Sachverständiger gibt betroffenen Kollegen sowie Verbrauchern Ratschläge / Problem ist "Amerikanische Faulbrut"

Von Stephan Hübner

Königsfeld. Immer stärkere Verbreitung unter Bienenvölkern findet die "Amerikanische Faulbrut". Bernd Möller, zuständiger Bienensachverständiger für die Gebiete Mönchweiler und Königsfeld und Kreisvorsitzender im Landesverband Badischer Imker, erläuterte die Gründe und was dies für Verbraucher sowie Imker bedeutet.

Möller gibt zunächst einmal Entwarnung. Honig befallener Völker sei für Menschen völlig ungefährlich und betreffe nur die Bienenbrut.

Trotzdem beschreibt der seit gut 30 Jahren aktive Imker ein besorgniserregendes Szenario. Denn Imker haben mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen, beispielsweise der Varoa-Milbe sowie immer weiter schrumpfenden Grünflächen und Mais-Monokulturen für den so genannten Bio-Sprit, der aber laut Möller "alles andere als Bio" ist. Die Folgen sind Völker, die schon im Sommer ohne Zufütterung verhungern würden.

Fehlender Honig ist aber nicht einmal das Kernproblem. Die Bienen benötigen Blütenpollen, ein Eiweiß, zum Aufbau des Immunsystems. Ohne dieses schlagen Krankheiten um so härter zu.

Von der Faulbrut sind aktuell sechs Imker in Mönchweiler betroffen, in Königsfeld acht. Ein Teil der Bienenvölker musste vernichtet werden, andernorts reicht eine Sanierung im nächsten Frühjahr, da nur Sporen vorhanden waren.

Ursprünglich stammt die Faulbrut aus den USA. Dort ist das Problem so groß, das 92 Prozent aller Importe Faulbrutsporen aufweisen. Möller weist auch darauf hin, dass Verbraucher keinesfalls offene Honiggläser stehen lassen sollten, weil sie denken, sie würden den Bienen etwas Gutes tun. Denn nur 20 Prozent des hierzulande verkauften Honigs stammen aus Deutschland. Viel schlimmer seien aber ungewaschene Honiggläser in Altglascontainern. Für weitere Verbreitung sorgen zudem Großbäckereien, die Honiggebinde im Freien stehen lassen, und an denen sich Bienen gütlich tun.

Die immer weitere Verbreitung bedeutet nicht nur tote Bienen, sondern auch immer weniger Imker. Denn die Entschädigung für vernichtete Bienen ist dürftig. Möllers Rat an Imker ist deshalb der Eintritt in einen Verein, da dies eine Grundversicherung bieten.

Trotz allem ist Möller zumindest für unsere Gegend positiv gestimmt. Hier sei nicht alles auf Gewinnmaximierung ausgelegt. Es gebe viele Kleinbauern und immer noch zahlreiche, vor allem unterschiedliche Grünflächen und Waldgebiete. Auch nähmen Imker und Landwirte in der Regel aufeinander Rücksicht. Intensive Schulungen verbesserten die Situation ebenfalls. Aufgrund des sinkenden Altersdurchschnitts der Imker im Bereich Villingen/Mönchweiler sieht Möller zumindest für die nächsten 20 Jahre erstmal keine Probleme. Verbraucher können sich also weiterhin an "tollem Blütenhonig" erfreuen, ist Möller überzeugt.