ist gewagt. Wann das geschehen soll? Zum nächsten Schuljahresbeginn.
Welche Herausforderung sucht Pfahler in Schliengen, die es in Efringen-Kirchen nicht gibt?
Dem Hauptamtsleiter Clemens Pfahler ist in dieser Sitzung die Gesichtsfarbe entwichen, angesichts des Zeitplans für den Umbau und die Organisation sowie die Betreuungskräfte. Ist Pfahler vielleicht gegangen, weil ihm das Tempo der Bürgermeisterin zu hoch gewesen ist?
Keine Angst vor Reformen
Angst vor Reformen hat sie keine. An eine Reform der Feuerwehr hat sich bislang keiner gewagt, das gleiche gilt für das Gemeindeentwicklungskonzept.
Die zwei Seiten einer Medaille
Und: Da ist auch die andere Seite der Bürgermeisterin. Sie reicht dem Gemeinderat in ihrer Neujahrsansprache im Jahr 2025 die Hand für ein Miteinander in der Zukunft. Vier Tage später im Gemeinderat maßregelt sie das Gremium wiederholt, dass der verspätete Haushaltsbeschluss den Gemeinderäten anzulasten sei. Mit dem Trinkgeld des Bürgerbusses macht sie gerade ein neues Fass auf.
Philipp Haberstroh ist ihr erster Mitstreiter für die Feuerwehrreform geworden. Nun scheint es aber auf der zwischenmenschlichen Ebene nicht mehr zu funktionieren. Mit Carolin Holzmüllers Stellungnahme bleibt ihm tatsächlich nur der Rücktritt.
Offensichtlich liegt eine erhebliche Diskrepanz in der Wahrnehmung des jeweils anderen vor.
Schaut man auf die Gesamtgemengelage, hat Holzmüller über die schwierigen Sachthemen hinaus etliche Baustellen. Es stellt sich die Frage, in wieweit die Bürgermeisterin diese zielführend und erfolgreich abarbeiten kann.