Landwirtschaft: Stolberthof präsentiert im Rahmen der "Gläsernen Produktion" seine Hühnerhaltung

Beim Hoffest am Stolberthof haben die Gäste Einblick in die mobile Freilandhaltung von Hühnern bekommen. Der Hofbetreiber Roland Stolbert erklärt, warum Massentierhaltung absurderweise CO2-freundlich ist.

Königsfeld-Buchenberg. Einblicke in die "mobile Freilandhaltung" von Hühnern bekamen Gäste am Wochenende beim Hoffest am Stolberthof. Neben Spielen für Kinder gab es lokal produzierte Lebensmittel und Informationen zu Hühnern und Eiern.

Hofbetreiber Roland Stolbert wartete zu Beginn mit einer Überraschung auf. Durch die CO2-Brille betrachtet sei der mobile Hühnerstand ziemlich schlecht. Bei Massentierhaltung würden Eier dagegen auf geringster Fläche CO2-freundlich produziert. Die Zusammenhänge seien eben komplex. Es sei einfach, mit dem Finger auf Politiker zu zeigen. Das sei oft der Versuch, den Schwarzen Peter anderen zuzuschieben, um am eigenen Lebensstil nichts ändern zu müssen. Politiker und Landwirte hätten Verantwortung, aber es werde nur angebaut, was vermarktbar sei und Politiker müssten Wählern Rechenschaft ablegen. Stolbert lud ein, den Bauernhof und die "bisher nicht allzu verbreitete Form der Hühnerhaltung" in Augenschein zu nehmen.

Kleine bäuerliche Betriebe seien das Rückgrat nachhaltiger, ökologischer und sozial verträglicher Landwirtschaft, der Stolberthof ein Paradebeispiel für Innovation eines Familienbetriebs, so Bürgermeister Fritz Link. Der fahrbare Stall gewähre 350 Hühnern artgerechte und dem Tierwohl entsprechende Lebenshaltung, bei dem sich Böden regenerieren könnten. Link lobte den "unternehmerischen Mut", auch einen stationären Verkaufsstand in Königsfeld mit lokal produzierten Produkten einzurichten. Direktvermarktung, eine wichtige Einkommensmöglichkeit und Erfolgsgeschichte, stehe für hochwertige Produkte aus der Region.

Umweltschutz und Erhalt der Kulturlandschaft würden am Markt häufig ungenügend belohnt. Argumente wie "transparente Erzeugung" und Geschmack müssten Verbraucher überzeugen. Das Vertrauen in regionale Lebensmittel werde durch Veranstaltungen wie das Hoffest weiter gestärkt. Auch entstehe damit eine dringend nötige Verbundenheit mit der Region.

Deutliche Worte fand der Landtagsabgeordnete Karl Rombach: Kein vernünftiger Mensch könne sich gegen Bienen aussprechen, aber die derzeitige öffentliche Diskussion sei beängstigend, das Volksbegehren zur Biene Sprengstoff für Baden-Württemberg. Es bedeute in jetziger Form das Aus für viele Betriebe. Deshalb könne er es nicht unterstützen.

Die leitende Landwirtschaftsdirektorin Gertraud Lohrmann nannte Unkenntnis von Kindern in Sachen Nahrungsmitteln als Grund für die Aktion "Gläserne Produktion", in dessen Rahmen das Fest stattfand. Birgit Schwarzmeier, Sachgebietsleiterin für ländliche Hauswirtschaft und Ernährung, beantwortete Fragen zur Hühnerhaltung. Bedenklich stimmte zum Beispiel ihre Aussage, dass zwar Käfighaltung inzwischen verboten ist, nicht aber Volierenhaltung, wo Hühnern nur eine Fläche von eineinhalb DIN-A4-Blättern zur Verfügung steht.