Wird doch noch eine Bioabfallvergärungsanlage auf dem Geißbühl gebaut? Vor einem Jahr war die Planung eines Mannheimer Energiekonzerns überraschend geplatzt. Nun hat der Technische Ausschuss des Kreistags das Thema auf der Tagesordnung.
Es war eine Riesenenttäuschung, als im März 2024 der Mannheimer Energiekonzern MVV überraschend erklärte, die geplante Bioabfallvergärungsanlage im Interkommunalen Industrie- und Gewerbepark (IIGP), der auf dem Gelände der einstigen Zollernalb-Kaserne entstehen soll, aus wirtschaftlichen Gründen nicht zu bauen.
Von einem „klimapositiven Leuchtturmprojekt“ hatte der Meßstetter Bürgermeister Frank Schroft, Vorsitzender des Zweckverbands IIGP, damals gesprochen. Für Letzteren war der Rückzieher ein schwerer Schlag, denn die MVV Umwelt GmbH mit Sitz in Mannheim war die erste Interessentin, die sich auf dem Geißbühl ansiedeln wollte.
In der Vergärungsanlage sollten jährlich 30 000 Tonnen Bioabfall verarbeitet und dabei 20 000 Megawattstunden Biomethan erzeugt werden. Rund 2400 Tonnen CO2 im Jahr hätten zusätzlich der Atmosphäre entzogen werden können.
Das Thema hatte sich zwar für die MVV erledigt, nicht aber für den Zollernalbkreis. Jetzt könnte ein neues Konzept für eine Überraschung sorgen, denn der Kreis strebt seit 20 Jahren eine ortsnahe Verwertung für die rund 8000 Tonnen Bioabfall im Landkreis an. Aktuell wird dieser mit der MVV Mannheim außerhalb des Zollernalbkreises verwertet, aber dieser Dienstleistungsvertrag endet am 1. Januar 2026.
Wie geht es nun weiter? Im Ausschuss für Umwelt und Technik des Kreistages am 17. März wird das Thema auf der Tagesordnung stehen – mit neuen Lösungsansätzen. Wie der Sitzungsvorlage zu entnehmen ist, rückt dabei wieder das alte Kasernengelände auf dem Geißbühl in Meßstetten als denkbarer Standort ins Visier.
Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, die in Biomasse enthaltene Energie nutzbar zu machen. Einmal die seit Jahrzehnten bei landwirtschaftlichen Biogasanlagen genutzte Technik der „Kraft-Wärmekopplung“. Dabei wird ein Blockheizkraftwerk (BHKW) genutzt. Mit einem Verbrennungsmotor wird ein Generator betrieben und Strom erzeugt. Dieser wird ins öffentliche Stromnetz eingespeist. Der Nachteil: So verwertetes Biogas setzt ganzjährige Wärmenutzung voraus und kann nur kurzfristig gespeichert werden. Deshalb gewinnt die „Gaseinspeisung“ zunehmend an Bedeutung. Mit diesem Verfahren wird das Biogas durch entsprechende Schritte so gereinigt, dass das Endergebnis die Reinheit von Erdgas erreicht. Damit wird eine räumliche und (jahres-)zeitliche Trennung der Herstellung vom Verbrauch möglich und somit eine vollständige Ausnutzung im Netz.
Aus rund 8000 Tonnen Bioabfall, die im Kreisgebiet jährlich gesammelt werden, ließen sich mit einem BHKW dann 400 000 Kilowattstunden Strom und 700 000 Kilowattstunden Wärme erzeugen. Damit könnte der Strombedarf von 110 Einfamilienhäusern gedeckt werden, die Abwärme würde noch für knapp 30 Einfamilienhäuser reichen.
Sollten die Ausschussmitglieder am 17. März grünes Licht geben, könnte die Verwaltung ein technikoffenes Ausschreibungskonzept für eine Bioabfallvergärungsanlage für den im Zollernalbkreis anfallenden Bioabfall vorbereiten. In Gesprächen mit dem Zweckverband Interkommunaler Industrie- und Gewerbepark Zollernalb mit Sitz in Meßstetten müsste die Verwaltung klären, ob und zu welchen Konditionen ein Grundstück, rund drei Hektar groß, für den Bau einer Biogasanlage zu Verfügung gestellt werden könnte. Alternativ könnte sich der Auftragnehmer selbst ein Grundstück suchen oder dabei vom Auftraggeber, dem Zollernalbkreis, unterstützt werden.