Vom geplanten Windkraftprojekt im Feurenmoos betroffene Anwohner trafen sich auf der Hutneck mit Stefan Teufel (CDU) zum kritischen Gedankenaustausch.
Für das Feurenmoos und seine Anwohner naht ein wichtiges Datum: Am 26. September soll die Verbandsversammlung des Regionalverbands Schwarzwald-Baar-Heuberg die Ausweisung der Vorrangflächen für die Errichtung von Windparks verabschieden. Zu diesen zählt auch das Feurenmoos zwischen Sulgen, Schönbronn, Hardt und Eschbronn, für das die Stadtwerke Tübingen sogar schon einen Bauantrag von fünf Windrädern beim Landratsamt Rottweil gestellt haben. Gegen diese Ausweisung als Vorranggebiet und gegen die geplanten Anlagen gibt es aus der Bevölkerung seit Bekanntwerden Widerstand .
Austausch am Kristleshof
Der CDU-Landtagsabgeordnete Stefan Teufel geht auch kontroversen Themen in seinem Wahlkreis nicht aus dem Weg.
Auf dem Hutneck wollte er sich am Dienstag dieser Woche im Gespräch mit einigen Kritikern des Projekts einen eigenen Eindruck machen Der Austausch fand statt neben dem Kristleshof, wo dessen Eigentümer Meinrad Kopp in Eigeninitiative einen von Wanderern gern genutzten kleinen Rastplatz mit Holztisch und Bänken eingerichtet hat.
Anwohner Jochen Oehler eröffnete den Austausch: Es gehe nicht nur um die Opferung von Waldfläche, die Bedrohung von Tier- und Pflanzenarten oder die Belastung durch Betriebslärm und Schattenwurf der Anlagen. Es gebe auch die große Gefahr, dass die fünf Fundamente sich auf den Verlauf der Wasseradern im Boden auswirkten. Erst nach neun bis zwölf Metern finde sich eine feste Sandsteinschicht im Untergrund für die Fundamente der riesigen Windräder.
Dazu präsentierte einer der anwesenden Landwirte Fotos von Bohrkernen, die im Juni bei den Probebohrungen der Tübinger Stadtwerke entstanden sind und die auf dem Gelände herumlagen: Die Kerne seien so weich gewesen, das er mit dem Finger einfach habe hinein drücken können.
„Dass 600 Menschen im Umkreis so ein Projekt aufgestülpt werden soll, ist nicht richtig“, endete Oehler. Wo das Feurenmoos doch sowieso kein gutes Windertragsgebiet sei, ergänzte er und lenkte die Blicke auf die Falkenhöhe, wo die dortigen Windräder wie zur Bestätigung gerade stillstanden.
Energiemix angestrebt
„Danke, dass wir das Gespräch zusammen führen können“, erklärte Teufel. „Als Landtagsabgeordneter hat man gewisse Einflussmöglichkeiten, man muss sich dabei aber an das geltende Recht halten, unabhängig von der privaten Sichtweise“, schickte er voraus. Dass Windkraft zum Energiemix dazu gehöre, stehe außer Frage. Zudem bleibe bei der Windkraft die Wertschöpfung in der Region.
Seine Gesprächspartner nickten an dieser Stelle zustimmend. „Ich sehe aber auch für unser Land große Potenziale beim Ausbau der Geothermie, Photovoltaik, Biomasse, Wasserkraft und Wasserstoff“, ergänzte Teufel.
Faktor Wirtschaftlichkeit
Was er dann berichtete, ließ alle Anwohner am Tisch aufhorchen: Die Bundesregierung habe im Koalitionsvertrag festgehalten, das sogenannte „Referenzertragsmodell“ zu überprüfen. Das habe bisher dafür gesorgt, dass auch Anlagen an weniger windstarken Standorten für die Betreiber wirtschaftlich betrieben werden konnten. Ein Änderung könnte das Feurenmoos für diese unwirtschaftlicher machen. Außerdem sollte auch die Flächenverpachtung neu geregelt werden, zudem eine Kostenbeteiligung der Verpächter am Netzausbau.
„Ob ein Standort wirtschaftlich und technisch sinnvoll ist, müssen die Betreiber belegen“, stellte Teufel fest. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion wolle das Referenzertragsmodell entsprechend weiterentwickeln. Auch die Realisierung von Speicherkapazitäten stellten ein wichtiges Kriterium beim Ausbau der erneuerbaren Energien dar.
„Alle wichtigen Argument liegen jetzt hier auf dem Tisch“ fuhr Teufel fort. Er empfahl den Gesprächspartnern, alles noch einmal zusammenzufassen und dann nicht nur an den Regionalverband und das Landratsamt Rottweil zur Prüfung zu schicken, sondern auch an die Wirtschafts- und Umweltministerien des Landes und des Bundes.
Zusammensetzung des Regionalverbands
Die 48 Mitglieder des Regionalverbands Schwarzwald-Baar-Heuber wurden von den Kreistagen der Landkreise Rottweil, Schwarzwald-Baar-Kreis und Tuttlingen gewählt. Verbandsvorsitzender ist Landrat Wolf-Rüdiger Michel.