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S 21 funktioniert - und die Gegner zeigen sich als schlechte Verlierer sagt Jörg Hamann.

Stuttgart - Unterm Strich zählt nur das nackte Ergebnis: Stuttgart 21 hat den Stresstest bestanden. Der geplante Durchgangsbahnhof leistet in der Spitzenstunde 30 Prozent mehr als der heutige Kopfbahnhof: Zwischen 7 und 8 Uhr können heute 37 Züge ein- und ausfahren, im Lichtaugenbahnhof sind 49 Züge möglich - und das in guter betrieblicher Qualität. Diese Bedingungen für den Leistungsnachweis waren bei der Schlichtung zwischen der Bahn und den Projektgegnern vereinbart worden. Einvernehmlich. Ebenso, dass das Schweizer Verkehrsplanungsbüro SMA den Stresstest bewertet - wie von den Projektgegnern vorgeschlagen. Dennoch akzeptieren sie das Testat nun nicht und zeigen sich damit als schlechte Verlierer.

Diese Haltung ist auch deshalb unverständlich, weil das Aktionsbündnis gegen S21 mit seiner konstruktiven Kritik während der Schlichtung vergangenen Herbst erst bewirkt hat, dass die Bahn erheblich nachbessern muss: Für die westliche Anbindung des Flughafens ist ein zweites Gleis erforderlich, die Signaltechnik muss aufgerüstet werden und der Erhalt der Gäubahnstrecke ist für ein funktionierendes Notfallkonzept zwingend.

Diese notwendigen Verbesserungen führen aber nicht zu den von den Gegnern immer wieder behaupteten Mehrkosten, die den Kostenrahmen des Projekts in Höhe von 4,5 Milliarden Euro sprengen. Ohne zusätzliches neuntes und zehntes Gleis könne der Durchgangsbahnhof maximal 40 Züge in der Spitzenstunde verkraften, hatte Tübingens Grünen-OB Palmer noch eine Woche vor der Landtagswahl verkündet und sich auf einen eigenen Stresstest berufen. SMA jedoch testiert, dass nach "anerkannten Standards des Eisenbahnwesens" acht Gleise für 49 Züge in der Spitzenstunde ausreichen. Und das sogar in "wirtschaftlich optimaler Betriebsqualität". Die Bahn kann guten Gewissens weiterbauen.

Und die Projektgegner? Die so genannten Parkschützer hatten an einer Schlichtung ohnehin nie Interesse. Andere Vertreter des Aktionsbündnisses gegen S21 ziehen sich in den Schmollwinkel zurück. Sie bleiben der öffentlichen Präsentation des Stresstests am nächsten Dienstag aus fadenscheinigen Gründen fern. Die Mission von Schlichter Heiner Geißler wird unvollendet bleiben: Er hat "Stuttgart 21 plus" aufs Gleis gesetzt, doch den Prellböcken unter den Gegnern geht es allein ums "Oben-bleiben".

Umso mehr sind jetzt die Regierungs-Grünen gefordert. Sie sollten das SMA-Testat akzeptieren und so zur Befriedung eines Konflikts beitragen, den sie nicht mehr gewinnen können. Ein Verkehrsminister, erst recht ein Ministerpräsident sind dem ganzen Land gegenüber verantwortlich, nicht nur ihrer Klientel.

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