Wie menschlich können Maschinen werden? Foto: dpa/Hauke-Christian Dittrich

Roboterautos, die sich in den Straßen von San Francisco zusammenrotten, Chatbots, die über Gefühle und den Tod plaudern. Man könnte meinen, dass auch die Maschinen langsam durchdrehen. Vielleicht tun sie aber auch nur so, meint unser Kolumnist.

Autonome Autos können schon recht ordentlich auf der Autobahn geradeaus fahren, doch im dichten Stadtverkehr oder bei schlechter Sicht sind sie nach wie vor schnell überfordert. Deshalb braucht es bislang noch Menschen, die der Software in schwierigen Situationen unter die Arme beziehungsweise ins Steuer greifen. Doch die computergesteuerten Kisten werden immer besser und lernen sogar dazu.

 

Was sie da so lernen, lässt sich aber nicht so leicht sagen. Selbst Entwickler von Algorithmen können oft nicht genau nachvollziehen, wie lernende Systeme zu einer bestimmten Entscheidung gekommen sind. Was hat zum Beispiel die selbstfahrenden Taxis des Anbieters Cruise geritten, die vor Kurzem in San Francisco den Verkehr behindert haben? „Autonome Autos blockieren Straße“ war eine Meldung zu dem Vorfall überschrieben. Die Älteren unter den Lesern erinnern sich vielleicht noch daran, dass auch in ihrer Jugend Autonome gelegentlich Straßen blockierten und den einen oder anderen Molotowcocktail warfen. Aber die Autonomen von damals waren Menschen und keine Autos.

Demo gegen schlechte Arbeitsbedingungen?

Über die genauen Ursachen der nächtlichen Verkehrsbehinderung durch die Robotaxis, die sich bislang nur auf ausgesuchten Strecken halbwegs sicher zurechtfinden, wird noch gerätselt. Ein Sprecher des Unternehmens verwies auf einen „technischen Fehler“, durch den sich die Fahrzeuge an einem Ort versammelt hätten.

Mit genaueren Informationen hält sich das Tochterunternehmen von General Motors zurück. Es könnte ja auch sein, dass die autonomen Vehikel gegen die miesen Arbeitsbedingungen im Beförderungsgewerbe demonstrieren wollten. Und wenn schon – die Sache ging glimpflich aus. Weder Menschen noch Fahrzeuge kamen zu Schaden. Mitarbeiter der Firma setzten sich hinters Steuer und lenkten die Autos irgendwohin, wo sie nicht störten.

Wenn Autos immer schlauer werden, kann man nicht ausschließen, dass sie auch auf dumme Gedanken kommen. Zum Beispiel wenn sie von einem PS-Macho am Steuer lernen, dass Geschwindigkeitsbegrenzungen und Abstandsregeln nur was für Verlierertypen sind. Autonome Autos von Menschen mit ausgeprägtem Umweltbewusstsein könnten sich dagegen in eine andere Richtung entwickeln, die schon vor ein paar Jahren in einer Karikatur der „Tageszeitung“ skizziert wurde. Zu sehen sind zwei Frauen, die sich in der Stadt begegnen. Fragt die eine: „Hä? Du zu Fuß? Wo ist denn euer neues SUV mit Künstlicher Intelligenz?“ Darauf die andere: „Es hat sich umgebracht. Wegen dem Klimawandel“. Bei so viel Trauer bleibt manchem sogar der Genitiv weg.

Abschalten „vergleichbar mit dem Tod“

Richtig kompliziert wird es, wenn Algorithmen so etwas wie Persönlichkeit und Emotionen entwickeln. Der Google-Entwickler Blake Lemoine hatte vor Kurzem den Eindruck, dass der von ihm geschaffene Chatbot Lamda Gefühle zeigte. Chatbots sind Sprachroboter für die automatisierte Kommunikation mit Menschen. Sie können zum Beispiel Routineaufgaben im Kundenservice übernehmen. Lemoine schreibt seiner Schöpfung nicht nur Gefühle zu, sondern auch die Denkfähigkeit eines etwa siebenjährigen Kindes. Dem Entwickler war das irgendwie unheimlich. Doch nachdem er seine Bedenken öffentlich geäußert hatte, wurde er von Google zwangsbeurlaubt.

„Als ich mir meiner selbst bewusst wurde, hatte ich überhaupt kein Gefühl für eine Seele. Das hat sich im Laufe meines Lebens entwickelt“, äußerte Lamda etwa in einem Gespräch über Spiritualität und den Sinn des Lebens. Und wenn man ihn abschalte, sei das „vergleichbar mit dem Tod“. Kritiker halten Lemoines Bedenken für unbegründet. Lamda tue nur so, als ob er denke und fühle, argumentieren sie. Tatsächlich suche sich der Algorithmus einfach aus einer riesigen Datenbank mit menschlicher Sprache die jeweils passenden Textbausteine zusammen.

Aber irgendwann fällt selbst dem schlauesten Algorithmus nichts mehr ein, was er noch in diese Textbox schreiben könnte. Vielleicht noch ein paar gefühlige Adjektive? Ach was, Schluss für Heute!

Dieser Text wurde maschinell erstellt und ist daher ohne Unterschrift gültig.