Die Eröffnungsfeier war der erste große Höhepunkt der Olympischen Spiele von Paris. Und ein erster Härtetest – vor allem für Reporter ohne Regenschutz und Busfahrer ohne Durchblick.
Im Prinzip ist das ja keine große Neuigkeit. An dieser Stelle sei es trotzdem noch einmal gesagt: Es ist nicht immer alles eitel Sonnenschein. Seit Freitagabend wissen das auch die Organisatoren der Olympischen Spiele von Paris.
Die hatten sich ja eine ganz besondere Eröffnungsfeier ausgedacht. Auf der Seine die Athletinnen und Athleten in 85 Booten. Entlang der Seine und auf den vielen Brücken: über 300.000 Zuschauer – und jede Menge Darbietungen. Und auf dem Trocadero vor dem Eiffelturm dann das Grande Finale. Das war eine spektakuläre Idee, die grandios umgesetzt wurde. Nur: Das Wetter spielte nicht mit. Es schüttete stundenlang wie aus Kübeln. Was dann auch für uns eine Herausforderung darstellte.
Zugegeben: So ganz schuldlos am eigenen Absaufen waren wir ja nicht. Als am Nachmittag andere Journalisten im Supermarkt im Untergeschoss des großen Pressezentrums den Vorrat an Regenschirmen leergekauft hatten, haben wir noch müde gelächelt. Das Lachen ist uns dann aber schnell vergangen.
Eine Zeit lang haben wir während der Eröffnungsfeier versucht, unter einer fest montierten Plastikplane nicht nur unsere elektrischen Geräte vor der Nässe zu schützen, sondern auch uns selbst – mit teils eigenartigen Konstruktionen. Dann fiel uns ein, dass in einem versteckten Fach unser Rucksack einen Regenschutz bereithält – leider sind wir aber viel größer als unser Rucksack. Wir waren also kurz davor, uns schon frühzeitig den Naturgewalten zu beugen, als Ernest zu Hilfe kam.
Der Helfer aus dem Sunshine-State
Ernest ist zwar leider kein Hochdruckgebiet mit viel Sonnenschein. Aber der Mann im Rentenalter ist extra aus Florida nach Paris gekommen, um als freiwilliger Helfer zu arbeiten. Also tat er seinen Dienst und half – mit einem Regenschirm.
So saßen wir also da, Ernest aus dem Sunshine-State, sein Schirm und wir. Im Regen von Paris. Der irgendwann aber doch die Überhand behielt. Wir haben aufgegeben, um Gesundheit und Funktionalität der Technik nicht schon am Auftaktabend der Spiele zu ruinieren.
Im ersten Moment haben wir uns also ganz schön geärgert, als wir das spektakuläre Ende der Eröffnungsfeier dann vollends am Bildschirm ziemlich durchnässt im gut gekühlten Medienraum verfolgen mussten. Da wussten wir ja aber auch noch nicht, dass der Abend ein weiteres Malheur bereithalten sollte.
So gegen Mitternacht saßen wir im Bus, der die Journalisten zurück ins Haupt-Pressezentrum bringen solle. Klar, alle Insassen waren nass, die Luft von Feuchtigkeit getränkt – und die Scheiben schnell derart beschlagen, dass der Fahrer diese Verkehrsinsel mit der Ampel drauf leider einfach nicht sehen konnte. Es tat einen ordentlichen Schlag – danach war klar: Rien ne va plus! Nichts geht mehr!
Wir sind dann durch den erneut strömenden Regen zur nächsten Metrostation gelaufen, waren am Ende also doch wieder nass. Wir dachten dann an Celine Dion. Jedoch nicht an ihren spektakulären Auftritt bei der Eröffnungsfeier auf dem Eiffelturm, sondern an den Soundtrack des Films „Titanic“.
Aber: Wirklich untergegangen sind wir dann ja doch nicht. Am Morgen danach sind wir voller Tatendrang aufgebrochen – konsequenterweise: zum Wasserspringen.