Thomas (links) und Lucas Sperr sind Eigentümer des Bahnhofs und kümmern sich um die Restauration und die Verpachtung der Räume. Foto: Menzler

2017 gekauft, 2019 begonnen zu bauen, 2022 fertig mit dem Bau? Das hoffen zumindest die Eigentümer des historischen Gebäudes. Im nächsten Jahr soll die Eröffnung bereits stattfinden.

Bad Wildbad - Seit 2019 sind die Bad Wildbader das Bild einer Großbaustelle gewohnt. Was nicht wundert, handelt es sich beim königlichen Bahnhof doch mit 1650 Quadratmetern um ein großes Gebäude.

Doch wie sieht es aktuell aus? Die Fassade ist endlich fertig und ohne das Gerüst, sieht es zumindest von außen bereits nach etwas Neuem im alten Stil aus. Bei einer Besichtigung mit den Eigentümern Thomas und Lucas Sperr konnten wir einen Einblick für unsere Leser erhaschen.

Ende der Arbeiten?

Wie sich so mancher erinnern mag: 2017 kauften der Stuttgarter Steuerberater Thomas Sperr und dessen Sohn Lucas der Deutschen Bahn den Bahnhof ab. 2019, nach jeder Menge Absprachen und Plänen, Denkmalschutz und historischem Hintergrund, begann der Bau am Bad Wildbader Bahnhof. Und so ziemlich jeder wird sich erinnern: Ein Ende der Baustelle war bislang nicht in Sicht.

Doch endlich soll es soweit sein. "Stück für Stück gehen die Arbeiten voran", sagt Lucas Sperr. Die beiden Besitzer hoffen auf eine Bauabnahme des Haupthauses Ende des Jahres. Und die Außenanlagen sollten ihrer Meinung nach im späten Frühjahr 2023 fertig werden.

Warum Stuttgarter?

Doch wie kamen die Stuttgarter Besitzer überhaupt nach Bad Wildbad? "Wir haben hier noch ein anderes Anwesen, bei dem es einen Einbruch gab", erzählt Thomas Sperr. Im Gespräch mit der Polizei sei der Bahnhof dann aufgekommen. "Ich habe seit 1984 schon mehrere historische Gebäude saniert", führt der Steuerberater aus. "Ich habe einfach eine Liebe dafür."

Bauweise

Und genau deshalb ist es den beiden wichtig, so viel vom Alten zu erhalten und zu restaurieren wie möglich. Beispielsweise sind in alle alten Fenster und Türrahmen erhalten. Auch die Schlösser der Türen sind original und restauriert. Der Fußboden in den oberen Stockwerken ist noch der alte. Und auch bei Erweiterungen, wie der Dämmung des gesamten Gebäudes wurde darauf geachtet, nur natürliches Material zu verwenden.

Appartements

Während im zweiten Stock der rechten Haushälfte bereits eine Steuerberaterin ihr Büro hat, sollen im ersten Stock des Hauptgebäudes bis in den rechten Teil Appartements entstehen.

Diese sollen als Ferienappartements vom Gastronom des Gebäudes eingerichtet und vermietet werden. "Für uns wäre das zu viel Arbeit. Wir wollen lieber alles aus einer Hand", erläutert Lucas Sperr die Entscheidung.

Insgesamt handelt es sich um acht Appartements mit einer Größe zwischen 25 und 45 Quadratmeter. Eines davon – eine Einzimmerwohnung – soll dem Personal der Gastronomie vorbehalten sein. "Falls ein Koch mal übernachten will, wenn es zu lang wird oder man dringend Personal braucht, das keine Wohnung in der Stadt hat", meint Lucas Sperr.

Mögliches Brauhaus

"Wir würden uns eine Brauhausgastronomie wünschen", erklärt Sperrs Sohn. Darin könne sich jeder wohl fühlen – "nicht nur der Politiker sondern auch die Familie, die gerade vom Wandern kommt. Interessenten gibt es zwar bereits, "aber wir sind offen für weitere", sagt Lucas Sperr mit einem Zwinkern.

Die Gastronomie wird mit bis zu 150 Sitzplätzen den größten Teil des Bahnhofs einnehmen. Nicht nur die beiden großen Säle im Erdgeschoss, mit geplanter Bar und Nebenzimmer für Feiern und Events. Auch die neu gebauten Arkaden werden mit Gastronomie befüllt. "Dort soll hauptsächlich bedient werden", erläutert Lucas Sperr. "Es geht um’s sehen und gesehen werden."

Zudem kommt im alten Waschhaus auf der Südseite des Bahnhofs ein Biergarten dazu. "Die Bedienung dort ist natürlich von der Wetterlage abhängig", meint der Sohn. Aber eine kleine Küche und ein Ausschank finden in der linken Hälfte des Waschhauses Platz. Dieser soll etwa bis zu 100 Sitzplätze bieten.

Kleiner Shop

Zwischen Haupteingang und dem linken Teil des Gebäudes bieten die Besitzer noch Platz für einen kleinen Shop. "Das ist einfach gewerbliche Fläche, die eingeplant ist. Eventuell will ja die Touristik eine Außenstelle eröffnen", meint Lucas Sperr.

Café

Im linken Teil des Gebäudes soll ein Café eröffnen. Mit 40 Innenplätzen und 30 auf der geplanten Terrasse ist auch dieses recht groß. Das Café soll allerdings nicht nur eine Terrasse bekommen sondern auch eine Galerie im Raum. Der frühere Plan, dass die Kaffee-Manufaktur einziehen könnte, hat sich mittlerweile zerschlagen. Nun sei offen, wie das geplante Café gefüllt wird.

Eventuelle Eisdiele

Während die Bauarbeiten in den Räumen des Bahnhofs bereits dem Ende entgegenstehen, benötigt das alte Waschhaus auf der Südseite noch einiges an Arbeiten. Doch der Plan des gesamten Gebäudes steht.

In der rechten Hälfte Richtung Bahnhof entsteht gewerbliche Fläche. "Wir haben schon eine Anfrage für eine eventuelle Eisdiele", erläutert Lucas Sperr. Ein Blumenladen war allerdings auch schon im Gespräch.

In das mittige Steinhäuschen kommt einerseits ein Büro der Deutschen Bahn, das bisher in einem Container untergebracht ist. In den ersten Stock kommen zwei Einzimmerwohnungen. Auch hier könnten entweder Personal der Gastronomien oder auch Bahnliebhaber einziehen, meint Lucas Sperr lächelnd. Immerhin erhascht man einen exklusiven Blick direkt auf die Gleise.

Imbisswaggon

Und damit sind die Pläne noch nicht zu Ende. Die Nordseite des Bahnhofs wird nicht außer Acht gelassen. Dort soll ein Imbisswaggon – ein restaurierter Bahnwaggon – seinen Platz finden. Dieser soll zwei Imbissbuden beinhalten.

"Wir stellen uns einerseits einen Imbiss mir Burgern und so weiter vor. Und auf der anderen Seite eventuell etwas Asiatisches", verrät Lucas Sperr. Man wolle allerdings keine Konkurrenz zur Hauptgastronomie eröffnen. Die Imbissbuden werden jeweils circa zwölf Sitzplätze haben.

Parkmöglichkeiten

Natürlich werde es auch Parkplätze geben. Hinter den Imbisswagen kommen circa 18 Plätze, vor dem Bahnhofsgebäude bleiben die bisherigen Kurzzeitparkplätze erhalten. Wiederum weiter hinten in der Ladestraße entstehen neun sowie weitere zwölf Parkmöglichkeiten.