Kochen im Caravan Dosenravioli waren gestern – wie man sich beim Campen ausgewogen ernährt
Wohnmobilreisen bedeuten Freiheit und Spontanität. Aber bezahlt man diese mit schlechtem Essen? Mitnichten. Unser Experte gibt Tipps für die Camperküche und verrät ein One-Pot-Rezept.
Markus Sämmer ist ein leidenschaftlicher Camper. 2001 verabschiedete er sich mit Mitte Zwanzig vorübergehend von Europa und fuhr mit einem Van ein Jahr lang kreuz und quer durch Australien. Noch heute erinnert sich Sämmer an das „Million Stars Hotel“, den freien Himmel, den man so nur beim Campen erleben kann. Freiheit pur.
Doch Sämmer kennt nicht nur das einfache Leben. Seine Ausbildung zum Koch hatte er in der Münchner Spitzengastronomie absolviert und später auf einer Jacht im Mittelmeer gearbeitet. Er hat folglich hohe Ansprüche an gesunde, ausgewogene und nicht zuletzt abwechslungsreiche Ernährung. Wenn aber jemand die Spitzengastronomie gewohnt ist und womöglich bestimmte Erwartungen an Essen sowie Equipment hat, stellt sich unweigerlich die Frage, wie er zum Kochen mit einfachen Mitteln und wenigen Zutaten steht. Kann man in einem Camper überhaupt abwechslungsreich kochen? „Absolut“, versichert der Koch und spricht aus eigenen Erfahrungen. Denn zwar lebt Sämmer wieder in Deutschland, die Liebe zum Campen besteht jedoch weiterhin. „Nirgendwo schlafe ich besser als in meinem VW-Bus in der Natur“, lacht er. Und dort kocht er auch regelmäßig.
Planen spart Probleme
Sämmer beobachtet, dass gerade jüngere Menschen gesund essen wollen, und die würden auch im Camper kochen. Aber wie soll das gehen, wenn man ein bis zwei Gaskocherstellen und begrenzten Platz zur Verfügung hat? Der Experte hat keine Bedenken. Mit ein wenig Planung ließe sich das problemlos bewerkstelligen. Zunächst sei es empfehlenswert sich zu überlegen: Wie lange plant man unterwegs zu sein? Wohin geht die Reise? Was will man vor Ort frisch einkaufen? Was von Zuhause mitnehmen?
Ist man ein Koch-Newcomer, kann man sich beispielsweise einen Menüplan erstellen, und vorab einiges vorbereiten, wie Müslimischung, Müsliriegel oder Pesto. Wichtig bei der Planung sei auch, an welchem Wochentag man am Ziel ankommt. Handelt es sich womöglich um einen Sonn- oder Feiertag und die Läden bleiben geschlossen?
Basisprodukte und regionale Spezialitäten
Hilfreich sei auch eine praktische Grundausstattung für die Camperküche. Dabei sind für Sämmer zwei Töpfe, eine beschichtete Pfanne, Kochlöffel, Pfannenwender, Schäler, Messer, Schneidebrett und Käsereibe essenziell. Damit ließe sich schon unglaublich viel zubereiten.
Die Camper-Vorräte empfiehlt Sämmer mit Basisprodukten aufzufüllen wie Risotto-Reis, Couscous, Olivenöl, Knoblauch, zwei Dosen Tomaten, Salz- und Pfeffermühle. Diese Grundausstattung lässt sich dann mit regionalen Produkten wie Gemüse, Fisch, Fleisch, Käse beliebig ausbauen. Doch eines muss man gerade an wärmeren Tagen bedenken: Die Fahrzeuge heizen sich schnell auf, so sollten Lebensmittel, die unter den üblichen Temperaturen ungekühlt eine Weile halten, wie beispielsweise Eier, zur Sicherheit gekühlt gelagert werden. Generell gilt: Verderbliches als Erstes aufbrauchen und eventuell nachkaufen. Ein Tipp des Experten zur Kühlung in der Kühlbox ist: Wasser ohne Kohlensäure einfrieren und in die Box legen. So hat es eine doppelte Funktion.
Leckere Resteküche
Doch was ist mit dem Platzproblem? Ein Camper bietet wenig Raum, um Produkte zu verstauen. Folglich muss man platzökonomisch denken. Auch hier weiß der Experte Rat: Bei sperrigem Obst und Gemüse, wie beispielsweise Kürbissen, rät er, einfach nur ein paar Scheiben mitzunehmen, um keine Kerne und keine Luft zu transportieren. Dieses Gemüse muss man dann zeitnah verbrauchen.
