Das Schild an der Schiffsbrücke in Nagold verkündet die nächste Baustelle. Foto: Heiko Hofmann

Die Infotafel am Nagolder E-Werk verspricht gigantische Bauprojekte. Diesmal: Ein Hafen für Hochseeschiffe, ein Containerterminal und OB Großmann bekommt sogar eine eigene Schleuse.

Kreuzfahrtschiffe auf der Nagold, ein Containerhafen am Stadion und mittendrin der neue Yachthafen! Wenn die Kleinstadtperle Nagold zur Hansestadt wird, dann steckt da natürlich ein Scherz dahinter. Doch der ist ziemlich gut gemacht. Mal wieder.

 

Die Uferwiese beim Nagolder E-Werk ist immer einen Besuch wert – und einen ganz genauen Blick. Schließlich werden auf der Infotafel direkt neben der Schiffsbrücke immer wieder neue Zukunftsgedanken für Nagold gesponnen. Sehr unterhaltsam ist das, und garantiert nicht ernst gemeint!

Baubeginn ist im September 2026

2023 informierten Text und Schaubild auf der Tafel dreist, dass der „vegane Strom“ aus dem Wasserkraftwerk an der Nagold in Pfandflaschen abgefüllt wird, ehe man dann sein E-Auto damit befüllen kann. Und 2025 wurde der Bau eines archäologischen Parks angekündigt – bevölkert mit „freijagenden geklonten Steinzeitmenschen“.

Diesmal aber geht es in die Vollen. Wie auch in den Vorjahren höchstprofessionell gestaltet, wird auf der Tafel über den Bau eines Nagolder Personenschifffahrts- und Containerhafens informiert. Baubeginn ist im September 2026. Und wer den Plan richtig deutet, erkennt sofort: Möglich ist solch ein ehrgeiziges Vorhaben nur durch ein deutlich breiteres Flussbett. Denn schließlich sollen ja auch „Kreuzfahrtschiffe der Hyperion-Klasse“ Nagold ansteuern können.

Ein Kreuzfahrtschiff auf der Nagold, da möchte man doch am liebsten ausrufen: „Nimm mich mit, Kapitän auf die Reise.“ Foto: Heiko Hofmann

Ein solches Projekt stemmt eine kleine Stadt wie Nagold natürlich nicht alleine. Die Bundesrepublik Deutschland, das Land Baden-Württemberg und die Stadt Nagold werden auf dem Schild als Bauherren genannt. Und gebaut wird selbstverständlich nach der „Wasserrahmenrichtlinie der EU“.

Kreuzfahrtschiffe auf der Nagold? Wer nun messerscharf erkannt hat, dass dies doch technisch kaum möglich sein dürfte, den überzeugen vielleicht weitere spannende Details: Von einer Verbreiterung und Vertiefung der Fahrrinne und zahlreichen Stauwehren und Schleusen ist da die Rede.

Die Legende zum abgebildeten Kartenausschnitt des künftigen Hafenviertels ist aufschlussreich: das Reinhold-Fleckenstein-Stadion ist da als Containerterminal markiert, und direkt daneben befindet sich die „Bürgermeister-Großmann-Schleuse“.

Dafür müssten nach dem Plan schon ein paar Häuser weichen

Etwas unterhalb am Neuwiesenweg ist die Anlegestelle für Kreuzfahrtschiffe mitsamt dem großen Busparkplatz. Dafür müssten nach dem Plan zwar schon ein paar Häuser weichen. Sei’s drum – das große Ganze zählt.

Und das wird vollendet mit dem Yachthafen und dem Gelände des Yachtclubs Nagold – noch stehen dort die Musikschule, das E-Werk und die große Wiese.

Wobei das Clubgelände schon auch gefährlich in den Schlossberg hineinragt. „Obacht!“, mag man da den Planern zurufen. Bei ihrem Schlossberg verstehen die Nagolder keinen Spaß! Aber sei’s drum – es wird ja keine Treppe zur Burg hochgebaut.

Informationsbroschüren sind auch schon gedruckt

Besonders nett ist, dass es auch schon Informationsbroschüren geben soll. Die kann man sich laut dem Infoschild im Rathaus abholen. Das Titelbild der Hochglanzbroschüre ziert ein breit lächelnder Kapitän vor einem Kreuzfahrtschiff, das sich gerade den Wasserweg am Kleb entlang bahnt. Ach, wie idyllisch!

Ein Ausschnitt der Karte mit Legende. Foto: Heiko Hofmann

Wie das so üblich ist bei Jahrhundertprojekten, darf die Aufzählung der Förderer auf dem Baustellenschild nicht fehlen: Unter anderem sind da die Logos der „Hansestadt Nagold“ und des Deutschen Motoryachtverbands zu entdecken. Zudem sitzt die „Stiftung Schifffahrtsstandort Deutschland“ mit im Boot und dann noch das „Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie“ sowie die WSV – also die „Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes“.

Man darf also gespannt sein – nicht unbedingt auf den Baubeginn im September, aber auf den nächsten Scherz. Denn hier scheint sich eine nette Tradition zu entwickeln. Prädikat: sehenswert!