Ihre Stellungnahme zum Streit mit dem Feuerwehrkommandanten belässt die Bürgermeisterin von Efringen-Kirchen auf ihrer Homepage. Wir haben nachgefragt.
Auch zwei Tage nach Ablauf der Frist hat Bürgermeisterin Carolin Holzmüller ihre Stellungnahme zu den Differenzen mit Gesamtkommandant Philipp Haberstroh nicht von ihrer Homepage entfernt. In seiner jüngsten Sitzung hatte der Gemeinderat Efringen-Kirchen ihr bis Mittwoch, 20. Mai, 12 Uhr, ein Ultimatum gestellt.
Bei der Hauptversammlung der Feuerwehr Efringen-Kirchen im März, hatte Gesamtkommandant Philipp Haberstroh der Bürgermeisterin Vorwürfe gemacht. Zunächst hatte er ihr und dem Gemeinderat noch gedankt, „für die Bereitstellung der Mittel und das Vertrauen, dass mir als Kommandant, aber auch uns als Feuerwehr entgegengebracht wurde“.
Ein weiterer seiner Sätze aber löste dann das aus, was seither Bürger, Feuerwehrausschuss, Gemeinderat und Bürgermeisterin beschäftigt: „Allerdings muss man auch sagen, dass es für Sie, Frau Holzmüller, deutlich einfacher wäre, wenn Sie statt Streit einfach Mitstreiter suchen würden.“
Was in den Wochen danach folgte, war ein öffentlicher Schlagabtausch, für den Holzmüller bei der jüngsten Gemeinderatssitzung und in ihrem Statement auf der Webseite Haberstroh verantwortlich macht, weil er den Weg der Öffentlichkeit gewählt habe, als er der Presse im Nachgang der Generalversammlung Rede und Antwort stand.
Auf ihrer Homepage spricht Holzmüller von „systematischen persönlichen Angriffen, der gezielten Zermürbung durch den Gesamtkommandanten sowie von einer gezielten und systematischen Diskreditierung“.
Bürgermeisterin schilder ihren Eindruck
Sie schildert ihren Eindruck, dass versucht werde, sie als Bürgermeisterin zu demontieren und als Menschen zu schwächen. Dazu würden Fakten verdreht, Absprachen ignoriert oder geleugnet, Übereinkünfte in Abrede gestellt oder Informationen bewusst falsch weitergegeben.
Nach der Generalversammlung im März wollte Haberstroh von einem Rücktritt noch nichts wissen. Rund 30 Minuten nach der Veröffentlichung von Holzmüllers Stellungnahme auf ihrer Webseite Mitte April kündigt Haberstroh dann aber doch seinen Rücktritt an.
In seiner Stellungnahme fordert das Feuerwehr-Kommando daraufhin eine Sitzung des Feuerwehrausschusses, bei der Holzmüller ihre Vorwürfe erklären soll – noch vor der Gemeinderatssitzung am 27. April, in der das Gremium die Abberufung des Feuerwehrkommandanten mehrheitlich ablehnte.
Im Nachgang der April-Sitzung teilt Haberstroh auf Anfrage unserer Zeitung mit: „Ich arbeite nicht mit dieser Bürgermeisterin zusammen, solange ihre Stellungnahme weiter auf ihrer Internetseite steht.“ In der Mai-Sitzung lehnt der Gemeinderat die Abberufung des Kommandanten erneut mehrheitlich ab. 15 Gemeinderäte stellen der Bürgermeisterin ein Ultimatum, ihre Stellungnahme auf der Homepage zu löschen.
„Aus unserer Sicht hat die falsche Person ihren Rücktritt angeboten. Wir fordern Sie, Frau Holzmüller, erneut auf, politische Verantwortung zu übernehmen“, heißt es in der Stellungnahme der Gemeinderäte von CDU, FDP, SPD und Freie Wähler.
Die Zuspitzung der Entwicklungen um die Feuerwehr in der jüngsten Gemeinderatssitzung haben Holzmüller auf Anfrage unserer Zeitung veranlasst, Stellung zu nehmen. Sie sehe sich als Bürgermeisterin verpflichtet, erneut Widerspruch einzulegen, weil der Gemeinderat erneut die von Kommandant Haberstroh beantragte Abberufung aus einem Ehrenamt verweigert habe: „Der Kommandant hat einen Anspruch darauf, dass über seinen Abberufungswunsch sachgerecht entschieden wird.“
Holzmüller: „Dieses Vorgehen ist für mich nicht akzeptabel“
Zum Ultimatum des Gemeinderats schreibt die Bürgermeisterin: „Dieses Vorgehen ist für mich nicht akzeptabel und ich werde dazu zeitnah das Gespräch mit den Unterzeichnern suchen.“ Jedoch werde sie dies nicht davon abhalten, das für die Gemeinde Richtige zu tun.
Zudem sei es ihr ein Anliegen, nach den öffentlichen Diskussionen der letzten Wochen, die inhaltlichen Themen, die zum Ausdruck gekommen sind, sachlich und in Ruhe zu eruieren, „um für die Zukunft die Zusammenarbeit zu verbessern. Sie stehe in der Verantwortung, die Situation fachlich und rechtlich sauber zu lösen und „unserer Feuerwehr eine zukunftssichere, effiziente und auf mehrere Schultern verteilte Struktur zu geben“.
Die anstehenden Themen werden mit den unterschiedlichen Beteiligten in den kommenden Wochen in Ruhe und ohne zusätzlichen Druck aufgearbeitet, um tragfähige Lösungen für die Zukunft zu finden, teilt Holzmüller mit.
Sie ruft alle in der Gemeinde dazu auf, aus den problematischen Entwicklungen der vergangenen Wochen zu lernen: „Konflikte so in der Öffentlichkeit auszutragen oder Ultimaten zu stellen, bringt mehr Schaden als Nutzen und verunsichert die Bevölkerung. Sie teilt mit, dass ihr die Feuerwehr sehr am Herzen liege.