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Kommentar zur Fifa Eine Familie, eine Mafia

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Lichtblick? Nein, der Weltverband Fifa gerät immer mehr ins Zwielicht Foto: dpa

Womöglich ist das wirklich Empörende am jüngsten Fifa-Skandal, dass sich alle Welt an die vielen Possen und Peinlichkeiten gewöhnt hat, die seit Jahren aus dem korruptionserschütterten Imperium am Züricher Sonnenberg dringen. Sie fielen mal mehr, mal weniger heftig aus und hatten vor allem eines gemeinsam: Noch stets ist es dem seit 1998 amtierenden Präsidenten Sepp Blatter gelungen, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Dabei ist seine Amtszeit reich an Verfehlungen. Zurzeit ist die Empörung groß wie nie. Aber ändert sich nun etwas? Schön wär’s. Allein, es fehlt der Glaube. Blatter ist kein Mann für Reformen. Denn Reformen bedrohen seinen Status als Allmächtiger.

Der Schlussbericht der Fifa-Ethikkommission zu den von Korruptionsvorwürfen begleiteten WM-Vergaben an Russland (2018) und Katar (2022) hat ein Beben ausgelöst. Michael J. Garcia (USA), der die Kammer für Ermittlung leitet, hält die Vorwürfe für begründet. Hans-Joachim Eckert (München), Chef der Kammer für Rechtsprechung, bestätigt Verdachtsmomente, hält sie aber für unzureichend, um den beiden Ländern die Rote Karte zu zeigen. Garcia droht mit Klage, Eckert gerät in Erklärungsnot, die Fifa hält den Bericht unter Verschluss – das ist peinlich wie der Fakt, dass beide Herren auf der Fifa-Gehaltsliste stehen. Wie sollen sie da unabhängig urteilen?

Die jüngste Farce um Kumpanei, Intrige und Bestechung passt zu einem Verband, in dem seit 2010 acht von 24 Mitgliedern des mächtigen Exekutivkomitees wegen Korruptionsvorwürfen gefeuert wurden oder freiwillig abgetreten sind. So soll der Katarer Mohammed bin Hammam Funktionärskollegen mit vier Millionen Euro geschmiert haben, um deren Unterstützung für die WM-Bewerbung seines Landes zu sichern. Als Vertrauter Blatters soll er vor dessen Wahl 1998 afrikanischen Funktionären Briefe mit je 40 000 Euro Inhalt überbracht haben, um dem Schweizer Stimmen zu sichern. 2011 kämpfte er gegen seinen damaligen Intimus um das höchste Amt im Fußball und scheiterte. Die Fifa sperrte ihn lebenslang, weil er karibische Funktionäre mit 800 000 Euro zu bestechen versucht habe.

Die Parallelwelt der Fifa ist voller Abhängigkeiten, und den Strippenziehern geht offenbar jedes Unrechtsbewusstsein ab. Das unterstreichen die millionenschweren Mauscheleien beim Tickethandel und Stimmenkauf. Gipfel der Unverfrorenheit ist bis heute die Pleite des eng mit der Fifa verbandelten Sportvermarkters ISL/ISMM, als weltweit rund 117 Millionen Euro Schmiergeld an Spitzensport-Funktionäre flossen – die wiederum zahlten rund 4,6 Millionen Euro, damit ihre Namen geheim blieben. Aus solchen Geflechten entsteht eine verschworene Gemeinschaft. Eine Familie, sagt Blatter. Eine Mafia, sagen Kritiker.

Als solche tun sich jüngst verstärkt Europäer wie Michel Platini hervor. Dabei darf der Präsident der Europäischen Fußball-Union (Uefa) keine Unabhängigkeit mehr für sich reklamieren, seit sein Sohn kurz nach der WM-Vergabe an Katar einen Job in einem katarischen Unternehmen erhalten hat. Der deutsche Liga-Boss Reinhard Rauball droht mit Europas Austritt aus der Fifa. Dabei hätte es schon geholfen, die Europäer hätten einen starken Gegenspieler aufgebaut, um Blatters angestrebte Wiederwahl 2015 zu verhindern. Das blieb aus, weil Platini eine Niederlage befürchtet. Das ist fatal. Um den Sumpf auszutrocknen, benötigt die Fifa eine neue Kultur der Glaubwürdigkeit und Transparenz. Dazu bedarf es einer Revolution, einer Kultur-Revolution – und sauberer Funktionäre. Es soll sie geben. Sogar in der Fifa.

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