Ein weiterer Tipp ist, Produkte bereits daheim aus ihren Verpackungen zu nehmen und in stapelbare Boxen umfüllen. Der Vorteil dabei sei: Die Boxen lassen sich auch nach Aufbrauchen der Produkte zur Aufbewahrung von Resten nutzen, um so Lebensmittelverschwendung vorzubeugen. So handhabt er es auch selbst: „Bei mir wird nichts weggeschmissen. Die Resteküche funktioniert beim Campen ganz hervorragend und die Reste kann man am nächsten Tag zu einem neuen Gericht verarbeiten.“
One-Pot-Gerichte sind Alleskönner
Und welche Gerichte eignen sich zum Kochen im Camper mit wenigen Kochstellen und eventuell begrenztem Koch- und Abwaschwasser? Der Experte plädiert hier für sogenannte One-Pot-Gerichte. Das sind Speisen, die in nur einem Topf zubereitet werden. Zum Beispiel lässt sich die Pasta bei vielen Rezepten gleich zusammen mit der Sauce im selben Topf kochen; am Ende wird also auch kein Kochwasser entsorgt. Der positive Nebeneffekt: man verbraucht weniger Brennstoff, verbraucht weniger Wasser und muss nur einen Topf abwaschen.
Die klassische Dose Ravioli hingegen hält der Koch für entbehrlich. Wer vor der Reise noch zum Discounter fährt, den Camper mit Vorräten vollstopft und im Urlaub kein einziges Mal zum Einkaufen geht, dem „entgehen viele Sinneserfahrungen und das ist schade. Mit Produkten vom lokalen Markt lernt man das Land ganz anders kennen, man schmeckt und spürt es.“ Und diese Wahrnehmung schaffe Erinnerungen. Wer kennt es nicht: Man isst einen Pfirsich und sofort ist da die Erinnerung an einen sonnigen Urlaubstag.
Bleibt noch die Frage: Was hat er selbst gekocht, das er als ungewöhnlich bezeichnen würde? Auf Sardinien hatte er mal Feigen gesammelt, die bereits so reif waren, dass ihre Lebensdauer nur noch sehr begrenzt war. Um die Früchte nicht zu verschwenden, hatte Sämmer sie dann im Camper zu Marmelade eingekocht. Auf diese Weise konnte er „das Land nach Hause mitnehmen“, schwärmt er, als würde er den Duft der frischen Feigen immer noch riechen.
One-Pot-Rezept: Kichererbsen-Curry
Hier verrät der Experte ein einfaches Rezept, das sich hervorragend im Camper zubereiten lässt. Das Kichererbsen-Curry wird in einem Topf zubereitet.
• 1 große Dose oder Glas Kichererbsen• 3-4 reife Fleischtomaten oder 1 Dose Pizza-Tomaten• 1 mittelgroße Zwiebel• 1-2 Zehen Knoblauch• 1 kleine Chilischote• 1 kleines Stück Ingwer• 2 EL Rapsöl• Salz, Pfeffer, ½ Tl brauner Zucker
• Gewürze wenn vorhanden: je ½ TL Koriander, Kreuzkümmel, Kurkuma, Garam Marsala
• Optional: ½ Bund Petersilie oder Koriandergrün, frischer Blattspinat, Hühnerbrust-Stücke
Zwiebel und Knoblauch schälen und hacken.
In einem Topf oder großer Pfanne mit Rapsöl anschwitzen, Ingwer und Chili und die gemahlenen Gewürze zugeben.
Tomaten zugeben und circa 10 Minuten einkochen. Kichererbsen abspülen und zugeben, einmal aufkochen und abschmecken, eventuell mit Kräutern verfeinern.
Dazu passt am besten Naan- oder Fladenbrot oder auch Reis.
Resteverwertung: Schmeckt super auch kalt als Snack im Fladenbrot.
Zur Person
Markus Sämmer wollte ursprünglich Flugzeugbau und -technik studieren. Als er merkte, dass er lieber für seine Kollegen kochte, entschloss er sich für eine Kochausbildung in der Münchner Spitzengastronomie. Nach mehreren Jahren in der Gastronomie nahm er sich ein Jahr Auszeit und fuhr in einem Van durch Australien. Zurück in Europa arbeitete er ein Jahr lang als Koch auf einer Luxusjacht. Seit 2004 betreibt Markus Sämmer ein Cateringunternehmen am Ammersee und ist Autor mehrerer Bücher zum Thema Outdoorkochen.