Aber erst in Weiler findet Dieter Breithaupt alle Unterlagen / Bruder Heinz plant neues Buch über Heimatort

Von Dieter Vaas

Königsfeld-Erdmannsweiler. Wie so viele wollte Dieter Breithaupt mehr über seine Vorfahren wissen. Jetzt profitiert das gesamte Kirchspiel Weiler von seiner Arbeit. Außerdem hat diese seinen Bruder Heinz inspiriert, ein weiteres Buch über Erdmannsweiler in Angriff zu nehmen.

Dieter Breithaupt hat nach der Bundeswehr bereits 1968 seiner Heimatgemeinde den Rücken gekehrt, um in der "Fremde" seine Brötchen zu verdienen. Viele Jahre war er international für IBM tätig. 1996 ging er in Vorruhestand. Heute lebt der 70-Jährige in Herrenberg. Vater Artur fand als kleines Waisenkind Aufnahme in Erdmannsweiler. Die Breithaupts stammten ursprünglich aus Gutach und kamen von dort nach Buchenberg. Mutter Elsa, eine geborene Weisser, zählte zu den alt eingesessenen Erdmannsweiler Bürgern.

Für drei Wochen im Digitalarchivbei den Mormonen

Vor Jahren begann er mit der Ahnenforschung und flog sogar für drei Wochen in die USA. Die Mormonen in Salt Lake City verfügen über ein unglaublich umfangreiches Digitalarchiv von Kirchenbüchern aus aller Welt. Zwar wurde er fündig, musste aber feststellen, dass rund 50 wichtige Jahre fehlten. Deshalb wandte er sich an das evangelische Pfarramt in Weiler und fand dort vollste Unterstützung.

Pfarrerin Christine Holtzhausen hatte bei ihrem Amtsantritt ein fast desolates Archiv vorgefunden. Die Kirchenbücher lagerten teilweise außer Haus oder auf dem Dachboden. Sie trug alles zusammen. Mittlerweile sind sie in einem Tresor sicher aufbewahrt. Insgesamt handelt es sich um 54 Bücher mit jeweils 150 bis 400 Seiten Umfang.

Dieter Breithaupt war nicht der einzige Hobbyforscher, der anfragte. Auch Werner Jürgen Maier aus Walddorfhäslach bei Tübingen wollte sich mit den alten Büchern beschäftigen. Sein Interesse gilt den Jäckles vom Bärhof. Er hatte bereits damit begonnen, verschiedene Seiten zu fotografieren. Wenn die geschichtsträchtigen Werke immer wieder ans Tageslicht kommen, nehmen sie auf Dauer Schaden. Deshalb machten sich die beiden vor eineinhalb Jahren gemeinsam daran, ein Buch nach dem anderen Seite für Seite abzufotografieren. Mittlerweile sind sie mit dieser Arbeit fast fertig. Das Ergebnis wurde auf vier DVDs als Exel-Dateien mit einem sehr umfangreichen Register gebrannt. Wer etwas sucht, gibt den Begriff ein. Der Computer meldet, wo es zu finden ist.

Die Bücher bleiben künftig im Tresor. Ein Zugriff auf die digitalisierten Dokumente für alle Interessenten soll noch realisiert werden. Dieter Breithaupt denkt dabei an einen PC, der bei der Kirchengemeinde stehen könnte.

Die Freizeit-Archivare beschränkten sich aber nicht nur aufs Fotografieren. Sie begannen, auch einzelne Bücher auszuwerten. Dies erwies sich teilweise als sehr schwierig. Die Tinte verblasst mit den Jahren und das Papier vergilbt. Außerdem sind die Aufzeichnungen früherer Jahrhunderte oft relativ ungenau. Vor allem bei den Frauen.

Im Dorf noch vorhandenes Wissen über frühere Zeiten

Für Dieter Breithaupt ist die Arbeit aber noch lange nicht abgeschlossen. Er hat schon viele interessante Dinge über das gesamte Kirchspiel erfahren. Außerdem recherchierte er in Erdmannsweiler und sammelte das noch im Dorf vorhandene Wissen über frühere Zeiten. Er sichtete Dokumente, Zeitungsberichte und vieles mehr. All zu viel Historisches kam nicht zusammen. Der Ort bestand aus neun Höfen. Es gab keinen Landadel und keine Burg.

Die neuen Erkenntnisse will Heinz Breithaupt nutzten. Er hat bereits zusammen mit dem mittlerweile verstorbenen Axel Strecker zwei Bücher über Erdmannsweiler geschrieben. Das dritte gemeinsame Werk war geplant und sollte die Haus- und Hofgeschichte dokumentieren. Dieses Vorhaben ist vorläufig aufgeschoben, aber nicht ganz aufgegeben.

Durch die neuesten Erkenntnisse wird sich der Inhalt ändern. Das Buch soll "Geschichte und Geschichten" zum Inhalt haben. Bereits seit einem Jahr sammelt Heinz Breithaupt dafür unter anderem auch alte Bilder. Vielleicht weiß die eine oder andere Familie noch Geschichten aus dem Ort. Möglicherweise lagern auf dem Dachboden oder in den Schränken noch Dokumente oder sonstige interessante Unterlagen.

Weitere Informationen: Heinz Breithaupt, Telefon 07725/77 73.