Menschenkette der besonderen Art: In einer Müllverbrennungsanlage in der Region Stuttgart vernichten Ermittler tonnenweise Kokain. Foto: LKA/Baden-Württemberg

35,5 Tonnen Kokain im Gesamtwert von gut 2,6 Milliarden Euro haben Fahnder aus dem Verkehr gezogen. Ein großer Teil davon ist in der Region Stuttgart vernichtet worden – unter schwierigen Bedingungen.

Im Morgengrauen des 12. Juli 2023 tut sich auf dem Gelände des Landeskriminalamts Baden-Württemberg in Stuttgart-Bad Cannstatt Außergewöhnliches. Unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen werden Paletten in blau-weiße Lastwagen der Polizei verladen. Inhalt: tonnenweise Kokain im Milliardenwert aus dem bislang größten Kokain-Verfahren der deutschen Polizeigeschichte.

 

Der Konvoi mit der brisanten Fracht formiert sich: Vorweg ein Panzer-, dann ein Mannschaftswagen, drei mit Drogen befüllte Lastwagen, wieder ein Mannschaftswagen, ein weiterer Lastwagen, Transporter mit Beamten der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten (BFE) und Bereitschaftspolizisten. Über dem Konvoi kreist ein Hubschrauber. Fahrt über die Autobahn bis zu einer Müllverbrennungsanlage in der Region. Den genauen Ort will die Polizei aus Sicherheitsgründen nicht verraten.

Auf diese Verbrennungsanlage ist die Wahl aus einem besonderen Grund gefallen: Sie hat – anders als eine Anlage in Stuttgart-Münster – keine Sicherungsklappe vor dem Ofen. Über die hatten vor Jahren Mitarbeiter einmal bei einer Drogenverbrennung Haschischpakete abgezweigt. Das soll jetzt verhindert werden.

500 Kilo Kokain auf zwei Tonnen Restmüll

Zunächst lautet der Plan, eine Tonne Restmüll mit einer Tonne Kokain zusammen in den Ofen zu werfen. Aber: So verbrennen die Drogen offenbar nur unzureichend. Erst die Mischung von zwei Tonnen Restmüll auf 500 Kilo Kokain führt zur vollständigen Vernichtung. Ungezählte Bereitschaftspolizisten in weißen Maleranzügen, mit Masken vor dem Mund und Taucherbrillen vor den Augen transportieren in einer Menschschlange von Arm zu Arm die Pakete mit dem weißen Pulver von den Lastwagen zu den stählernen Schächten und werfen sie in die Flammen. Abgesichert von der maskierten Elite der Polizisten am Tor der Anlage, auf Gängen und Fluren der Müllverbrennung. Stundenlang lodert das mit Kokain genährte Feuer.

In der Region Stuttgart wird an diesem Tag ein erheblicher Teil dessen vernichtet, was insgesamt einen Fund von 35,5 Tonnen Kokain umfasst. 2,6 Milliarden Euro wert. Einer der größten Funde in Europa. Und ein empfindlicher Schlag gegen die Drogenkartelle, die Deutschland und den ganzen Kontinent mit Koks zu überschwemmen versuchen.