Jürgen Noailles (links) und Michael Hoyer unterhalten sich über mögliche Formen der Unternehmenskommunikation. Foto: Pohl

Beim Kommunikationskongress komm.day am 15. Oktober in der Neuen Tonhalle in Villingen steht das verbale Miteinander im Mittelpunkt von Vorträgen.

Villingen-Schwenningen -  Im Interview mit dem Schwarzwälder ­Boten zeigen Veranstalter ­Michael Hoyer und Jürgen Noailles, Geschäftsführer der Schweninger Firma Stein Automation, die Chancen der Veranstaltung auf.

Herr Hoyer, was bietet der komm.day den Teilnehmern?

Der komm.day bietet einen ganzen Koffer voll an Werkzeugen zum Thema Kommunikation. Will heißen: Wie geht man mit Konflikten um? Wie kann man gezielt kommunizieren? Wie kann man seine Ziele durchsetzen? Denn, wann immer wir kommunizieren, wollen wir ja etwas – nämlich unsere eigenen Ansichten und Ziele erreichen. Und dazu habe ich einige sehr renommierte Redner zu dieser Veranstaltung eingeladen, die uns an diesem Tag mit unterschiedlichen Impulsen Informationen geben.

Und für wen eignet sich dieser Kommunikationskongress?

Eigentlich für jedermann, der kommuniziert. Er richtet und fokussiert sich allerdings tatsächlich eher auf den geschäftlichen Bereich, das heißt, es werden zu 99 Prozent Firmenkunden erwartet, die professionell kommunizieren. Das sind Verkäufer, Mitarbeiter aus Personalabteilungen, Abteilungsleiter und andere Entscheider, bei denen es auf das gesprochene Wort ankommt.

Herr Noailles, aus Ihrem Unternehmen werden zwölf Mitarbeiter teilnehmen. Mit welchem Ziel schicken Sie die Kollegen dorthin?

Das klare Ziel ist es, das Thema Rhetorik und Kommunikation aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu sensibilisieren. Von uns sind Abteilungsleiter, Vertriebs- und Personalmitarbeiter aber auch eine junge Dame, die gerade eine Ausbildung bei uns zur Industriekauffrau macht, mit dabei. Letztere auch mit dem Ziel, dass sie sich schon mal bewusst macht, wie wirke ich denn, wie kommuniziere ich denn. Ziel ist es, dass sich jeder im täglichen Gespräch bewusst macht, wie möchte ich wirken, welche Botschaft möchte ich vermitteln. Und natürlich auch das Thema Sender und Empfänger – also wie muss ich etwas vermitteln, damit mein Gegenüber es wahrnimmt.

Das heißt, sie entsenden einen Mitarbeitermix aus Führungskräften und sogar einer Auszubildenden. Was versprechen Sie sich als Geschäftsführer von den Erkenntnissen für Ihr Unternehmen?

Das tatsächliche Anwenden. Wir haben internationale Kunden, aber selbst innerhalb der Bundesrepublik sprechen unsere Kunden unterschiedliche Sprachen und haben unterschiedliche Vorstellungen. Und hier ist Kommunikation ein zentrales Mittel. Gerade in Zeiten von Corona, wo man vielleicht auch nur noch virtuell unterwegs ist oder nur noch per Telefon, ist das gesprochene Wort in der unterschiedlichen Tonlage, in der professionellen oder in der einfachen Vorgehensweise in Bezug auf den Erfolg von Bedeutung. Dafür erhoffe ich mir viele Anregungen und Ideen auf dem Kongress.

Herr Hoyer, Sie haben im Vorfeld behauptet, in der Pandemie hat die Kommunikation gelitten. Inwiefern denn?

