Zwei Ermittlerinnen halten im baden-württembergischen Landeskriminalamt in Stuttgart Päckchen mit Kokain, die zu dem 130 Kilogramm umfassenden Rauschgiftfund gehören. Foto: dpa

Sie sollen einen der größten Drogendeals seit Jahrzehnten eingefädelt haben. Doch dann hat die Bande ausgerechnet einen LKA-Beamten als Komplizen angeheuert. Die Staatsanwaltschaft will die Angeklagten nun für lange Zeit im Gefängnis sehen.

Sie sollen einen der größten Drogendeals seit Jahrzehnten eingefädelt haben. Doch dann hat die Bande ausgerechnet einen LKA-Beamten als Komplizen angeheuert. Die Staatsanwaltschaft will die Angeklagten nun für lange Zeit im Gefängnis sehen.

Tübingen - Im Prozess um eine der größten Drogenlieferungen seit Jahrzehnten nach Baden-Württemberg fordert die Anklage lange Haftstrafen. Nach dem Willen der Staatsanwaltschaft sollen die vier mutmaßlichen Schmuggler für achteinhalb bis zwölf Jahre ins Gefängnis. „Wir haben es hier mit einer international agierenden Tätergruppe zu tun, die Riesengewinne machen wollte“, sagte Oberstaatsanwalt Bernhard Henn am Samstag vor dem Landgericht Tübingen.

Die Verteidiger plädierten in zwei Fällen auf Freispruch, für einen der Angeklagten hielten sie vier Jahre Haft für angemessen. Die Anwältin der damaligen Lebensgefährtin des Kopfs der Bande, der schon verurteilt ist, nannte kein Strafmaß. Sie mahnte jedoch: „Vermutungen können nicht als Grundlage für eine Verurteilung dienen.“

Das Mammut-Verfahren gegen die 39 bis 78 Jahre alten Angeklagten zieht sich bereits seit 15 Monaten in die Länge. Die Urteile sollen am kommenden Donnerstag verkündet werden.

Die international organisierte Bande soll im Dezember 2011 rund 130 Kilogramm Kokain in einem Schiffscontainer aus Ecuador über Belgien auf die Schwäbische Alb geschmuggelt haben. In einer Lagerhalle in Engstingen (Landkreis Reutlingen) gingen sie verdeckten Ermittlern des Landeskriminalamts Baden-Württemberg in die Falle. Acht Festnahmen folgten, die Ermittler sprachen damals vom größten Rauschgiftfund seit Jahrzehnten im Südwesten.

Die Staatsanwaltschaft geht aber davon aus, dass diese Lieferung nur ein Probegeschäft war, um neue Handelsrouten aus Südamerika nach Europa zu etablieren. Im Gespräch sei eine Folgelieferung über eine Tonne Kokain gewesen, sagte Henn.

Mit den Plädoyers nähert sich einer der längsten Prozesse, die es am Landgericht Tübingen je gegeben hat, seinem Ende. Nach rund 60 Verhandlungstagen umfasst die Akte inzwischen mehr als 5000 Seiten. Aus Sorge, dass die Angeklagten wegen der extrem langen Verfahrensdauer aus der Untersuchungshaft entlassen werden könnten, verhandelte die Kammer zuletzt sogar am Wochenende.

Vier geständige Angeklagte waren bereits im Oktober 2012 zu teils langjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Darunter auch der mutmaßliche Kopf der Bande, ein 44-jähriger Kolumbianer. Er verbüßt derzeit eine Gefängnisstrafe von elf Jahren und neun Monaten.