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Königsfeld Bürgermeister kämpft für den Erhalt

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Kann die Michael-Balint-Klinik gerettet werden? Noch gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer. Foto: Hoffmann Foto: Schwarzwälder Bote

Seit Langem lief das Insolvenzverfahren, nun soll die Michael-Balint-Klinik geschlossen werden. Die Gründe hierfür sind alles andere als einfach. Doch es gibt Hoffnung: In letzter Sekunde könnte sich noch etwas ändern.

Königsfeld. Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Die Michael-Balint-Klinik steht vor dem Aus. Mit der Schließung der Einrichtung, die auf psychosomatische Krankheitsbilder spezialisiert ist und rund 90 Mitarbeiter beschäftigt, würde der Kurort nicht nur ein Aushängeschild verlieren, auch die wirtschaftliche Lage der sowieso finanzschwachen Kommune wäre damit in Gefahr.

Es ist eine Entscheidung, die bei Bürgermeister Fritz Link auf absolutes Unverständnis stößt: "Die Fachklinik ist, obwohl sie schon seit neun Jahren insolvent ist, wirtschaftlich tragfähig. Sie schreibt seit dieser ganzen Zeit schwarze Zahlen." Warum also muss eine Klinik, die finanziell gut dasteht, schließen?

Krux der Sache ist die Verteilung der Betten

Will man die wahren Hintergründe verstehen, wird es sehr komplex. "Es ist so, dass die Klinik 42 Krankenhausbetten hat und 60 Rehabetten und der wirtschaftliche Kern des Krankenhauses sind eben diese 42 Akutbetten", erklärt Link.

Die Akutbetten wurden nach Bekanntwerden der Insolvenz im Rahmen eines Versorgungsvertrages vom Verband der Ersatzkassen (VDEK) in einem Auswahlverfahren neu vergeben. Unter den Interessenten für die Übernahme fanden sich laut Link zwei Klinikgruppen aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis, die im Rahmen dessen die Klinik weiterführen wollten. Der dritte Investor kam aus Rottweil. Letzterer erhielt schließlich den Zuschlag und entschied sich dafür, die ihm zugesprochenen 42 Betten anderweitig zu nutzen.

Die Entscheidung über den ausgeschriebenen Versorgungsvertrag sei bereits 2015 gefallen, heißt es vonseiten des VDEK. Die endgültige Vergabe werde allerdings "seit Jahren durch diverse Gerichtsverfahren verhindert". Für den Verband ist das unverständlich, da seiner Meinung nach die reine Bettenanzahl im Bereich Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in der Region aufrecht erhalten wird.

Dass es hinter den Kulissen brodelt, bestätigt auch Link. Demnach hätten mehrere Akteure versucht, die Entscheidung des VDEK zu verhindern – ohne Erfolg. "Es macht überhaupt keinen Sinn, diese Betten zu verteilen", stellt Link seine Position dar. Es gehe nicht primär darum, Personen in der Region zu behandeln, sondern um den bestimmten Kreis an Menschen, die bislang diese Betten in Anspruch nahmen: traumatisierte Menschen mit Migrationshintergrund. Und die setzten wiederum auf die Expertise am Standort Königsfeld, wo das Angebot gewachsen und vertieft worden ist.

Im Juli dieses Jahres wurde nun allerdings ein endgültiger, juristischer Schlussstrich gezogen. Das Urteil: Die 42 Akutbetten sind nicht per se an den Standort Königsfeld gebunden.

Die gerichtliche Entscheidung, so heißt es aus Klinikkreisen, "war die unmittelbare, zeitliche Komponente", warum man ausgerechnet jetzt, nach neun Jahren im Insolvenzverfahren, vor dem Aus steht. Die Verantwortlichen unterstreichen Links Aussage: Der Betrieb steht und fällt mit den Krankenhausbetten, die zwar zahlenmäßig weniger ausmachen als der Rehaanteil, aber größere Gewinne bringen.

Das Warten auf die letzten Patienten

Wie geht es nun also weiter? Während es vonseiten der Klinik heißt, man würde an einem Sozialplan arbeiten und darauf warten, dass die letzten Patientenbehandlungen auslaufen, gibt sich Link kämpferisch.

Am Freitag fuhr er in die Landeshauptstadt, klopfte an die Türen der Verantwortlichen, darunter Sozialminister Manfred Lucha, und plädierte für eine andere Lösung. Demnach haben drei Verantwortliche der Michael-Balint-Klinik einen letzten Vorstoß gewagt und eine Gesellschaft bürgerlichen Rechtes, kurz GbR, gegründet. Diese hat einen Antrag an das Sozialministerium gestellt, damit das wiederum im Landeskrankenhausausschuss Königsfeld im Rahmen eines überörtlichen Bedarfs weitere Betten zuspricht.

Der Bürgermeister macht für diese Lösung nun Werbung, um das Aus auf den letzten Metern noch abzuwenden. Er hofft, durch seinen Einfluss und die Hilfe regionaler Abgeordneter das Thema auf die Agenda des Ausschusses zu bekommen. "Am 6. November wird die nächste Sitzung sein. Wir sehen darin die letzte verbliebene Möglichkeit, das Krankenhaus zu erhalten."

Link sieht nun die Politik am Zug. Denn für ihn steht nicht nur die wirtschaftliche Lage Königsfelds auf dem Spiel, da die Klinik sich jährlich mit etwa 25 000 Übernachtungen in der Statistik niederschlägt und Einnahmen für Handel, Gastronomie und Handwerk bringt. Der Bürgermeister sieht in der Klinik-Debatte auch eine größere politische Komponente.

"Es gibt eine Historie, die zeigt, das Krankenhaus ist notwendig und es ist wirtschaftlich tragfähig. Und jeder der Entscheidungsträger zieht sich zurück, weil sie nicht zuständig seien", macht Link deutlich, was das Problem ist. "Letztlich muss es eine politische Entscheidung geben. Man schiebt sich gegenseitig den Schwarzen Peter hin und her. Und das geht zu Lasten von Mitarbeitern und Patienten, die diese Klinik brauchen."

Vor dem Hintergrund der Flüchtlingsentwicklung sei es geradezu ein "politischer Skandal", eine Klinik zu zerschlagen, die sich um genau diese Menschen kümmern kann. "Das ist auch eine Frage der politischen Glaubwürdigkeit", gibt er zu bedenken. Für ihn sei klar: "Wir kämpfen weiter."

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