Das ist sicherlich eine gewagte These, die ich geäußert habe, aber da stehe ich auch nachhaltig zu. Es ist einfach ein riesen Unterschied, ob man von Angesicht zu Angesicht kommuniziert und man sich dabei auch beweisen, sprich belegen muss – man hat die Wirkung sofort. Oder ob man anonym im kleinen Zimmerchen vor einem kleinen Bildschirm sitzt und über die digitalen und virtuellen Medien kommuniziert. Und das hinterlässt deutliche Spuren. Themen wie Lampenfieber und Nervosität sind in einer echten Kommunikation viel fordernder. Das haben viele Menschen sicherlich ein Stück weit verlernt. Und ein anderer Punkt ist, dass auch die Quantität weniger geworden ist dadurch. Stellt man sich nun Kommunikation wie einen Muskel vor, wird deutlich: Je weniger er trainiert wird, desto schlaffer wird er. Und das stelle ich in nicht wenigen Coachings fest.

Herr Noailles, wie schätzen Sie das in Ihrem eigenen Unternehmen ein? Welche Erfahrungen machen Sie nach den vergangenen eineinhalb Jahren?

Ich kann Herrn Hoyer in großen Teilen zustimmen. Man hat schon gelitten in der virtuellen Kommunikation, weil einfach das Persönliche nicht da war. Wenn man jetzt eine Präsentation vor 15 oder 20 Kunden hält, ist die auch anstrengend für einen Vertriebsmitarbeiter. Aber wenn Sie mal wieder persönlich vor Ort sind und hinstehen müssen, den Kunden in die Augen schauen müssen, haben Sie nicht mehr nur Kommunikation, sondern auch wieder Reaktion. Das ist natürlich viel anspruchsvoller, als wenn sie ihr Gelerntes so professionell wie möglich abspielen.

Herr Hoyer, warum ist die virtuelle Kommunikation denn so schwierig?

Ich glaube, das wird mit einem Satz ganz schnell klar: Menschen, die vor Kameras agieren, nennt man eigentlich Schauspieler. Und das ist ein veritabler Beruf, den kann man erlernen. Und während des Lockdowns wurden wir alle zu Schauspielern. Manche von uns haben das ganz gern gemacht, aber der größte Teil hat es völlig ungern gemacht. Und alles, was wir Menschen in der Kommunikation nicht gerne machen, machen wir in der Regel auch nicht gut.

Herr Noailles, Sie haben vor allem über die externe und kundenorientierte Kommunikation gesprochen. Welche Art der Kommunikation pflegen Sie denn intern?

Wir versuchen eine sehr offene Kultur zu leben. Das heißt, dass es in einzelnen Gesprächen auch ein Feedback gibt, um anzusprechen, was gut gelaufen ist und wo noch Luft nach oben ist. Wir möchten die Kollegen miteinander vorantreiben und es wird auch von uns aktiv gefordert. Das ist für den einzelnen Mitarbeiter vielleicht ab und zu nicht so schön, wenn er mit negativer Rückmeldung konfrontiert wird. Aber ich bin überzeugt, dass wenn man danach eine Nacht darüber schläft und am nächsten Morgen in den Spiegel schaut, dass die Einsicht kommt und somit ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess erfolgen kann. Genauso erwarte ich, dass bei mir auch der Azubi die Hand hebt, wenn er bei mir einen Fehler sieht.

Herr Hoyer, kann man Unternehmenskommunikation verallgemeinern und sagen so geht’s? Oder braucht es da ganz individuelle Ansätze und Lösungen?

Da gibt es ganz unterschiedliche Betrachtungsweisen. Die einen sagen so, und die anderen so. Auf der einen Seite gibt es sicherlich pauschale Aussagen, die besagen, dass die und die Strategie erfolgreich ist, eine andere wiederum nicht. Ich gehöre allerdings eher zu den Trainern, die sagen, es gibt genau einen Weg. Und der ist genau passend für den einen Mitarbeiter in dieser einen Firma. Denn jeder ist tatsächlich ein Stück weit unterschiedlich.n Fragen von Michael Pohl