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„Körperwelten“ in Stuttgart Plastinate, die wie Puppen aussehen

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Der Reiter mit Pferd durfte 2003 in Stuttgart nicht gezeigt werden. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Wird seine Leiche irgendwann mit abgezogener Haut auf einem Fahrrad sitzen? Oder dürfen die Ausstellungsbesucher der Zukunft sehen, wie sein plastinierter und mit roter Farbe bemalter Körper zum Spitzentänzer geformt ist? Henk de Lamper sagt, es sei ihm egal, in welcher Form ihn die Macher der „Körperwelten“ nach seinem Ableben präsentieren, wenn das Wasser seiner Zellen durch Silikon ersetzt ist. Der 67-jährige Stuttgarter ist einer von 16 500 Körperspendern, die in der Kartei des 1993 von Gunther von Hagens gegründeten Instituts für Plastination stehen. Das Wort Karteileiche hat hier eine besondere Bedeutung.

Die Kuratorin Angelina Whalley, die Frau des erkrankten Gründers von Hagens, hat Henk de Lamper zum Rundgang durch die Ausstellung „Der Zyklus des Lebens“ in die Aufwärmhalle der Schleyerhalle eingeladen. Der frühere Hausmeister will – wie seine Frau – ihrem Institut seinen Körper überlassen. Statt von Würmern zerfressen zu werden wolle er der Aufklärung dienen.

2003 waren die „Körperwelten“ rund um die Uhr geöffnet

„Wir halten nichts von der Friedhofskultur“, sagt er. Seine beiden Kinder wüssten, dass es für ihre Eltern kein Grab geben wird. Sie müssten mit der Ausstellung reisen, wenn sie den Eltern nahe sein wollten – vorausgesetzt, das Institut hat Verwendung für ihre Körper. „Nicht zu alt und nicht zu krank“ dürften die Spender sein, sagt die Ärztin Whalley. Und natürlich werden die Plastinate nur anonym ausgestellt.

Im Jahr 2003, als die „Körperwelten“ zum ersten Mal in Stuttgart gastierten, spielte die Stadt verrückt. Bis zu sieben Stunden mussten die lebenden Menschen in der Schlange stehen, um tote Menschen auf Podesten zu sehen. OB Wolfgang Schuster gab grünes Licht für den 24-Stunden-Betrieb der Ausstellung. In neun Tagen und neun Nächten kamen über 100 000 Besucher. So viele werden jetzt wieder erwartet – diesmal verteilt auf knapp sechs Monate.

Dass die „Körperwelten“ zuweilen mit einem „Friedhof“ verglichen werden, ärgert Professor Franz Josef Wetz, ein Berater der Schau. „Die Ausstellung ist ein Fest des Lebens“, erklärt er vor der Presse. Man demonstriere „das Leben am toten Körper“.

Ausstellung geht bis zum 20. Mai

Fast alle Plastinate, die bis zum 20. Mai in Nebenräumen der Schleyerhalle gezeigt werden, sind neu für Stuttgart. Mit einer Ausnahme: Das Pferd mit Reiter war 2003 dabei. Auf Erlass der Stadt musste es damals verhüllt werden. Diesmal gab es keine Verbote, was daran liegen könnte, dass das Paar beim Sex, das sonst zur Ausstellung „Zyklus des Lebens“ gehört, in Stuttgart fehlt. „Dieses plastinierte Paar befindet sich momentan im Ausland“, sagt Angelina Whalley.

Schwarze Wände, Lichtprojektionen, Erklärungen, Zitate von großen Denkern: Im Vergleich zu den „Körperwelten“ vor 13 Jahren hat sich die Ausstellung didaktisch deutlich verbessert. Die erste Schulklasse – es waren Fünftklässler – kam bereits am Dienstag. „Die Schüler fanden’s erst gruselig, haben ihre Scheu aber rasch verloren, weil die Plastinate wie Puppen aussehen“, berichtet die Lehrerin. „Ach, die Armen“, meint eine Schülerin, als sie Embryonen sieht. Dass die ausgestellt sind, findet die Lehrerin „problematisch“. Denn die konnten nicht gefragt werden, ob sie einverstanden sind.

Erwachsene zahlen 19 Euro Eintritt

Von Umfragen, sagt Angelina Whalley, wisse man, dass „neun Prozent nach dem Besuch mit dem Rauchen aufhören und 25 Prozent ihre sportliche Betätigung erhöhen“.

Bei der Frage, ob die Schau Sensationslust befriedigt oder gar Kunst zeigt, dürfte eine Antwort allen leicht fallen: Der menschliche Körper mit seinen feinsten Verästelungen ist wahre Kunst der Schöpfung!

Die Schau „Körperwelten“ ist in Nebenräumen der Schleyerhalle bis zum 20. Mai montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Regulärer Eintritt: 19 Euro.

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