Quicklebendig ist die Kolpingsfamilie Hardt – und nun stehen am Samstag, 11. April, die Feierlichkeiten zum 75-jährigen Bestehen an.
Grund genug, in einer kleinen Serie ein Blick hinter die Kulissen und in die Geschichte des Vereins zu werfen. Während anderswo Kolpingsfamilien mit Überalterung zu kämpfen haben, sieht es in Hardt ganz anders aus. Es gibt Angebote für alle Altersklassen – von den Kolping-Kids bis zu den etwas gesetzteren Evergreens. Ja, sogar gleich zwei Chöre tummeln sich unter dem Dach der Kolpingsfamilie: der Kolpingchor sowie die Fis(c)herman’s Friends.
Jünglingsverein als Vorläufer
Das alles spricht dafür, dass die Gründerväter alles richtig gemacht hatten. Vorläufer der Kolpingsfamilie waren der 1898 gegründete katholische Jünglingsverein und ab 1931 der Jungmännerverein. Doch am 10. Februar 1939 wurde der Verein unter der Naziherrschaft aufgelöst und das Vereinsvermögen von 4,96 Mark eingezogen.
Nach dem zweiten Weltkrieg war der damalige Pfarrer Anton Raiber eine treibende Kraft für die Gründung einer Kolpingsfamilie. Die Mitglieder sollten zu guten Christen, tüchtigen Handwerkern, Arbeiter und Bauern, vorbildlichen Familienvätern und positiven Staatsbürgern erzogen werden, heißt es in der Chronik der Kolpingsfamilie.
Am 11. Februar 1951 war die Vereinsgründung im Schwesternhaus an der Mariazeller Straße folgerichtig. Anton Haberstroh wurde vom Pfarrer mit der Leitung beauftragt. Am 22. April folgten Gründungsfeier und Bannerweihe mit den Brudervereinen aus Schramberg, Lauterbach, Tennenbronn, Sulgen, Aichhalden, St. Georgen und Deißlingen.
Um Weihnachten folgte die Premiere einer Theateraufführung, welche für viele Jahre zu einem festen Bestandteil im Jahreskalender der Kolpingsfamilie werden sollte. Die Mitglieder brachten sich auch bei der Sanierung des Kirchendachs und der Kirche selbst ein.
Es gab auch Heimabende „zur persönlichen Reifung und Weiterbildung“ und sogar einen Führerscheinkurs (1955). Im früheren Gasthaus Rose brachte Fahrlehrer Waltersbacher aus Schramberg 14 Kolpingsbrüdern die Theorie des Fahrens bei. Auf Motorrädern wurde die Praxis geübt. Alle Teilnehmer bestanden den Kurs.
Graben in Handarbeit
1956 wurde für den Neubau des Kindergartens und für Vereinsräume gegraben – selbstverständlich in schweißtreibender Handarbeit.
Am 1. August 1960 wurde die Jungkolping gegründet. 1964 gestaltete die Kolpingsfamilie erstmals einen eigenen Blumenteppich vor der Schule. Siegfried Hafner sorgte hier für mehr als 40 Jahre für die Entwürfe.
Heute in Zeiten von KI undenkbar: Eberhard Hammer bot 1967 einen Rechenschieber-Lehrgang an. Mädchen wurden ab 1968 aufgenommen.