Das Kanderner Kino ist für viele Filmfans Kult. Im Mai 2026 wird es 70 Jahre alt. Der Geburtstag wird am Jubiläumswochenende gebührend gefeiert.
Das Wochenende zum runden Geburtstag am Samstag, 2. Mai und am Sonntag, 3. Mai wird mit einem Poetry Slam mit Texten zum Thema „Licht und Schatten“ , sowie drei preisgekrönten Kurzfilmen von Kindern und Jugendlichen und dem Konzert der Bigband „Hatpats“ mit Musik aus allen Jahrzehnten gefeiert.
Der Verein Kommunales Kino Kandern steht mit seinen Aktiven als Organisator hinter diesen Events – und auch für die Auswahl an aktuellen Blockbustern aber auch an besonderen Filmen mit guten Geschichten und außergewöhnlichen Themen für alle Altersgruppen und für jeden Geschmack.
Der gemeinnützige Verein, der rund 250 Mitglieder hat, wurde 2007 gegründet.
„Dass unser Kino richtig gut läuft und wir einen großen Fan – und Kinobesucherkreis aus einem großen Umkreis, vom Wiesental über die Schweiz bis nach Frankreich, von Kandern bis nach Müllheim, Neuenburg und sogar bis Freiburg haben, zeigt uns, dass wir viel richtig gemacht haben und richtig machen“, freut sich die erste Vorsitzende des Vereins, Judita Kovac.
Gebaut hat das jetzige Kanderner Kino, die „Blumen-Lichtspiele“, Heinz Leonhardt, Bäcker und Landwirt in Heitersheim.
Die Wahl für einen Kino-Standort fiel auf Kandern, denn dort hatte die Familie Grund und Boden. Leonhardts Eltern hatten dort das Gasthaus „Zur Blume“ betrieben.
Für den Kinoneubau, geplant von Architekt Albert Wüst, wurde ein Stall abgerissen. Die Brüder Fritz und Heinz teilten sich die Kosten für den Bau zu je 50 Prozent.
Eröffnung mit Tiroler Heimatfilm
Am 18. Mai 1956 wurde das Kino mit dem Heimatfilm „Ja, ja die Liebe in Tirol“ aus dem Jahr 1955 eröffnet – dieser Film war übrigens zum 60. Geburtstag des Kinos 2016 noch einmal gezeigt worden. Mitte der 1970 er Jahre verkaufte Fritz Leonhardt seine Kinoanteile an die Kino-Familie Karg, die in Müllheim das „Central- Theater“ besaß.
Heinz Leonhardt behielt seine Anteile und baute vertraglich zusammen mit Jochen Karg eine Kooperation auf.
Umbau in den 1980er-Jahren
Um das Kino zur VHS-Kassette konkurrenzfähig zu halten, wurde in den 1980er-Jahren eine Stereotonanlage eingebaut, dazu auf mehr Komfort gesetzt: Die plüschigen gemütlichen Sitze, die die Kinobesucher heute schätzen, stammen noch aus dieser Umbauzeit.
In den 1990er-Jahren verkaufte Karg im Zug angestrebter neuer Straßenplanungen, die den Abbruch des Kinos vorsahen, das Kino an die Stadt, eine Bürgerpetition verhinderte den Abriss“, so Kovac. 2006 wurde der Pachtvertrag, der weiter mit Karg bestanden hatte, gekündigt, die Stadtverwaltung setzte zum Fortbestand des Kinos einen Verein – eben „Kommunales Kino Kandern“ als Betreiberin ein. „2008 konnte das Kino wiedereröffnet werden – der Verein sorgte auch dafür, dass wir die tolle Original 50er-Jahre Ausstattung behalten haben, die jetzt so viel Anklang bei Besuchern findet“, informiert Kovac.
Stoff an Wänden und Decken wurde erneuert
Die edle Stoffbespannung der Wände und Decken im Foyer wurde vor kurzem passend zu den Sitzgarnituren und Stehtischen vor wenigen Jahren erneuert. Gespendet wurden eine Schallplatten-Kommode.
„Unser Foyer ist neben dem Kinosaal ein echtes Highlight – ältere Besucher schwelgen teils in nostalgischen Erinnerungen, jüngere finden Foyer und Kinosaal einfach nur obercool“, weiß die erste Vorsitzende. „Wie schön, dass es so ein Kino noch gibt“, ist dabei einer der Hauptkommentare.
Tonrechnik ist auf neuestem Stand
Und technisch braucht sich das Kino nicht zu verstecken, Filmvorführungen sind digitalisiert, die Tontechnik ist auf dem neuesten Stand – der Verein hat hier viel investiert.
Finanziert wird das Kino durch den Verein und durch eine Förderung der Stadt, teils gibt es noch Gelder vom Land und vom Bund. Ohne den Einsatz der Ehrenamtlichen übrigens, die Karten und Gtränke verkaufen und Events organisieren, ginge nichts.
Vorträge, Konzerte und Rahmenprogramm
„Unsere Reihe ‚Der besondere Film‘ wird sehr geschätzt, man kann das Kino für private Events buchen, man kann bei uns Vorträge halten und wir haben neue Konzertformate. Zum Film ‚der Zopf‘ gab es zuvor das Angebot, Zöpfe von Profis flechten zu lassen – man muss sich was einfallen lassen um das Kino lebendig zu erhalten“, weiß Kovac.
Der bestgesehene Film ist übrigens bisher mit über 2.000 Besuchern die aktuelle Komödie „Bon Schuur Ticino“ vor „Monsieur Claude und seine Töchter“. Im Jubiläumsmonat Mai werden unter anderem „Bohemian Rhapsody“ und „Ziemlich beste Freunde“ – zwei weitere Publikumslieblingsfilme – gezeigt.