Beim Kunsthandwerkermarkt präsentieren Vertreter des Kreativtreffs ein breites Angebot (von links): Sofia Schwenk, Liudmyla Fedorenko, Katarina Albrecht, Hope Klauke, Yuliia Grynchuk und Yuliia Pyrohova. Foto: Nicole Schwenk

Seit fast einem halben Jahr gibt es in Königsfeld den Kreativtreff für geflüchtete Familien aus der Ukraine. Und auch wenn dem Namen nach das Basteln im Fokus steht, so ist der Austausch mindestens genauso wichtig, sagt Initiatorin Nicole Schwenk.

Königsfeld - Egal ob malen, stricken oder basteln – wer kreativ tätig wird, kann den Alltag und seine Sorgen eine Zeit lang vergessen. Mit dieser Intention hat Nicole Schwenk aus Königsfeld den Kreativtreff für geflüchtete Familien ins Leben gerufen. Mittlerweile hat sich das Angebot etabliert. Und nicht nur das: Es sind Kontakte, ja sogar Freundschaften entstanden, die weit über das gemeinsame Basteln hinausgehen. "Wir sind mittlerweile eine Anlaufstelle nicht nur zum Kreativsein, sondern auch zum Austausch", berichtet Schwenk im Gespräch mit unserer Redaktion.

Seinen Anfang hat der Kreativtreff Anfang April genommen, erinnert sich Schwenk. Wie andere Privatpersonen auch hatte sie im März, als sie ersten Geflüchteten nach Königsfeld kamen, eine Familie aus der Ukraine bei sich aufgenommen. "Und da kam bei mir die Idee auf, dass ich auch irgendwas machen will, um zu helfen." Da sie selbst gerne kreativ tätig sei, lag es nahe, ein Angebot in diese Richtung zu organisieren.

Seit April gibt es das Angebot

"Wenn man etwas Kreatives tut, kann man in der Zeit mal ein bisschen abschalten", erklärt Schwenk ihren Gedankengang. Als dann Mitte April ein Willkommensfest für die Geflüchteten in Königsfeld stattfand, hatte der Kreativtreff sein erstes Projekt gefunden: Die Dekoration für das Fest stellten die Teilnehmer einfach selbst her. Seitdem finden die Treffen wöchentlich statt.

Beim Kunsthandwerkermarkt, der kürzlich in Königsfeld stattfand, zeigten Vertreter des Kreativtreffs dann, was über die vergangenen Monate so alles entstanden ist. Und das ist eine ganze Menge: Gestrickte Mützen und Stirnbänder, gehäkelte Spültücher und Taschen, außergewöhnliche Acrylmalereien, Deko-Elemente aus Holz und Ton und Makramee-Windlichter – das Angebot war bunt.

Unterstützung durch Kirche und Zinzendorfschulen

Gut 700 Euro an Spenden sind zusammengekommen. Von diesem Geld werden nun wieder Materialien gekauft, die beim Kreativtreff eingesetzt werden können. Zudem finanziert sich das Angebot durch die Unterstützung der Zinzendorfschulen und der Kirchengemeinde. Unter anderem können Schwenk und ihre Mitstreiter kostenlos Räume der Herrnhuter Brüdergemeine für ihre freitäglichen Zusammenkünfte nutzen.

"Wir koordinieren uns auch mit den anderen Angeboten", sagt die Initiatorin. So ist der Grundgedanke hinter dem Freitagstermin unter anderem, dass die Geflüchteten von Montag bis Donnerstag die ehrenamtlich angebotenen Deutschkurse besuchen können. "Abgerundet wird die Woche dann mit dem Kreativangebot", wo das Deutschlernen natürlich weitergehe. Zur Verständigung sind allerdings auch immer Helfer vor Ort, die dolmetschen.

Teilnehmer schöpfen viel Kraft

Die etwa 15 Personen, die das Angebot regelmäßig nutzen – meist Mütter oder Omas und Kinder –, seien sehr dankbar für den Kreativtreff und die Möglichkeit, zusammenzukommen und eine Zeit lang den Alltag zu vergessen. "Man weiß ja in der Situation den ganzen Tag lang nicht, was einen erwartet. Beim Basteln hat man dann mal die Möglichkeit, seine Emotionen zu sortieren und runterzukommen", schildert Schwenk. Sie ist überzeugt: Aus dieser kreativen Beschäftigung schöpfen die Teilnehmer viel Kraft. Dementsprechend freut sie sich über den Zulauf für das Angebot. "Ich sage immer: Es ist leider durch den Krieg so gekommen. Aber jetzt sind wir hier zusammen – und dann machen wir das Beste daraus."

Info: Der wöchentliche Termin

Jeden Freitag von 16 bis 18 Uhr treffen sich ukrainische Familien mit Nicole Schwenk und befreundeten Dolmetscherinnen in den Räumen der Kirche am Zinzendorfplatz.