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Königsfeld Rettung von Michael-Balint-Klinik gescheitert

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Die letzten Patienten werden am Freitag in der Balint-Klinik entlassen. Die gekündigten Mitarbeiter orientieren sich nach und nach beruflich neu. Foto: Hoffmann

Königsfeld - Die Michael-Balint-Klinik scheint bald Vergangenheit zu sein. Am Freitag werden die letzten Patienten entlassen und voraussichtlich bis Jahresende die noch verbleibenden Arbeiten abgewickelt, informiert Chefarzt Wilfried Callenius.

"Ganz viele Fürsprecher" habe die Klinik gehabt, seien es Landräte, Bürgermeister Fritz Link, Landtagsabgeordnete, zum Teil auch Vertreter der Krankenkassen. Doch all diese Bemühungen, die Klinik aus dem Insolvenzverfahren in eine Zukunft zu führen, seien bislang gescheitert. Dafür macht Chefarzt Callenius vor allem die Haltung des Sozialministeriums verantwortlich und hier explizit diejenige von Landesminister Manfred Lucha. Dieser habe auf die "klare Position" des Krankenhausplans verwiesen, der die Verlegung der 42 Akutbetten der Michael-Balint-Klinik an die Vinzenz von Paul Hospital gGmbH in Rottweil vorsehe. "Damit ist unsere Lebensader abgeschnitten", kritisiert der Chefarzt diese Vorgehensweise. Ohne diese Krankenhausbetten sei ein wirtschaftlicher Betrieb der Klinik, der dann ausschließlich auf den schlechter honorierten Reha-Betten fuße, schwierig geworden.

Vieles versucht

Aber auch das sei versucht worden. So habe sich eine kleine Investorengruppe, ein begüterter Einwohner aus Königsfeld und eine weitere Person aus einem Nachbarort, um den Fortbestand der Balint-Klinik mit den Reha-Betten eingesetzt. Unterstützung hierfür habe es auch von der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg gegeben, die der Balint-Klinik gerne noch mehr Rehapatienten als diejenigen für die bislang 60 Reha-Betten zugewiesen hätte, weiß Callenius. Doch die Gespräche mit dem Insolvenzverwalter, einem Anwalt aus München, hätten sich am Montag zerschlagen, so der Kenntnisstand des Chefarztes. Für die beiden Investoren wären die vom Insolvenzverwalter verlangten Übernahmebedingungen nicht akzeptabel gewesen.

Es war nicht der einzige Versuch, die Klinik zu retten. Der Chefarzt selbst hatte zusammen mit dem Verwaltungsleiter der Balint-Klinik, Ralf Ruchlak, und einem Juristen eine Betreibergesellschaft gegründet, die CRZ GbR. Diese hatte im September einen Antrag zur Aufnahme der Balint-Klinik in den Landeskrankenhausplan beim Sozialministerium eingereicht.

"Eine solche Entscheidung wird in einem sehr komplexen und zeitaufwendigen Verfahren durch das Sozialministerium geprüft, vorbereitet und anschließend im Landeskrankenhaus-Ausschuss entschieden", beschreibt Claudia Krüger von der Pressestelle des Ministeriums, die Vorgehensweise.

Mitarbeitern bereits gekündigt

Dieses "zeitaufwendige Verfahren" nimmt nach Dafürhalten von Callenius zu viel Zeit in Anspruch, um die Balint-Klinik noch retten zu können. Denn den Mitarbeitern sei ja bereits gekündigt worden. Und sie würden sich nun beruflich neu orientieren. Der Chefarzt hält es für unwahrscheinlich, dass sie alle wieder zur Verfügung stünden, wenn es mit der Balint-Klinik irgendwann doch weitergehe. Da gebe es vielleicht "den einen oder anderen Mitarbeiter, aber sicher nicht alle", die dann wieder zurückkehrten.

Wenn eine Klinik erst mal geschlossen sei, sei sie "nur noch ein Gebäude". Das eigentliche Herz eines Klinikbetriebs seien die Mitarbeiter mit ihren Kenntnissen und Erfahren. Sie würden nach und nach gehen. Was von der Balint-Klinik übrig bleibe, sei "nur noch ein Geisterhaus".

Wieder von vorne anzufangen und den Betrieb der Michael-Balint-Klinik neu zu starten, sei dann mit enormen Kosten verbunden und bräuchte eine "ungeheuer engagierte Aufbauarbeit".

Callenius selbst wird mit seinen 66 Jahren in den Ruhestand wechseln. Er war seit 2012 Chefarzt der Balint-Klinik und hätte die Klinik gerne in eine Zukunft geführt. Er wäre noch so lange geblieben, bis ein Nachfolger gefunden worden wäre. Doch das habe sich nun erübrigt. Callenius bedauert das Ende der Balint-Klinik "zutiefst". Die Klinik habe ein "einzigartiges Angebot" gehabt, "das bundesweit seinesgleichen sucht". Das Ende sei "schade für die Patienten und schade für die Mitarbeiter".

42 Krankenhausbetten und 60 Rehabetten gehen verloren

Die 160 Patienten, die auf der Warteliste für die Balint-Klinik stünden, würden sich teilweise sicherlich schwer tun, mit ihrem Krankheitsbild eine geeignete andere Klinik zu finden. Doch offensichtlich sei es in der Gesundheitspolitik bundesweites Ziel, die großen Kliniken zu stärken und die kleinen "platt zu machen".

Bürgermeister Fritz Link vermisst "den politischen Willen" des Sozialministeriums, an einer tragfähigen Auffanglösung für die Balint-Klinik mitzuarbeiten. Es sei zwar vom Ministerium in Aussicht gestellt worden, die Anträge für eine Aufnahme der Balint-Klinik in den Landeskrankenhausplan zu prüfen. Aber mit einer Entscheidung werde frühestens im März 2020 gerechnet. So lange könne die Klinik nicht überleben. "Ob ein Neustart gelingt, ist mehr als fraglich", so Link. "Da sehe ich im Moment große Probleme." Damit gingen Königsfeld nicht nur die 42 Krankenhausbetten, sondern auch die 60 Rehabetten der Balint-Klinik verloren. Dadurch verliere Königsfeld 25 000 Übernachtungen und 700 bis 800 Patienten, die während ihres mehrwöchigen Aufenthaltes auch den Einzelhandel und die Gastronomie vor Ort genutzt hätten. Es sei sicherlich schwierig, die durch den Wegfall der Balint-Klinik entstehende Lücke durch Neuansiedlungen aufzufangen. Landesweit werde die Zahl der Kliniken ohnehin abgebaut. Was künftig mit dem Gebäude werde, sei völlig offen. Hauptgläubiger im Verfahren sei eine Bank.

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