Ein Neubaugebiet ohne funktionierenden Telefon- und Internetanschluss? Genau das ist im neuen Baugebiet „Hirschen II“ in Gruol momentan der Fall. Die Stadt will das Dilemma lösen.
Die Leerrohre sind komplett verlegt, allein es fehlen die Glasfaserkabel. Inzwischen hat ein Bauherr, der auch noch ein Gewerbe betreibt, sein Haus auf Hirschen bezogen, und für diesen sei dies natürlich „eine Katastrophe“, wie Ortsvorsteher Reiner Schullian in der Dezembersitzung des Ortschaftsrats am Montag erklärte.
Es ist verzwickt: In Gruol und in anderen Orten sollen eigentlich die Oberschwäbischen Elektrizitätswerke (OEW) ein Glasfasernetz aufbauen und damit den Zugang zu schnellem Internet schaffen. Entsprechen Leerrohre sind „Auf Hirschen II“ bereits verlegt.
„Inselnetze“ im Tausch für die Leerrohre in Gruol
Allerdings ist der von der OEW Breitband GmbH betriebene Breitbandausbau ins Stocken geraten, da er über entsprechendes Gigabit-Förderprogramm des Bundes und mit Landesmitteln bewerkstelligt wird. Diese Fördertöpfe (die Mittel daraus decken laut OEW bis zu 90 Prozent der Ausbaukosten) sind jedoch leer und deshalb geht’s nicht weiter. Allein für den Zollernalbkreis sind für verschiedene Ausbaugebiete rund 7,9 Millionen Euro (Stand 2023) eingeplant.
Eine Lösung für die Situation zeichnet sich jetzt aber ab: Die Stadt will die Leerrohrinfrastruktur „Auf Hirschen II“ von der OEW-Breitband GmbH übernehmen und im Gegenzug sogenannte „Inselnetze“ im Stadtgebiet für den späteren geförderten Breitbandausbau in das Eigentum der OEW übergeben. Es geht dabei um insgesamt 26 Hausanschlüsse in Bittelbronn und sieben in den Haigerlocher Eyachauen.
Technischer Aufwand hält sich in Grenzen
Laut Stadtverwaltung würde es Sinn machen, wenn die Leerrohre im Eigentum der Stadt stünden. Die städtischen Breitbandleerrohre sind durchgängig vom PoP-Gebäude in der Freigasse bis zum Ende des Wohngebiets „Auf Hirschen I“ vorhanden und werden aktuell bereits von der zollernalb-data in Balingen betrieben. Technisch ist es ohne großen Aufwand möglich, das Leerrohrnetz für das Wohngebiet „Auf Hirschen II“ nach Einzug der Glasfaserleitung an die bestehende städtische Breitbandinfrastruktur anzubinden
Für Gruol sei diese Lösung gut, erklärte Ortsvorsteher Schullian, und auch das Gremium zeigte sich mit dem Vorschlag zufrieden. Jetzt könne man die Bauplätze „beruhigter verkaufen“. Es handelt sich um insgesamt 33 Hausanschlüsse auf „Hirschen II“ die mit Breitband versorgt werden müssen, die Leitungen haben eine Gesamtlänge von 421 Metern. In diesem Zusammenhang stimmte der Ortschaftsrat übrigens dem Bauantrag für ein Einfamilienhaus auf „Hirschen II“ zu.