Die Erweiterung des Nationalparks Schwarzwald wird kommen. Doch der Weg dorthin war und ist zweifelhaft, meint Redakteur Thomas Faltin.
So richtig jubelt niemand über den Lückenschluss im Nationalpark Schwarzwald. Den Anwohnern sind selbst die 1500 Hektar an Erweiterungsfläche viel zu viel. Umgekehrt hatten die Naturschützer auf mindestens die doppelte Kulisse gehofft. Ist das jetzt also ein fairer oder doch ein fauler Kompromiss?
Vieles ist schon ziemlich irritierend. Die CDU hatte sich zwar zur Erweiterung bekannt, doch letztlich hat sie ihren Einfluss genutzt, um an allen möglichen Ecken und Enden Flächen abzuzwacken. Umgekehrt brachten die Grünen eine Geschwindigkeit in das Projekt, die zwar verständlich, aber unangemessen war. Nicht nur daran sieht man: Die grün-schwarze Koalition ist längst brüchiger, als sie nach außen hin erscheint.
Das Land war zudem auch bereit, den Murgschiffern einen überhöhten Preis zu bezahlen für die Wälder, die man für den Lückenschluss unbedingt braucht. Und vorerst wird es in den Erweiterungsflächen gar keine neuen Kernzonen geben. Zumindest in den nächsten zwei, drei Jahren ändert sich für den Naturschutz also nichts. Das alles klingt nach einem ziemlich faulen Kompromiss.
Aber die CDU hat es durchgesetzt, dass die Vertreter der betroffenen Region im Nationalparkrat künftig nicht mehr überstimmt werden können und dass Sitzungen häufiger öffentlich stattfinden. Das wird das Gefühl, ohnmächtig zu sein, verringern. Auch das Land und die Nationalparkverwaltung haben mittlerweile ein viel offeneres Ohr für die Anliegen der Anwohner, auch wenn deren Ängste nicht verschwunden sind. Das Kardinalproblem war im Großen bei der Gründung des Nationalparks und jetzt im Kleinen bei der Erweiterung: Der Schwarzwald sind nicht die Rocky Mountains, wo man Nationalparks in menschenleere Gegenden pflanzen kann. Da wurde jetzt in der Kommunikation einiges besser gemacht. Also doch ein fairer Kompromiss?
Nationalpark macht nur 0,32 Prozent der Landesfläche aus
Letztlich ist der erweiterte Nationalpark ein ungedeckter Scheck auf die Zukunft – die jetzigen Menschen vor Ort beeinträchtigt er in ihrem Freiraum, vorerst bringt der neue Teil für den Naturschutz nicht viel.
Aber in einer oder zwei Generationen könnte er ein Refugium werden. Klar ist jedenfalls, dass auch in Baden-Württemberg angesichts des Artensterbens viel mehr in den Naturschutz investiert werden muss. Die UN und die EU haben das Ziel ausgerufen, 30 Prozent der Landfläche unter Schutz zu stellen. Im Moment machen die Naturschutzgebiete im Südwesten 2,5 Prozent aus, der neue größere Nationalpark gerade 0,32 Prozent.
Jeder größere geschützte Fläche ist also zu begrüßen. Und so ist es gut, dafür jetzt die Weichen gestellt zu haben. Aber es muss noch viel dafür getan werden, dass die Menschen in Schönmünzach oder Hundsbach das Schutzgebiet auch als ihren Nationalpark annehmen können. Fair oder faul – das muss sich erst noch erweisen.