Änderungen am Königsfelder Schulmodell beschloss der Gemeinderat. Foto: Vaas Foto: Schwarzwälder-Bote

Interesse an Haupt- und Werkrealschule lässt drastisch nach / Gemeinderat beschließt Änderungen beim Schulmodell

Von Stephan Hübner

Königsfeld. Für Diskussionen sorgten im Gemeinderat geplante Änderungen am Königsfelder Schulmodell (KFM). Für ortsansässige Schüler soll sich aber nichts Wesentliches ändern.

Das KFM wurde laut Bürgermeister Fritz Link 2011 dank der guten Zusammenarbeit mit den Zinzendorfschulen initiiert. Ziel war, Schülern Hauptschul- und Werkrealschulabschlüsse am Ort zu ermöglichen.

Nun aber gibt es für künftige Klassen keine sichere Zahlenbasis mehr. Anstatt mindestens 20 Schüler meldete bisher nur einer Interesse an. "Die neue Gemeinschaftsschule kannibalisiert herkömmliche Schulen", so Link. Ratsmitglied Beate Berg-Haller störte sich an diesem Begriff. Schulleiter Rainer Wittmann erwiderte aber, dass er genau diese Kannibalisierung erlebe. Die Not nehme zu, vor allem bei Kindern mit nicht ganz glatten Bildungswegen.

Da weiterhin jedes Kind in Königsfeld jeden Schulabschluss machen können soll, erarbeiteten die Zinzendorfschulen einen Maßnahmenkatalog. Vorhandene Werkrealschulklassen bleiben erhalten, neue wird es nicht geben. Entsprechende Schüler werden stattdessen in die Realschule integriert, bekommen zusätzliche Förderung und machen keine Abschlussprüfung mehr. Mit dem Versetzungszeugnis zur zehnten Klasse bekommen sie den Abschluss automatisch.

Beibehalten wird die "völlig andere Bepreisung" der Königsfelder Werkrealschüler und der Sozialfonds der Kommune. Damit bekommen Schüler die Differenz zwischen der für den Besuch einer auswärtigen Schule notwendigen Monatsfahrkarte und der Schulgebühr erstattet. Letztlich werde sich für Königsfelder Schüler nichts Wesentliches ändern, so Wittmann.

Neuerungen betreffen die Raumnutzung im Gebäude der Grundschule und die Aufteilung von Kosten auf Zinzendorfschulen und Kommune. Das bestehende Inklusionsmodell wird fortgeführt, eine neue Klasse wird es aber nicht geben.

Im Zuge des KFM hatte die Kommune den allgemeinen Zuschuss an die Zinzendorfschulen abgebaut, da sie beim neuen Modell keinen Sachkostenbeitrag mehr erhielt. Nun aber beantragte die Schule eine Wiedergewährung des Zuschusses. Die Verwaltung war aber der Auffassung, dass der erst wieder gewährt werden sollte, wenn es keine Werkrealschulklassen mehr gibt. Der Gemeinderat stimmte für die geplanten Umnutzungen des Gebäudes der Grundschule und die Änderungen bei der Kostenaufteilung. Er folgte dem Vorschlag der Verwaltung, erst nach Abbau der Werkrealschulklassen im Jahr 2017 erneut über den allgemeinen Zuschuss zu beraten.

Von einer "ganz dummen Situation für Königsfeld" sprach Thomas Fiehn. Das jetzige Konzept sei defizitär, eigentlich stehe man vor einem Scherbenhaufen. Die Hauptschule war laut Link aber nicht überlebensfähig. Einzige andere Möglichkeit wäre ihm zufolge ein regionales Modell gewesen, was nicht klappte, weil sich Mönchweiler wehrte. Die Ansiedlung der dortigen Gemeinschaftsschule nannte Link eine landespolitisch verfehlte Strukturentscheidung, da sie Schüler aus dem Umland abziehe, weil im Ort selbst nicht genug vorhanden seien um den Bedarf zu decken.

Berg-Haller mahnte örtliche Defizite wie die fehlende Ganztagesschule an der Grundschule an. Auch sei die Gemeinschaftsschule ein zukunftsfähiges Modell. Link widersprach: Gemeinschaftsschulen würden nicht angestrebt weil sie pädagogisch gut seien, sondern weil Kommunen ihren Standort sichern wollten. Jens Hagen sprach sich für die Änderungen aus mit denen man versucht habe, sich so sozial und breit wie möglich aufzustellen. Wichtig sei ein größtmögliches Angebot am Ort.

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