Grenzkontrollen: Dänemark betreibt Symbolpolitik an der Grenze, sagt Willi Reiners.

Von Willi Reiners

Am ersten Tag des neuen dänischen Grenzregimes waren mehr Journalisten als zusätzliche Zoll- und Polizeibeamte an den großen Transitwegen ins nördliche Nachbarland unterwegs. Zu nennenswerten Verkehrsstörungen kam es nicht. Resteuropa, allen voran Deutschland, ist deshalb gut beraten, den Ball flach zu halten. Dänemarks konservative Regierung betreibt Symbolpolitik, weil sie abhängig ist von der rechtspopulistischen Volkspartei und um Wählerstimmen buhlen muss. Spätestens im November gibt es ein neues Parlament in Kopenhagen, dann sieht die Welt vielleicht schon ganz anders aus.

Und wenn nicht? Die größte Gefahr, die vom dänischen Rückfall ins Zeitalter vor Schengen ausgeht, ist die eines Schwelbrands. Antieuropäische Ressentiments haben Hochkonjunktur. Das liegt vor allem an der Euro-Krise, die die Union spaltet. Viele Menschen in den vergleichsweise stabilen Ländern des Nordens haben keine Lust mehr, für Griechenland und andere notleidenden Südländer zu zahlen. Aber ihre Regierungen scheren sich darum nicht.

Und dann ist da natürlich noch Italien, das Flüchtlinge aus Nordafrika mit Visa ausstattet, zur Weiterreise in den Norden. Es liegt auf der Hand, dass so etwas Ängste auslöst, und zwar längst nicht nur in Dänemark. Die Politik wäre gut beraten, diese Ängste ernst zu nehmen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: