Es war eines der größten Renaturierungsprojekte der jüngsten Vergangenheit: Die Arbeiten an der Kötach vom Niederwiesensee, Unterbaldingen, bis zur Grenze nach Geisingen. Die Arbeiten wurden 2021 abgeschlossen. Wie hat es sich entwickelt?
Die Kötach ist der zweite linke Zufluss zur Donau und bringt fast das komplette Wasser der Ostbaar in Europas zweitlängsten Fluss. Der Bach hat somit durchaus Bedeutung und man ist seitens der Umweltbehörden daran interessiert, die Wasserqualität und den Verlauf zu verbessern.
Die Planungen zur Renaturierung begannen im Jahr 2016, fünf Jahre später, im Herbst 2021, wurde mit der Maßnahme begonnen.
Etwa auf einem Kilometer wurde der Bachlauf verschwenkt und somit eine Laufverlängerung erreicht – was gleichzeitig ein gewisser Hochwasserschutz darstellt, ein Totarm eingefügt und Böschungen modelliert und Bäume neu gepflanzt.
Natürliche Entwicklung entlang der Kötach
Bei den Böschungen spricht man beispielsweise vom Prallhang und vom Gleithang, der in einer Verschwenkung sehr deutlich zu unterscheiden ist. Vom Prallhang, der ein Steilhang darstellt, dürften auch mal Stücke wegbrechen, das führt beispielsweise zur Schaffung von neuen Lebensräumen für Insekten, informiert Stefany Lambotte vom Umweltbüro, bei einem Termin an der Kötach. Der Gleithang wird mit Büschen bepflanzt und auf diesem sollen sich Gräser ansiedeln.
In diesen Bereichen gibt es deutlich zu sehende unterschiedliche Fließgeschwindigkeiten des Bachs. Die ruhigen Ecken werden gerne von jungen Fischen als Schutz verwendet, dort finden sie auch Nahrung wie beispielsweise Fliegenlarven.
Ein Punkt der gesetzlich mittlerweile verankert ist und auch in den kommenden Jahren immer wichtiger wird, ist die Verschattung eines Gewässers mit Bäumen. Stefany Lambotte erklärt: Es wurden ganz verschieden Baumarten gepflanzt. Waren es im unteren Böschungsbereich beispielsweise Weiden und Erlen, so sind es oben auf der Wiese, Berg- und Spitzahorn, Kirsche, Schneeball, Faulbaum oder auch Hartriegel. Ihr Wurzelwerk dient auch dazu, die Böschung zu halten. Sie hofft, dass sich mit der Zeit noch mehr Gehölze durch natürlich Vermehrung im Uferbereich des Bachs ansiedeln. Wachsen die Weiden ziemlich schnell, dauert es bei den Bäumen etwas länger, aber bis in zehn Jahren, so schätzt die Fachfrau, habe man eine gute Beschattung.
Renaturierung ein voller Erfolg
„Man sieht dem Gewässer an, dass es ihm gut geht“, freut sie sich und fügt an, dass die Maßnahme „ein voller Erfolg“ war. So etwa alle ein bis zwei Jahre sollte man nach der Entwicklung bei einer solchen Maßnahme schauen, führt sie aus. Manchmal gibt es auch Ausfälle bei den Bäumen, aus den unterschiedlichsten Gründen, dann müsse eventuell nachgepflanzt werden. Was die Bestandsbäume wie auch die neu gepflanzten alle haben: Drahthosen, um den Biber davon abzuhalten, den Baum zu fällen. Aber: Der Biber dürfe hier arbeiten und er ist auch aktiv, weiß sie aus den vergangenen Jahren.
Um die Fließgeschwindigkeit zu beeinflussen hat man Pflöcke, so genannte Buhnen eingerammt, gerne werden auch Wurzelstöcke für solche Maßnahmen genommen, hier entstehen die ruhigeren Gewässeranteile, in denen sich die Jungfische vor Fressfeinden verstecken können, sie aber auch selbst Nahrung finden.
Im Rückblick erklärt sie, dass es im Vorfeld der Maßnahme eine sehr gute Zusammenarbeit mit den Ämtern wie der Unteren Wasserbehörde beim Landratsamt oder auch der Stadt Bad Dürrheim gab. Denn es musste sehr viel im Vorfeld damals geklärt werden, die Spanne geht von möglichen Kampfmitteln, die zu finden sein könnten bis hin zur Gewässerstrukturkarte, die nach Abschluss der Arbeiten erstellt wurde.