Im Sommer will man mit dem Bau einer tausend Meter langen Strecke zwischen Degerloch und Heslach beginnen. Foto: Fotolia

Zwischen Degerloch und Heslach ist eine Downhill-Strecke geplant: Ein durchschnittliches Gefälle von zwölf Prozent soll sie haben, 27 Hindernisse werden eingebaut.

Stuttgart - Eigentlich darf man diesen Satz ja nicht mehr sagen, zu lange liegt er schon in der Mottenkiste bei den ausgemusterten Redewendungen. Doch in diesem Falle trifft er tatsächlich zu. „Was lange währt, wird endlich gut!“, sagte Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann am Dienstag im Sportausschuss, als sie vortrug, dass Stuttgart eine Downhill-Strecke bekommen soll. Im Sommer will man mit dem Bau der tausend Meter langen Strecke zwischen Degerloch und Heslach beginnen. Ein durchschnittliches Gefälle von zwölf Prozent soll sie haben, 27 Hindernisse werden eingebaut.

Die machen ja den besonderen Reiz aus. Denn Stock und Stein halten sie nicht auf. Was ein geübter Downhill-Radler sein will, der lässt sich bergab weder von scharfen Kurven, noch von Baumstümpfen oder Wurzeln bremsen – doch manche Hindernisse lassen sich nicht umfahren. Vorschriften und Gesetze sind störrischer, als sie scheinen. Das mussten nicht nur die leidenschaftlichen Radler erleben, die seit einem knappen Jahrzehnt für die Strecke kämpfen, sondern auch etliche Bürgermeister und Stadträte.

2006 bereits hatte der damalige OB Wolfgang Schuster den Radlern versprochen: „Wir werden euch eine Strecke bauen.“ Die bürgerliche Mehrheit im Gemeinderat konnte sich dafür jedoch zunächst nicht begeistern. Doch 2011 bewilligte der Gemeinderat schließlich 135 000 Euro für den Bau und einen zwei Jahre währenden Probebetrieb.

Alles klar also? Von wegen. Wie so oft steckten die Tücken im Detail. Die Strecke liegt im Landschaftsschutzgebiet, Förster und Naturschützer haben Mitspracherecht. „Da geht es um die Befreiung von der Landschaftsschutzverordnung“, sagte Eisenmann, einen Ausgleich für die Eingriffe muss man schaffen, Sicherheit und Haftung kommen hinzu und vieles mehr. Kurzum: Zahlreiche Ämter sind beteiligt. „Ganz ohne Schuldzuweisungen: Der Kommunikationsprozess ist sicher nicht glücklich gelaufen“, sagte Eisenmann. Oder wie es Peter Pätzold von den Grünen ausdrückte: „Die Verwaltung arbeitet halt recht gründlich.“ Nun ist man der Sache auf den Grund gegangen und hat keine Einwände mehr. „Wir kriegen das hin!“, gab sich Eisenmann überzeugt. Doch die bewilligten 135 000 Euro reichen nicht. Der Bau kostet insgesamt 175 000 Euro. Aber man sei mit der Finanzverwaltung in guten Gesprächen, sagte Eisenmann.

Allerdings werde man auf der Strecke nicht alle Radler bündeln können. „Es gibt etwa 20 Strecken, die befahren werden“, sagte Eisenmann, „davon sind nur drei oder vier Strecken für Down­hiller.“ Auf dem Rest fahren Mountainbiker, streng genommen illegal. „Doch die werden wir mit dieser neuen Strecke nicht aus dem Wald bekommen“. Aber das sei ein Stück Lebenswirklichkeit: „Bei uns im Wald ist halt was los!“ Mehr als anderswo, denn Stuttgart ist bald die erste Stadt in Deutschland, die eine Downhill-Strecke in kommunaler Verantwortung betreibt. Wenn tatsächlich alles gut wird, was lange währt.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: