Orgeldoktor Hans Heinrich im Porträt und bei der Arbeit an einer Orgel sowie seine frühere Werkstatt. Foto: privat Foto: Schwarzwälder-Bote

Als s'Pfarrers Hans in Weiler zur Welt gekommen / Albert-Schweitzer gibt Hans Heinrich wichtigen Ratschlag

Von Dieter Vaas

Königsfeld-Weiler. "Gehe hinaus in die Welt, arbeite bei vielen und verschiedenen Firmen und halte immer Augen und Ohren offen". Diesen Rat gab Albert Schweitzer dem jungen Hans Heinrich. Heute ist er 78 Jahre alt, lebt in Finnland und ist als Orgeldoktor bekannt.

Am 26. Juni 1935 kam um 5.30 Uhr das älteste Kind der Eheleute Karl Martin und Maria Heinrich zur Welt. Da der Vater der Ortsgeistliche war, stand die Wiege im Pfarrhaus. Drei weitere Geschwister sollten folgen. Die Kindheit war geprägt durch den Zweiten Weltkrieg. Im Januar 1945 fiel der Pfarrer in der Eifel.

Der junge Hans musste nach Königsfeld ins Haus Früauf. Als seine Familie aus dem Pfarrhaus ausziehen musste, zog diese später in den Kurort nach. In den 1950er Jahren schaffte es die Mutter sogar noch, in Burgberg ein kleines Haus zu bauen.

"Noch heute habe ich den Ratschlag im Kopf"

Die Zinzendorfschulen und eine höhere Bildung waren nicht ganz Hans Heinrichs Sache. Die Mutter hätte ihn gerne als Orgelbauer gesehen und schickte ihn deshalb zu Albert Schweitzer, als dieser 1949 in Königsfeld weilte. Der spätere Friedensnobelpreisträger bezeichnete das Berufsziel als "eine gute Idee" und gab den Rat mit auf den Weg. "Noch heute habe ich den Ratschlag im Kopf, besonders beim Autofahren", erzählt Hans Heinrich. Albert Schweitzer hat sein ganzes weitere Leben begleitet und zwar in Form von Briefmarken mit dem "Urwalddoktor". Diese begann er schon früh zu sammeln.

Ein Orgelbauer, der im Kirchensaal beschäftigt war, empfahl ihm, zuerst den Schreinerberuf zu erlernen und dann zu ihm zu kommen. Bei Friedrich Walter in Königsfeld bekam Hans sein erstes Rüstzeug. In St. Georgen ging er in die Gewerbeschule. Schmunzelnd erinnert er sich daran, wie er einmal mit den Skiern nach St. Georgen wollte und sich unterwegs beim Omnibus-Joos festhielt, um schneller und bequemer vorwärts zu kommen.

Mit Gesellenbriefnach Köln

Nach drei Jahren war der Gesellenbrief in der Tasche. Die nächste Station war Köln, wo weitere zweieinhalb Lehrjahre zum Orgelbauer warteten. Einmal in der Fremde ging’s nach dem weiteren Abschluss bis hoch nach Nordschweden. Dort blieb er bis 1958, lernte Land und Leute sowie die Sprache kennen.

International blieb es, als er nach Österreich ging und in Schwarzach bei Bregenz einen Anstellung bei einem Orgelbauer fand. Sein neuer Arbeitgeber schickte ihn besonders gern ins Ausland und dabei auch immer wieder nach Skandinavien. In Helsinki traf er einen alten Kollegen, der ihm ein Praktikum und später eine feste Anstellung bot. Schon lange vor dem Beitritt zur Europäischen Union gab es für den Deutschen in Finnland nie Probleme mit der Aufenthaltserlaubnis oder der Arbeitsgenehmigung.

Kleiner Ort Maxmo will in DDR bestellen

Als sein Arbeitgeber ihn 1964 in die Nähe von Vasa schickte, ahnten beide nicht, welche Weiche damit gestellt wurde. Hans Heinrich hörte, dass der kleine Ort Maxmo eine Orgel in der damaligen DDR kaufen wollte.

In Finnland selbst gab es zu dieser Zeit nur zwei Orgelbaubetriebe. Er reichte selbst ein Angebot ein und erhielt den Zuschlag sowie den Hinweis: "Hier gibt es eine leer stehende Schule sowie einen arbeitslosen Schreiner". Die Schule wurde zur Werkstatt umgebaut und den Schreiner stellte der Firmengründer gleich ein.

Schon 1969 kaufte der Jungunternehmer ein weiteres Schulgebäude hinzu und baute seinen Betrieb wesentlich aus. Außerdem ließ er sich hier nieder. Von Haus zu Haus ist er nach eigener Aussage gegangen, um geeignete Kräfte zu finden.

Bis zu 17 Mitarbeiter beschäftigte Hans Heinrich, die er alle selbst in seinem Fachbereich ausgebildet hat. Im Jahr 2009 verkaufte er die Werkstattgebäude.

183 Orgeln hat der gebürtige Schwarzwälder in Skandinavien gebaut. "Sinnigerweise war 1999 die letzte für eine Beerdigungskapelle", bilanziert er. Ganz hat Hans Heinrich seinen Beruf aber nicht an den Nagel gehängt. Er pflegt noch rund 40 Orgeln im ganzen Land. Vor dem Festival auf den Åland-Inseln sind es gleich immer zehn bis zwölf an einem Stück. Den Namen Orgeldoktor verpassten ihm seine beiden Töchter, weil er nur noch die Pflege der Instrumente übernimmt.

Seit fast 30 Jahren ist Hans Heinrich in dritter Ehe mit einer schwedisch-sprachigen Finnin verheiratet. In dieser Region ist Schwedisch die Hauptsprache. Fünf Kinder (zwei in Schweden, eines in Norwegen, eines in Helsinki und eines in Vasa) und drei Enkel zählen zu seiner Familie. In der Gemeinde Maxmo hat der Deutsche viele Jahre Verantwortung übernommen als Gemeinderat und Mitglied im Tourismusbeirat.

Heute lebt Hans Heinrich in Tammisaari (auf schwedisch Ekenäs, 90 Kilometer südwestlich von Helsinki). Er geht in die Herrengymnastik und fördert Konzerte. Gerne spielt er Blockflöte. Ein Cembalo, das wöchentlich gestimmt werden muss, fordert sein Gehör. Noch heute hört er nach eigener Aussage selbst die kleinste Flöte.

Als Clown Kinder und Senioren unterhalten

In jünger Zeit hat er begonnen, als Clown Kindergärten, Altenheime und Krankenhäuser zu besuchen. "Ich mache halt gerne Spaß", lautet die einfache Erklärung. Nach wie vor fühlt er sich fit und arbeitet gerne.

Gerne denkt er an die alte Heimat, wo er als "s'Pfarrers Hans" aufwuchs. Wer ihn hört, glaubt nicht, dass er schon seit so vielen Jahren im Ausland lebt. Sein Weiler Dialekt ist nach wie vor tadellos. Aufgefrischt hat er seine Kontakte zu einer alten Freundin, die in St. Georgen lebt, wie er aber in Weiler geboren ist.