Die Kolpingsfamilie Hardt besteht seit 75 Jahren, was am Samstag, 11. April, mit geladenen Gästen gefeiert wird.
Nach den Anfangsjahren brachte das Jahr 1970 einschneidende Veränderungen. Eberhard Hammer übernahm den Vorsitz von Norbert Weißer, zudem gab es eine Neuordnung der Vereinsstruktur. Für den damaligen Kindergarten-Neubau steuerte die Kolpingsfamilie mit einer Spendenaktion 14 000 Mark bei.
Die Erwachsenenbildung hatte auch damals schon einen hohen Stellenwert, so richtete die Kolpingsfamilie einen Schreibmaschinenkurs und gar eine Rednerschulung aus.
Aber auch Verhaltensempfehlungen wurden ausgesprochen, die es heute so wohl eher nicht mehr geben würde. So gab es einen Aufruf an die Mitglieder, im Gottesdienst als ganzen Familie mit Kindern in eine Bank zu gehen, um die Unruhe durch Kinder zu unterbinden.
Primiz von Pater Severin
Der damalige Bürgermeister Arthur Bantle referierte 1971 zur Problematik von kleinen Gemeinden vor der anstehenden Gemeindereform. Der Hardter „Abwehrkampf“ gegen die Eingemeindung nach Schramberg sollte wenige Jahre danach erfolgreich geführt werden.
Bei der Primizfeier von Pater Severin Flaig unterstützte die Kolpingsfamilie die Festlichkeiten.
Eine echte Heimat erhielt der Verein 1972, als der Kolpingsfamilie die Nutzung des Gemeindesaals und des Kolpingraumes im Gemeindezentrum neben der Kirche eingeräumt wurden. Im Gegenzug schulterte die Kolpingsfamilie die Planung und den Innenausbau des Gemeindesaals in Eigenregie. Der damalige zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Walter Schilling, dankte: „Die Kolpingsfamilie hat außerordentliche Arbeit geleistet: Einbau der Holzdecken, Wandholzverkleidung, Bodenbelag, Kücheneinrichtung oder Einbau der Bühne“. Zudem wurden 20 000 Mark für den Kauf der Materialien beigesteuert.
Allerdings kostete dieses Vorhaben viel Energie, so dass das übrige Vereinsleben in dieser Zeit darunter litt. Helmut Haberstroh übernahm 1976 das Amt des Vorsitzenden. Im 25. Jahr des Bestehens führte eine erlebnisreiche Fahrt nach Köln und Oberwesel.
Sportlich sehr aktiv
Beim Jubiläum blickte man auf die noch junge Geschichte und aktuelle Tätigkeiten des Vereins. Enorm war die Bandbreite an sportlichen Betätigungen: Fußball, Tischtennis, Kegeln, Luftgewehrschießen, Schwimmen und Wandern.
Aufhorchen lässt auch die Meldung aus dem Jahr 1977: Erstmals waren Frauen zur Generalversammlung zugelassen. Eine Frauengruppe wurde umgehend unter der Leitung von Luzia Klaußner und Margret Weißer gegründet.
Der Gemeindesaal wurde in diesem Jahr in Adolph-Kolping-Saal umbenannt, den er bis heute trägt. Das großflächige Bildnis des Gesellenvaters gestaltete Siegfried Hafner.
Pfarrer Albert Maurer wurde zum Ehrenpräses ernannt. Sein Nachfolger wurde Peter Weckenmann.
Unterschiedliche Ansichten
Das Verhältnis zwischen Jung und Alt war nicht immer einfach: So gab es durchaus unterschiedliche Ansichten bei Themen wie Kernkraft, ökologische Landwirtschaft, Naturschutz oder Kriegsdienstverweigerung. Das gipfelte gar im Austritt einiger Jungkolping-Mitglieder.
Spitze hingegen war der Gesellenball im Kolpingsaal, bei dem der Ansturm Jahr für Jahr enorm war.
Ebenfalls bemerkenswert: Bei der Gemeinderatswahl holten acht Kolpingsmitglieder einen Sitz und bildeten somit die Mehrheit im Gemeinderat ab 1980.