Der„Gelbe Engel“, den VW-Chef Martin Winterkorn am vergangenen Donnerstag in München entgegennahm, bekommt wohl keinen Ehrenplatz auf dem Kamin Foto: dpa

Der ADAC hat ein massives Glaubwürdigkeitsproblem, lautet das Fazit unseres Redakteurs Simon Rilling zu den Vorgängen um Manipulationen beim Preis „Gelber Engel“.

München/Stuttgart - Am Donnerstag hatte ADAC-Chef Karl Obermair noch große Töne gespukt. Immerhin seien die vier Buchstaben des ADAC richtig abgedruckt worden, ätzte er bei der Auszeichnung des VW Golf mit dem „Gelben Engel“ und bezeichnete Zeitungsberichte über Mauscheleien bei der Wahl zum Lieblingsauto der Deutschen als Unterstellungen. Im Übrigen sei nichts älter als die Zeitung von gestern, mit der man den Fisch einwickle.

Drei Tage später ist klar: Die Zahlen wurden manipuliert, Zeitungen sind zu mehr nütze, als nur den Fisch darin einzuwickeln – und der ADAC hat ein massives Glaubwürdigkeitsproblem. Denn nun stellt sich die Frage, ob bei anderen Tests ebenfalls nachgeholfen wurde, um die jeweiligen Produkte im rechten Licht erscheinen zu lassen. Oder ob es wirklich sein kann, dass deutsche Autos auf den Hitlisten des ADAC immer weit vorne landen. Ein Vorwurf, der an die Substanz geht, inszenierte sich der Autoclub doch bislang als Fürsprecher der Verbraucher, als unabhängige Institution, deren Wort Gewicht hat, der man vertrauen kann.

Millionen lesen die Tests des Autoclubs und richten ihr Kaufverhalten danach aus. Eine Empfehlung des ADAC bedeutet für Automobilhersteller höhere Absätze, eine Kritik unter Umständen empfind­liche Einbußen. Umso wichtiger ist die Frage nach dem Warum, die bislang noch gar nicht gestellt wurde.

Jahrelang machte der Autoclub Kasse mit seiner Glaubwürdigkeit, jetzt hat man die Kiste mit Karacho an die Wand gefahren. Die Folgen des Totalschadens sind nicht absehbar. Das ist nicht nur für Millionen ADAC-Mitglieder bitter, sondern auch für die Mitarbeiter auf den Autobahnen, die gelben Engel, die zu Recht einen tadellosen Ruf genießen.